Eine Wehranlage neben der Autobahn

Zwischen Mai und August 2016 untersuchte das Archäologische Spessartprojekt in Abstimmung mit der Denkmalpfelge des Landkreises Aschaffenburg sowie mit Unterstützung des Vereins für Heimatpflege Waldaschaff die Burg Wahlmich. In etwas mehr als drei Monaten konnte auf einer Flur südwestlich der Gemeinde Waldaschaff, Landkreis Aschaffenburg auf einer Gesamtfläche von ca. 500 Quadratmetern die Reste einer hochmittelalterlichen Burg ausschnittsweise archäologisch untersucht werden. Das Projekt war nur möglich aufgrund des Entgegenkommens und der finanziellen Unterstützung des Eigentümes des Geländes, der Gemeinde Waldaschaff. Eine maßgebliche Förderung erfolgte durch die Kulturstiftung des Bezirks Unterfranken.

Vor Grabungsbeginn war man aufgrund der Geländebeschaffenheit und erster Lesefunde davonausgegangen, dass die Burg Wahlmich eine Niederadelsburg des ausgehenden 12. Jahrhunderts sein könnte. Demnach entspräche sie in zeitlicher Einordnung, Struktur und Dimensionierung sowie in ihrer ursprünglichen Funktion der Ketzelburg bei Haibach. Schon in den ersten Grabungswochen wurde diese Theorie durch den Fund von über zwei Meter mächtigen  Mauerfundamenten wiederlegt. Spätestens mit der Aufdeckung eines Segments des südlichen Burggrabens konnte die Burg als hochmittelalterliche, stark befestigte, steinerne Wehranlage angesprochen werden. Diese wurde in der Mitte des 13. Jahrhunderts von den Grafen von Rieneck im Rahmen ihrer Expansion in Richtung Aschaffenburg an einem damals sicher nicht unbedeutenden Fernhandelsweg errichtet.

Nach ihrer Niederlage gegen den Erzbischof von Mainz bei Alzenau im Jahre 1266 dürfte die Burg zu jenen Befestigungen gehört haben, zu deren unverzügliche Niederlegung sich die Grafen von Rieneck in Folge dieser Ereignisse vertraglich verpflichten mussten. Die Niederlegung der Mauern weisen ebenso wie das Fundgut größte Ähnlichkeiten mit den Befunden und Funden vom Alten Schloss bei Kleinwallstadt auf. Nach ihrer Niederlegung geriet die Burg Wahlmich in Vergessenheit. Sie wurde seither nicht wieder besiedelt.

Aufgrund der hohen Dichte an Befunden war es 2016 lediglich möglich, die südliche Hälfte des Burghügels ausschnittweise archäologisch zu untersuchen. Sowohl die Gemeinde Waldaschaff als auch der Verein für Heimatpflege Waldaschaff haben ihr Interesse bekundet, die Grabungen 2018 fortzusetzen.