Ex cathedra in die rauhe Wirklichkeit

Das Archäologische Spessartprojekt war von Anfang an durch zwei Faktoren geprägt: seine fächerübergreifende Ausrichtung in einem holistischen Verständnis des Landschaftsbegriffs und durch ein starkes bürgerschaftliches Engagement. Daraus entwickelte sich, vor allem auch durch den Einfluss europäischer Partner, eine starke Verbindung aus wissenschaftlicher (universitärer) Forschung und den freiwilligen Helfern aus der Zivilgesellschaft. Lange bevor Begriffe wie „Citizen Science“ oder „Bürgerforschung“ Modeworte in der akademischen Welt wurden, hat das ASP diese Philosophie gelebt. Durch die Unterzeichnung des Kooperationsvertrages mit der Universität Würzburg 2006 wurde diese Verbindung formalisiert und durch die Ernennung zu einer Forschungseinrichtung an der Universität Würzburg (An-Institut) 2010 weiter gestärkt.

Auch als An-Institut steht nicht nur der Aspekt der Bürgerforschung, sondern auch des fächerübergreifenden Verständnisses von Landschaft im Mittelpunkt. Das Archäologische Spessartprojekt hat zwar traditionell sehr starke Verbindungen zum Institut für Geschichte, arbeitet aber auch mit Geologen, Geographen und Archäologen eng zusammen. Als An-Institut betreut es nicht nur Lehrveranstaltungen und Exkursionen. Unser Projekt bietet darüber hinaus es eine Plattform für stark praxisorientierte Feldforschung und Übungen, aus denen Fach- und Abschlussarbeiten auf allen Ebenen (Bachelor, Master, Doktorat) hervorgehen. Eine Vertiefung ist durch das Absolvieren von Praktika in verschiedenen Fachbereichen möglich.  Ein Volontariat im Bereich Archäologie kann als Erweiterung der Berufsqualifizierung dienen.

Das Archäologisches Spessartprojekt bietet ein internationales Netzwerk an Partnern im universitären wie außeruniversitären Bereich, das stark praxisorientiert ist. Dabei verbindet das ASP Forschung und Zivilgesellschaft nicht nur in der Wissenschaft sondern auch im konkreten Engagement für die Landschaft, etwa in Konsultationsverfahren der Europäischen Union oder der Umsetzung der Europäischen Landschaftskonvention des Europarates. Daraus entstehen auch wiederum Forschungsarbeiten etwa in den Politikwissenschaften oder der Soziologie.

In den Grabungen des Archäologischen Spessartprojekts, bei der Entwicklung der Kulturwege und bei konkreten Forschungsprojekten, etwa zu historischen Karten, historischer Bausubstanz oder lokaler Sprachformen bringen wir immer wieder Studenten und Bürger vor Ort zusammen – nicht nur durch Vorträge und Seminare, sondern zu einem echten Meinungsaustausch und gemeinsamen Forschungsarbeiten.


Folgende Abschlussarbeiten an den Universitäten Bamberg und Würzburg entsanden in enger Kooperation mit dem Archäologischen Spessartprojekt

Sabrina Bachmann, Die Friedhofsbestattungen des mittelalterlichen Klosters Elisabethenzell bei Rieneck, Ldkr. Main-Spessart. Eine Analyse zu Belegungsabfolge und Bestattungssitten mittels digitaler 3D-Modelle. Masch. Masterarbeit (Würzburg 2016).

David Enders, Zerstörung von Burgen. Untersuchungen zu einem Phänomen des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit mit Beispielen aus dem Spessart. (Masch. Masterarbeit) (Bamberg 2014).

Christine Engler, Keine Burg weit und breit? Die Burgenlandschaft des westlichen Spessart vom 12. bis 14. Jahrhundert. (Masch. Magisterarbeit) (Bamberg 2009).

Jürgen Jung, GIS-gestützte Rekonstruktion der neogenen Reliefentwicklung tektonisch beeinflusster Mittelgebirgslandschaften am Beispiel des Spessarts (NW-Bayern, SE-Hessen). (masch. Dissertation am Geographischen Institut der Universität.Würzburg) (Würzburg 2006).