Das ASP widmet sich der Forschung und Pflege der Kulturlandschaft des Spessarts, einer Region an der Grenze der Bundesländer Bayern und Hessen. Das ASP arbeitet dabei eng mit verschiedenen Universitäten und Forschungsinstituten in einer Vielzahl wissenschaftlicher Projekte zusammen.

Im Zuge dieses Projektes wurde im Bereich des Bodendenkmals „Kugelburg“ bei Goldbach eine Sedimentanalyse mit Hilfe der Geoelektrik durchgeführt. Dabei war zu ermitteln, welche Substrate mit welcher Schichtung und Mächtigkeit im unmittelbaren Umfeld des Bodendenkmals vorzufinden sind. Der Einsatz dieser geophysikalischen Prospektionsmethode ermöglicht ohne aufwändige Tiefbauarbeiten einen großflächigen Überblick über die Bodenverhältnisse im Bereich des jeweiligen Bodendenkmals. Es besteht auch keine Gefahr, dabei Reste der Bausubstanz des Denkmals zu zerstören.

Im westlichen Vorspessart tritt das kristalline Grundgebirge zu Tage. Es entstand durch die variskische Gebirgsbildung im Devon und im Karbon in Folge niedriggradiger Mitteldruckmetamorphose proterozoischer und altpaläozoischer vulkanosedimentärer Schichten. Die Schichtenfolgen wurden durch spätvariskische Deformationen stark verschoben.[1]

Der Burgstall Kugelburg liegt 2900 m nord-nordwestlich der Haibacher Kirche im „Gemeindewalddistrikt II, Kugelberg“ auf dem Kugelberg, einem nordwestlich vorgeschobenen Ausläufer der Hochfläche des Spessarts, etwa 4500 m östlich von Aschaffenburg. Im Norden und Westen fällt das Gelände steil in die Täler der Aschaff und des Röder Baches ab, im Süden dagegen geht der steile Hang nach etwa 5 m in einen 6 m breiten, seichten Graben über, der den Kugelberg vom naheliegenden, auf 309 m ü. NN ansteigenden Gartenberg trennt. Der Burgstall ist vom Höhenzug im Osten durch eine Senke abgesperrt. Der Hügel hat einen Durchmesser von etwa 20 m.

Der Kugelberg selbst weist eine Höhe von 239 m ü. NN auf. Er zeichnet sich im Allgemeinen durch einen leukokraten Gneis aus, dem als Ausgangsgesteine Granit, Granodiorit, Rhyolith, saurer Tuffit, Pegmatit und Aplit zugrunde liegen[2]. Belegt werden diese Informationen durch im Gelände vermehrt angetroffene Muskovit-Biotit-Gneise, die direkt freigelegt waren oder durch das gegrabene Bodenprofil am Hang zum Vorschein kamen. Naturräumlich ist das Untersuchungsgebiet in der Aschaffsenke zu verorten und dem kristallinen Grundgebirge der variskischen Orogenese zuzuordnen[3].

Geologisch besteht der Kugelberg überwiegend aus Muskovit-Biotit-Gneis, wobei sich in tieferen Lagen Schichten von Löss und Lösslehm, sowie Muskovit-Biotit-Schiefer deutlich abzeichnen[4].

Das Klima im Raum Aschaffenburg ist nach Köppen-Geiger als Cfb klassifiziert. Es ist das ganze Jahr über warm und gemäßigt und weist im trockensten Monat (Februar) noch hohe Niederschläge auf. Die Jahresdurchschnittstemperatur liegt bei 9,9°C und die jährlichen Niederschläge summieren sich auf 635 mm[5]. Damit weist der Vorspessart deutlich mildere Bedingungen auf als der Hochspessart[6].

Die Entwässerung des Gebietes findet über das nördlich gelegene Tal der Aschaff statt.

Der Muskovit-Biotit-Gneis bietet hydrogeologisch betrachtet keine guten Speichermöglichkeiten für Wasser, da dieser wasserundurchlässig ist[7]. Jedoch könnte es zur Ansammlung von Grundwasser am Übergang des verwitterten Gneises zum unverwitterten Kristallin kommen. Quellhorizonte sind im Bereich der Hügelkuppe nicht vorhanden[8]. Die Quellhorizonte beschränken sich auf die Gebiete westlich und südlich des Kugelbergs.

Die Bodenübersichtskarte des bayrischen Umweltatlas zeigt für den Kugelberg eine flächendeckende Verbreitung von Braunerden aus skelettführendem (Kryo-)Lehm. Inselhaft sollen auch Braunerden mit lehmiger bis sandiger Deckschicht auftreten. Im Bereich des Röder Baches südlich des Kugelbergs werden in den unteren Hangabschnitten gering verbreitete Kolluvisole angezeigt[9].

Neben der Geologie und dem Bodentyp, die am Kugelberg anzutreffen sind, ist für die Fragestellung des Projekts auch die Topographie interessant, die durch die verschiedenen Sedimentationsprozesse beeinflusst wird. Die Lage am Berghang wurde gewählt, da hier eine erhöhte Chance besteht, dass es zur Erosion von Material kommt, welches sich dann an anderer Stelle des Hangs wieder ansammelt. Ein Blick in eine historische Karte im BayernAtlas lässt erkennen, dass es am Kugelberg in der Vergangenheit zu einer stärkeren Erosion gekommen sein muss, da die Höhe des Bergs um das Jahr 1931 mit 244 Metern und heutzutage mit 239 Metern im BayernAtlas kartiert ist. Daraus lässt sich die Vermutung aufstellen, dass sich die Höhe des Bergs durch Abtragung verringert hat und es somit voraussichtlich am Hang und dem Fuß des Kugelbergs zur Akkumulation gekommen ist, welche für die Fragestellung des Projektes von Interesse ist. Dass die Veränderung der Topographie ein Produkt der Erosion ist, ist an dieser Stelle nur eine Vermutung, die sich auf diesen natürlichen Prozess stützt und eine mögliche Erklärung für den zeitlichen topographischen Wandel des Kugelbergs darstellt.

Der gesamte Hügel, auf dem sich der Burgstall befindet, ist von lichtem Wald bestanden. Direkt am Fuß des Burgberges beginnt die Bebauung des Goldbacher Ortsteiles Kugelberg. Von Bautätigkeiten in naher Zukunft scheint die Anlage, die naturschutzrechtlich als Bannwald definiert ist, jedoch nicht betroffen.

Anmerkungen:

[1] Gerd Geyer, Fränkische Landschaften. Arbeiten zur Geologie von Franken. Bd. 2: Geologie von Unterfranken und angrenzenden Regionen, Gotha 2002

[2] BAYERNATLAS: Geologische Karte von Bayern 1:500.000

[3] Geyer 2002 (wie Anm. 1)

[4] Gerhard Klose, Projektarbeit „Geophysikalische Prospektion im Spessart. Messungen Geoelektrik Burgstall Kugelburg bei Goldbach und Burg Wahlmich bei Waldaschaff. (masch. Studienarbeit am Institut für Geographie und Geologie der Universität Würzburg), Würzburg 2018, S. 3.

[5] Quelle: CLIMATE-DATA.ORG

[6] Ulrike Rösner, Die Mainfränkische Lössprovinz. Sedimentologische, pedologische und morphodynamische Prozesse der Lössbildung während des Pleistozäns in Mittelfranken, Bd. 37, (Mitteilungen der Fränkischen Geographischen Gesellschaft) Berlin/Stuttgart 1990, S. 45.

[7] Jessica Chmiela, Kartierung und Charakterisierung von Quellen und Quellhorizonten mit Hilfe geophysikalischer Methoden. (masch. Studienarbeit am Institut für Geographie und Geologie der Universität Würzburg), Würzburg 2018, S. 2.

[8] Chmiela 2018 (wie Anm. 7), S. 9 inkl. Abb. 7.

[9] http://www.umweltatlas.bayern.de/mapapps/resources/apps/lfu_geologie_ftz/index.html?lang=de


© Michael Geißlinger, Schriesheim, 2019, in Zusammenarbeit mit dem Institut für Geographie und Geologie der Universität Würzburg