Im Jahre 1827 läutete ein schlichtes Bild auf Asphalt das fotografische Zeitalter ein. Inzwischen sehen wir uns täglich einer wahren Bilderflut ausgesetzt. Noch ist unklar, wie wir im Zeitalter der Digitalfotografie mit diesem Erbe umgehen werden – immerhin werden alleine in Deutschland jährlich mehr als fünf Milliarden Fotoabzüge hergestellt.

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts ist unsere Wahrnehmung von Bildern durch die schiere Masse, die täglich auf uns einströmt, getrübt. Und doch lohnt es sich genau hin zu sehen, lohnt es sich Bilder kritischer zu lesen, aufmerksam und bewusst wahrzunehmen.

Die vorliegende Sammlung fotografischer Aufnahmen aus dem Spessart versteht sich daher nicht als nostalgischer Versuch einer Wiederbelebung vergangener Idylle. Vielmehr geht es darum, neues und bislang verborgen gebliebenes historisches Material zur Kulturgeschichte des Spessart Interessierten zugänglich zu machen und das bisherige Wissen über die Kulturlandschaft Spessart zu ergänzen.

 

Fotos aus dem Spessart dienten der Bildung, dem Interesse am Zeitgeschehen, der Selbstdarstellung, der Dokumentation von Innovation und Wohlstand. Die Fotos waren fester Bestandteil der Lebenswelt und zugleich Festigung der eigenen Individualität. Der Zugriff auf die Lebenswirklichkeit des 19. und 20. Jahrhunderts, den diese Galerie dokumentiert, ist begrenzt. Fotos als zeit- und vor allem kostenintensives Medium wurden aus dem originalen Zusammenhang gelöst und inszeniert. Zudem zeigen die Aufnahmen ihrem Realitätsbezug zum Trotz die ganz persönliche Sichtweise des Fotografen.