Das Areal der ehemaligen Burg Hauenstein wurde im Jahre 2017 durch die Anlage von drei Schnitten archäologisch untersucht. Weiterhin wurden auf dem Burghügel die bereits vor 1900 freigelegten Mauersegmente gesäubert und fotografisch sowie zeichnerisch erfasst. Die Schnitte dienten der Erfassung der Befundsituation im Bereich der südwestlichen Ecke des Burgstalls sowie des westlich davon gelegenen Teiches.

Es ist geplant, die nun offenliegende Ecke von Ring- und Zwingermauer einschließlich der Fundamentes der westlich vorgelagerten Mühle im Rahmen eines archäologischen Parks dergestalt offenzuhalten, dass der Besucher eine klare Vorstellung von der ursprünglichen Dimension der Burg und ihre Einbettung in die sie umgebende Kulturlandschaft bekommt.

Schnitt 1

Der erste Schnitt der Ausgrabungen auf der Burg Hauenstein 2017 wurde im Bereich der Ringmauer angelegt. Dabei untersuchte man zunächst das Areal innerhalb der Ringmauer (Schnitt 1 Ost). Dort wurde ersichtlich, dass die aus lokalem Gestein (Gneis) errichtete Ringmauer bei der Steinentnahme zur Errichtung des Hofgutes Hauenstein (1805) teilweise abgetragen wurde. Der bei dieser Maßnahme entstandene Abbruchschutt, primär bestehend aus Mörtelbrocken und dem zwischen den Schalungssteinen ursprünglich eingebettenen Steinkleinschlag, lagerte sich als mächtiges Schichtpaket innerhalb sowie an der Ringmauer ab. Von der Steinentnahme ausgenommen war ein einzelner Werkstein aus Sandstein. Die Werksteine aus dem ortsfremden Gestein waren auf der Burg Hauenstein in die Mauerecken eingebunden. Auch bestanden sämtliche Laibungen von Türen und Fenstern auf Buntsandstein. Bei der Brandzerstörung im Jahre 1405, die flächig in allen Schnitten dokumentiert werden konnte, wurden die Werkstücke aus Sandstein durchgeglüht und verloren damit ihre Festigkeit. Die so unbrauchbar gewordenen Spolien verblieben vor Ort.

Schnitt 1 Ost

Innerhalb der Ringmauer war der Laufhorizont der letzten Nutzungsphase von etwa 300 cm mächtigen Schichtpaketen überlagert. Die Schichtendicke zeigt eindrücklich, wie massiv und gut erhalten die Bausubstanz der Ruine vor ihrem Abtrag im Jahre 1805 gewesen sein dürfte.

Der Abbruchschutt lagerte auf einer bis zu einem halben Meter mächtigen Strate aus Hohlziegeln auf. Darunter kamen mehrere Lagen von Stampffußböden zu Tage. In die tiefste der untersuchten Straten waren Halbzylinderkacheln vom Typ Tannenberg (Phase 2) eigebettet. Damit ist der Nachweis möglich, dass diese Straten frühestens in den 1370er Jahren angelegt worden sein könnten.

Planum 2 im selben Schnitt ergab lediglich zwei Gruben, denen keine eindeutige Funktion zugewiesen werden konnte. Aufgrund von Sicherheitsaspekten (Höhe des erhaltenen Mauerwerks) sah man danach von einer weiteren, schichtweisen Tieferlegung des Schnitts ab.

Die Ringmauer selbst ist im Bereich des Schnitts 1 Ost zu einer Ecke ausgebildet, wobei der Fundamentbereich deutlich stärker (bis zu 180 cm) ausgebildet ist, als das aufgehende Mauerwerk (bis zu 120 cm). Dies wird vor allem im Profil deutlich. Dort verjüngt sich das Mauerwerk zur Oberkante hin deutlich.

Bei dem Mauerwerk handelt es sich um zweischaliges Mauerwerk aus Gneisbruchsteinen lokaler Provenienz. Auffällig ist die unregelmäßige Lagigkeit der verwendeten Steine. Die verwendeten Steine auf der Burg Hauenstein wirken recht kleinteilig. Offenbar eignete sich der anstehende Gneis in eher geringem Maße zur Errichtung mächtiger Mauerstrukturen. Ein vergleichbares Problem zeigte sich jüngst bei den Grabungen auf dem Kugelberg bei Goldbach, wo ein ähnliches Gestein für die Grundstrukturen verwendet wurde. An der (erhaltenen) Oberkante der Ringmauer wird die starke Vermörtelung der Mauerstrukturen deutlich. Trotz der Kleinteiligkeit des verwendeten Steinmaterials bildet das Mauerwerk eine recht glatte Kante sowohl an der Innen- als auch an der Außenschale. In Schnitt 1 Ost bildet die Ringmauer eine Ecke mit einem Winkel von ca. 85°. Im Eckbereich wird deutlich, dass das Steinmaterial der Außenschale anlässlich der Errichtung des Hofgutes Hauenstein (1805) tiefgründig ausgebrochen wurde. Im Innenbereich sah man von einer tiefgründigen Freilegung der Innenschale des Mauerwerks aus Sicherheitsgründen ab.

Blick auf die Ecke der Ringmauer von Norden. In diesem Bereich ist die Mauer bis zu vier Meter hoch erhalten.

Das Mauerwerk war noch bis zu 400 cm hoch erhalten, die Befundsituation lässt jedoch den Schluss zu, dass vor der Steinentnahme 1805 das Mauerwerk noch deutlich höher erhalten gewesen sein dürfte. Dies zeigt auch der Mauerausbruch oberhalb der aufgehenden Ringmauer. Die ursprüngliche Mauerhöhe zeigt sich deutlich an den Mörtelresten im Profil. Die Eigenschaften des Baugesteins (anstehender Gneis) machten eine hohe Qualität und Bindefähigkeit des Kalkmörtels erforderlich. Aufgrund der ausgesprochen ausschnittweisen Untersuchung konnte der weitere Verlauf der Ringmauer nicht eruiert werden. Das auf der Burg Hauenstein entdeckte Mauerwerk wies an allen untersuchten Stellen eine Grundstruktur auf, die im Wesentlichen mit denen der Ringmauer übereinstimmte.

Schnitt 1 West

Die Befundsituation in Schnitt 1 Ost, insbesondere die unerwartete Auffindung einer Zwingermauer, machte es notwendig, eine Unterteilung des Schnitts in die Bereiche innerhalb der Ringmauer (Schnitt 1 Ost) und dem ihr vorgelagerten Zwinger (Schnitt 1 West) vorzunehmen.

Die südwestliche Einfassung von Schnitt 1 West bildet die Zwingermauer. Der Bereich zwischen Ringmauer und Zwingermauer (Schnitt 1 Mitte West) erwies sich aufgrund der Massivität des Abbruchschuttes von Wohnturm und Ringmauer aus dem Jahre 1805 als grabungstechnische Herausforderung. Um auf den Laufhorizont der letzten Nutzung der Burg der Periode 3 und 4 zu kommen, mussten etwa drei Meter aufgelagerter Bauschutt händisch abgetragen werden. Der Bauschutt wurde durch zahlreiche Mauerblöcke stabilisiert, die nach der Entnahme der Wangensteine en block den Hang heruntergeschmissen wurden.

Unter dem obersten Laufhorizont des Zwingers lagen mehrere Verfüllungsschichten mit  Steinstückungen. Diese dürften in dem Areal zwischen Ring- und Zwingermauer als Drainagen fungiert haben. Der Steinkleinschlag gibt und auch einen Hinweis darauf, wie der bei der Errichtung der Ringmauer angefallene Bauschutt weiterverwendet wurde. Die Dokumentation der Baugrube der Ringmauer und deren intentioneller Verfüllung lieferte erste Informationen über die Art und Weise der Errichtung der Ringmauer. Aus Gründen der Arbeitssicherheit war es 2017 jedoch nicht möglich, die Gründungen dieses Baukörpers zu ergraben. Damit war es auch nicht möglich, die exakte Tiefe dieses Mauerteils zu ergründen.

Die Zwingermauer erwies sich mit einer dokumentierten Höhe von etwa 200 cm als wesentlich niedriger erhalten als die Ringmauer. Auch hier zeigt sich die unregelmäßig lagenhafte Aufführung des Mauerwerks aus lokalem Gneisgestein, das in auffallend viel Kalkmörtel von hoher Qualität und Bindefähigkeit gesetzt wurde. Im Befund wird deutlich, dass sich der Verlauf der Zwingermauer mit ihrem stumpfen Winkel in der Südwestecke (ca. 130°) von demjenigen der Ringmauer unterscheidet. Daher liegt die Vermutung nahe, dass die Zwingermauer eine polygonale Form einnahm. Ohne weiterführende Untersuchungen zum Verlauf muss dies allerdings eine Vermutung bleiben. Die Befundsituation im Zusammenhang mit der Ringmauer und deren Baugrube weist auf eine gleichzeitige Errichtung beider Mauersegmente hin (Periode 2).

Schnitt 1 West: Bereich zwischen Ring- und Zwingermauer

Eine Datierung der Nutzungshorizonte des Zwingers gelingt durch die in die humosen Straten eingebetteten Keramiken (Flaschen mit Siebeinsatz in der Art der Flaschen von der Burg Bartenstein bei Partenstein und von der Töpferei in Steinau-Ulmbach, Stubach)[1] sowie durch Halbzylinderkacheln vom Typ Tannenberg der zweiten Periode (zwischen 1360 und 1400)[2].

Im Aufriss zeigen sich deutliche Unterschiede in Ring- und Zwingermauer. Die Ringmauer gibt sich durch ihren einheitlichen Aufbau mit geraden Fluchten und gleichmäßigen Lagen von Mauersteinen als in einem Zug errichtetes Gewerk zu erkennen. Dagegen sind an der Südwestecke der Zwingermauer gleich drei Bauphasen abzulesen. Die Zwingermauer bindet einem Schalenturm älterer Zeitstellung (Periode 1) in ihren Bestand ein. Um ein winkeliges Aufeinandertreffen der Zwingermauersegmente zu ermöglichen, wurden die Außenschalen des Turmes teilweise ausgebrochen. Über einer weitgehen horizontalen Baufuge wurde in der Periode 2 als Aufgehendes die brüstungshohe Zwingermauer in einem Zug errichtet. Von dieser haben sich nur noch die untersten zwei Lagen erhalten. Der in die Zwingermauer eingebundene Schalenturm ist der einzige Nachweis eine Bebauung des Areals in der Periode 1. Ansonsten verweist lediglich ein nicht genauer zu fassender Fundschleier verlagerter Kugeltöpfe aus hell brennender, glimmerhaltiger Vorspessartware auf die Existenz einer Vorgängeranlage zu der im letzten Drittel des 14. Jahrhunderts errichteten Vorgängerburg.

Bei der Freilegung der Außenkante der Zwingermauer wurden eine weitere, für die Interpretation der Anlage wichtige Entdeckungen gemacht: Der Zwingermauer ist ein weiteres Gebäude westlich vorgelagert und an diese angesetzt. Dabei dürfte es sich um das in Schnitt 2 anschließend näher untersuchte Mühlengebäude handeln.

Schnitt 2

Aufgrund der vorgefundenen Situation in Schnitt 1 und der Entdeckung der Mauerreste, die der Zwingermauer westlich vorgelagert waren, wurde es für notwendig erachtet, die entdeckten Mauerreste näher zu untersuchen.

Dazu legte man im Bereich westlich des Zwingers einen entsprechenden Schnitt an (Schnitt 2). Aufgrund der Befunddichte auf engstem Raum wurde Schnitt 2 später in vier Flächen (Ost, Nord, Süd, West) untergliedert. Zunächst erfolgte die Anlegung des Schnittes 2 Ost.

Schnitt 2 Ost

Nach Westen ausragende Stützmauer mit dem anschließenden Fachwerkbau im HintergrundDer nach Westen ausragende Mauerteil, der an der Zwingermauer anschließt, ist wohl als Stützmauer einer späteren Phase der Zwingermauer anzusprechen. An diesen angebaut fand sich bei den Freilegungsarbeiten ein parallel zur Zwingermauer verlaufender Mauerrest. Die beiden im spitzen Winkel zueinander liegenden Mauersegmente weisen im Westen eine deutlich erkennbare Mauerfuge auf, sind also nicht gleichzeitig oder zumindest nicht miteinander verzahnt errichtet worden.

Schnitt 2: Bereich zwischen Zwingermauer und FachwerkbauIm Vergleich zu den Bereichen zwischen Ring- und Zwingermauer (Schnitt 1) und dem Bereich innerhalb des Fachwerkhauses (Schnitt 2) kann das Areal zwischen dem Fachwerkhaus und der Zwingermauer als verhältnismäßig „fundarm“ gelten. Lediglich 13 von 422 Fundnummern wurden hier vergeben. Beim Blick auf die vorhandenen Materialgruppen innerhalb des Fundspektrums lassen sich keine Konzentrationen bestimmter Materialien feststellen. Die Befunde ergeben dennoch eine interessante Konstellation: eine stellenweise bis zu 40 cm mächtige Schicht aus verziegeltem Lehm und Hohlziegeln stellt die Überreste des Fachwerkaufbaus jenes Hauses dar, welches der Burg ursprünglich westlich vorgelagert war und dessen Grundfläche bei den Grabungen 2017 fast vollständig ergraben werden konnte. Das Haus wurde 1405 bei einem Brand zerstört. Teile der Fachungen und des Daches stürzten auf den Laufhorizont der Nutzungszeit bis 1405.

Desweiteren zeigten sich die künstlich angelegten Aufschüttungen zur Unterfütterung des Laufniveaus. Im Gegensatz zum Bereich zwischen Ring- und Zwingermauer (Schnitt 1) war hier keine Drainage aus Bruchsteinen angelegt worden, sondern lediglich eine grushaltige Sandschicht. Der anstehende Boden wurde sicherheitstechnisch bedingt (Mauerhöhe von mehr als zwei Metern) nicht erreicht.

In Schnitt 2 Ost konnte der Bereich zwischen der Zwingermauer und der östlichen Außenmauer des vorgelagerten Gebäudes erfasst werden. Der sorgfältig aufgearbeitete Untergrund unter dem Laufhorizont legt nahe, dass die knapp zwei Meter breite gassenartige Struktur als Weg genutzt wurde. Dies bestätigte sich bei den Untersuchungen der Flächen in den Schnitten 2 Mitte und 2 Nord. In dem Brandschutt des Kellers des westlich an die Burg angrenzenden Hauses lag das aus Sandstein geschlagene Gewände einer Tür. Deren Positionierung lässt auf eine Platzierung im Bereich jener beiden Konsolsteine schließen, die in die östliche Kellerwand eingearbeitet waren. In Summe liefern beide Befundbeobachtungen eine ausreichende Basis für das Postulat, dass der einzige (?) oder zumindest der repräsentativste Zugang zum der Burg vorgelagerten Haus durch die in Schnitt 2 Ost gefasste Gasse zwischen westlicher Zwingermauer und östlicher Mauer des vorgelagerten Fachwerkhauses zugänglich gewesen sein dürfte. Die Deutung des Befundes als Erschließungsweg ist damit recht eindeutig belegbar.

Schnitt 2 Süd

Um den Zusammenhang zwischen Zwingermauer und der westlich ausragenden Stützmauer nachzuvollziehen, wurde südlich des in Schnitt 2 Ost entdeckten Mauerrestes zwei weitere Flächen geöffnet (Schnitt 2 Mitte-Süd, Schnitt 2 Süd). Dabei wurde ersichtlich, dass dem 1405 abgebrannten Fachwerkgebäude, dessen südlichen Abschluss wohl die Stützmauer gebildet haben dürfte, ursprünglich temporär ein weiteres, hölzernes Gebäude südlich vorgelagert war. Diese Konstruktion, für die ein Mäuerchen als Fundament gedient haben dürfte, wies keinerlei Spuren einer Brandzerstörung auf, muss also bereits vor dem Brand 1405 abgetragen worden sein.

Beim Abtrag des an der Zwingermauer angelagerten Bauschutts zeigte sich, dass im Bereich der Zwingermauer wohl ein Vorgängerbau (vor 1375) mit halbrunder Form gestanden haben muss.[3] Die Reste dieser Konstruktion kragten nach Westen hin halbkreisförmig aus. Beim späteren Ausbau der Anlage diente dieses Bauelement wohl als Fundamentierung der Zwingermauer, welche dann durch die Stützmauer abgestützt werden musste.

Ansicht der Zwingermauer südlich der ausragenden StützmauerSüdlich davon (Schnitt 2 Süd) wurde im weiteren Verlauf der Grabung die westliche Außenschale der Zwingermauer verfolgt. Auch hier kam eine als Drainage eingebrachte Schuttschicht zum Vorschein, die im Zuge der Umbaumaßnahmen ab 1375 angelegt worden sein dürfte. Eine sehr fundreiche Kulturschicht östlich des Fundamentmäuerchens kann am ehesten als mit Abfall vermengter Laufhorizont gedeutet werden. Dieser steht nicht im Zusammenhang mit dem Brand des Fachwerkhauses (1405). Die Funde aus dem Laufhorizont sind der Periode 3 zuweisbar.

Mit Hilfe einer kleinen Sondageuntersuchung (Schnitt 2 Süd-West) wurde dem westlich gelegenen Bereich des südlich der Stützmauer befindlichen Areals nachgespürt. Dort ergaben sich als weiterführende Erkenntnisse, dass zur Zeit der Nutzung der Anlage (Perioden 3 bis 4) das Gelände deutlich steiler nach Westen abfiel, als vor der Grabung zu vermuten war. Darüber hinaus wurde deutlich, dass beim Brand des Fachwerkhauses in den Schnitten 2 Mitte und 2 Nord Teile des Gebäudeensembles nach außen gefallen sein dürften. Die Beobachtungen entsprechen den Rückschlüssen, die vergleichbare Auflagerungen in Schnitt 2 Ost zuließen.

Schnitt 2 Mitte und West

Die Erweiterung des Schnittes 2 nach Westen in dem außerhalb des als Bodendenkmal gekennzeichneten Bereich der Grabungsfläche diente zur Untersuchung des der Burg westlich vorgelagerten Gebäudes. Dort zeigte sich, dass der verstürzte, verziegelte Hüttenlehm den kompletten Keller gefüllt hatte, und zwar in einer Schichtenmächtigkeit von bis zu 120 cm. Überlagert wurde dieser von einer Schicht Abbruchschutt, der bei der Steinentnahme der Burgruine im Jahre 1805 entstanden sein dürfte. Aufgrund der Häufigkeit der mit dem Hüttenlehm vermischen Fragmenten von Hohlziegeln kann davon ausgegangen werden, dass das Fachwerkgebäude über ein mit Ziegeln gedecktes Dach verfügt haben dürfte. Die Schichtendicke lässt weiterhin vermuten, dass auf dem aus örtlichen Steinen errichteten Kellermauern ursprünglich ein mindestens zwei Stockwerke hohes Fachwerkgebäude gesessen haben dürfte.

Die Innenbereiche des Fachwerkhauses stellten sich weiterhin als überaus fundreich heraus: 220 der insgesamt 422 vergebenen Fundnummern stammen diesem Areal. Die Funde aus Schnitt 2 Mitte und West sind primär in zwei Straten zu unterteilen: Das Gros der Fundstücke stammt aus den Straten über dem Kellerboden. Die Fundstücke repräsentieren dabei deutlich mehr als den Haushalt eines begüterten Bewohners des Anwesens. Einerseits sind zahlreiche Fundgruppen deutlich überrepräsentiert (eiserne Leuchter, Hacken, Tür- und Fensterangeln). Andererseits scheinen andere Objekte aus ihrem ursprünglichen Kontext gerissen zu sein. So stammt aus der Brandschicht der fast vollständige Oberofen eines Kachelofens mit grün und gelb glasierten Nischenkacheln des Typus Tannenberg. Formal sind die Stücke motivident mit vergleichbaren Kachelfragmenten aus den Laufhorizonten von Schnitt 1 Ost und West, sind damit nicht dem vorgelagerten Gebäude, sondern der Burg selbst zuzuweisen. Andererseits fehlen die für den Feuerkasten eines solchen Ofens unentbehrlichen Becherkacheln. Auch sind für das Fachwerkhaus Objekte wie die eiserne Aufhängung eines Lüsterweibchens oder ein versilberter, mehrarmiger Hängeleuchter aus Bronze bezeugt, die man schwerlich in diesem Zeithorizont in einem Mühlengebäude erwarten würde.

Es scheint so, als wären aus der im Jahre 1405 auf Ansage zu zerstörenden Burg vor ihrer geplanten Devastierung von den Bewohnern systematisch alle verwertbaren Objekte entfernt, verpackt und in dem vorgelagerten Fachwerkhaus zwischengelagert worden. Unglücklicherweise wurde das Gebäude niedergebrannt, bevor man die Ausstattungsgegenstände anderweitig verbringen konnte.

Auf dem Kellerboden lagen deutlich mehr Objekte, die man zum Hausstand der Mühle zurechnen würde. Neben Werkzeugen wie Spaten und Hacken sind zwei große kupferne Kessel zur Wasseraufbereitung dieser Fundgruppe zuzuweisen. Auch die Keramik gehört in diesen Kontext. In den Kellerboden eigetieft war ein Eisenhort. Die Anordnung der 28 Objekte legt nahe, dass diese ursprünglich in einem hölzernen Fass gelegen haben dürften. Neben einer Kandare und zwei Steigbügeln sind in diesem Kontext Messer, ein zweiarmiger Tischleuchter, ein Spatenschuh und ein Deichelbohrer aufzuführen. Die willkürlich scheinende Auswahl der eisernen Bestandteile von Werkzeugen und anderen Alltagsgegenständen unterstreicht den Charakter als Depot zur Aufbewahrung von Objekten, deren Wert primär in der Wiederaufbereitung des Rohstoffes Eisen zu sehen ist. Für die funktionale Ansprache des Hausbefundes sind drei eiserne Fundstücke, die ebenfalls in diesen Depotkontext geborgen werden konnten, ausschlaggebend: Das beiden eisernen Endstücke einer Mühlenwelle und die dazugehörigen  Reife zur Verklammerung in der hölzernen Achse des Mühlrades.[4]

Der Bereich wurde anschließend weiter, teilweise bis unter den nach Westen mindestens einmal abgetreppten Kellerboden abgetieft. Dies diente der Suche nach der Vorgängerbebauung, dem anstehenden Felsen und der Erschließung der Fundamentierung der Mauern.

Eine Besonderheit dieses Schnitts stellt der nach etwa drei Metern nach Westen plötzlich steil abfallende Befund dar. Um diesem Umstand nachzuspüren, wurde unter der Bezeichnung Schnitt 2 Mitte West eine weitere Fläche geöffnet. Unter der Schuttüberdeckung, die von der Brandzerstörung des Fachwerkhauses stammen, trat auch hier die Drainage aus grobem Bauschutt zu Tage, bei der es sich um die Unterfütterung des Kellerbereichs des Fachwerkhauses gehandelt haben dürfte.

Weiterhin wurde ein grob Nord-Süd verlaufendes Mäuerchen entdeckt (Planum 2), das durch seinen Verlauf und seine Lage durchaus als westliche Abschlussmauer des Fachwerkhauses interpretiert werden könnte.

Schnitt 2 West: Pflaster im Bereich des heutigen BachlaufsErst kurz vor Grabungsende konnte ein bereits durch starken Regen teilweise freigespültes Pflaster dokumentiert werden. Dieses war teilweise vom heutigen Bachlauf überdeckt. Extrem wasserhaltiges Flusslehmsediment überlagerte das Pflaster und musste händisch abgetragen werden. Das Pflaster war weder die Auskleidung des Bachbettes noch Teil einer Zuwegung (im Sinne einer Furt durch den Bach). Es ist zu allen Seiten hin deutlich begrenzt. In Kombination mit Sandsteinspolien und den Resten der Achse eines Mühlrades aus dem Eisendepot kann der Befund mit aller Vorsicht als der Unterbau eines oberschlächtigen Mühlrades angesprochen werden, welches durch das in hölzernen Rinnen eingefasste Wasser des höhergelegenen Teiches angetrieben wurde.

Bleibt die Frage, welches Gewerk das hypothetische Mühlrad des Fachwerkhauses betrieben haben dürfte: Auch hier geben Funde von der Kellersohle erste Hinweise in Form mehrerer großer, eiserner Flaschen, die ursprünglich verzinnt gewesen sein dürften. Möglicherweise war in der Mühle ein Feinschmied tätig, der solche Luxusobjekte fertigte.

Schnitt 2 Nord

Schnitt 2 Nord: westlicher Bereich des FachwerkhausesDie Anlage des Schnitts 2 Nord erfolgte unter der Annahme, dass sich das verstürzte Fachwerkhaus auch in diesem Bereich im Befund niedergeschlagen hatte. Diese Annahme konnte mit der Untersuchung des Areals nördlich der massiven Versturzschichten in Schnitt 2 Mitte bestätigt werden. Aufgrund der Nähe zum Bach ist der westliche Bereich des Schnitts stark mit Sedimenten aus gelblichem Flusslehm (Aulehm) durchsetzt. Im westlichen Bereich des Schnitts fand sich dennoch eine Brandschuttschicht, mit vereinzelten, aber bis zu 15 cm durchmessenden Linsen aus Holzkohle. Den mittleren und östlichen Teil des Schnitts nimmt die bei der Erbauung der Kemenate eingebrachte Drainageschicht aus grobem Bauschutt ein. Den östlichen Abschluss des Schnitts bildet die nicht auf ihrer gesamten Länge erfasste östliche Außenmauer des Fachwerkhauses.

Da dieses Areal erst in der letzten, von Regen geprägten Grabungswoche ergraben werden konnte, war es nicht möglich, diesen Bereich in der notwendigen Gründlichkeit zu untersuchen. Letztlich entschieden sich die Ausgräber dafür, den Verlauf der westlichen Außenwand des Fachwerkhauses zu dokumentieren. Die Schichtenanbindungen und die Tiefe der Fundamentierung wurden nicht ermittelt.

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass – unter Vorbehalt – fast der gesamte Innenbereich des 1405 durch einen Brand zerstörten Fachwerkhauses in den Schnitten 2 Mitte, 2 West und 2 Nord erforscht werden konnten.

Schnitt Z Teich

Bereits bei der Auswertung alter Karten und des digitalen Geländemodells wurde ersichtlich, dass der Burg nach Südwesten hin höhenversetzt drei Teiche beigeordnet waren. Die Teiche finden auch anlässlich der Erstbeschreibung der Anlage in den Kunstdenkmälern aus dem Jahre 1916 Erwähnung.[5] Die Sedimente des untersten der Teiche und dessen ursprüngliches Stauwehr wurden vom Institut für Geographie und Geologie der Universität Würzburg im Rahmen eines Seminars im Jahre 2018 umfänglich untersucht.[6]

Teiche im unmittelbaren Umfeld eines Bodendenkmals wurden vom ASP bei seinen Grabungen im Spessart bereits anlässlich der Untersuchung der Burg Mole bei Heimbuchenthal 2008/09[7] sowie beim Kloster Elisabethenzell bei Rieneck[8] zumindest in Teilen archäologisch untersucht.

Anlässlich eines flutartigen Starkregens, der etwa ein halbes Jahr vor Grabungsbeginn für große Schäden gesorgt hatte, hatten sich in die die Burg beidseitig umfließenden Bäche bis zu zwei Meter tiefe Runsen eingegraben. Die so entstandenen Erdaufschlüsse erlaubten es, die massiven Sedimentierungsprozesse seit der Niederlegung der Burg partiell zu untersuchen und zu dokumentieren.[9] Auch das ursprüngliche Stauwehr des untersten der drei Teiche war durch das Starkregenereignis massiv in Mitleidenschaft gezogen worden. Dort waren Teile einer hölzernen Konstruktion freigelegt worden. Da abzusehen war, dass die Hölzer aufgrund ihres Trockenfallens in absehbarer Zeit verschwinden, wurden sie bei Anlage eines kleineren Schnitte am Ende der Grabungskampagne vollständig freigelegt und in situ dokumentiert.

Der etwa 240 cm auf 160 cm messende Schnitt wurde angelegt, um die Positionierung der Hölzer innerhalb der inneren Böschungskante des ehemaligen Stauwehres näher zu untersuchen.

Holzstrukturen im Bereich des westlichen BachesDer Befund kann als der erhaltene, wallseitige Teil eines ursprünglich rechteckigen, hölzernen Kastens angesprochen werden. Erhalten hatten sich zwei bearbeitete, gleichartige Holzbalken sowie zwei schmale Zapfen, die mit einem der Balken verbunden waren. Die Hölzer befanden sich noch im Verbund. Sie waren von sehr wasserhaltigem Ausediment umgeben. Bei der Konstruktion kann davon ausgegangen werden, dass es sich um die Reste eines sogenannten Mönchs handelt, der am unteren Ende des Teiches für die Regulierung des Wasserstands zuständig war. Damit entspräche der Befund vom Teich bei der Burg Hauenstein dem Deichelleitungsende im Graben der Burg Mole bei Heimbuchenthal und dem gedeckten, steinernen Kanal im Teich des Klosters Elisabethenzell kann. Mit dem hölzernen Schacht war es möglich, den Wasserstand des Teiches zu regulieren.

Eine dendrochronologische Beprobung der Hölzer ist bislang nicht erfolgt. Der außergewöhnlich gute Erhaltungszustand der Hölzer legt die Vermutung nahe, dass das Holz mit aller Vorsicht von der Nutzung des Hofgutes Hauenstein stammt, also ins beginnende 19. Jahrhundert zu datieren ist. Eine bereits mittelalterliche Nutzung des Teichs lässt sich geoarchäologisch fassen.

Schnitt Z: Strukturen auf dem Burghügel

Entsprechend des Grabungsantrags und in Abstimmung mit der Fachbehörde, dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, wurden auf der Kuppe des Hügels fünf Mauerstrukturen vom Bewuchs befreit und zeichnerisch sowie fotografisch aufgenommen. Dabei handelt es sich um teilweise nachträglich überformte Mauerzüge, die bei Grabungen des 19. und 20. Jahrhunderts dort zu Tage gefördert worden waren. Einer davon war der Zugang zu einem Kellergewölbe des Wohnturms, welches sich allem Anschein nach noch vollständig in der Hügelkuppe erhalten hat. In allen Fällen wurde der Befund lediglich bis zur Humusunterkante freigelegt. Die Bestanderfassung war in diesem Bereich bewusst nicht dazu gedacht, neue Strukturen aufzudecken um ein klareres Bild der Binnenbebauung des Hügels zu erhalten. Solche Maßnahmen sind unerlässlich, bleiben aber künftigen Grabungen vorbehalten.

 

Fazit

Bei der Konzentration der Schnitte auf die südwestliche Ecke der Burg konnte eine in dieser Massierung nicht absehbare vertikale Staffelung von Burginnerem, Ringmauer, Zwinger, Zwingermauer sowie ungeschütztem vorgelagerten Wirtschaftsbereich erschlossen werden. Die Höhendifferenz zwischen dem vorgelagerten Wirtschaftsbereich und der erhaltenen Oberkante der Ringmauer beträgt annährend 14 Meter.

Die Entscheidung, die Ausgrabung in diesem Areal zu konzentrieren, fiel aus mehreren Gründen:

  • Als erster, primär dem Gelände geschuldeter Punkt ist anzuführen, dass das an die Schnitte 1 und 2 nördlich anschließende Burgareal mit mehreren hundert Jahre alten und entsprechend mächtigen Buchen bewachsen ist. Die Wurzelteller der Bäume erwiesen sich als extrem massiv und raumgreifend. Eine Schädigung des unter Naturschutz stehenden Baumbestandes durch die ursprünglich an dieser Stelle geplanten Schnitte stand in keiner Relation zu den dort zu erwartenden Ergebnissen. Auch sprach sich der Grundstückseigentümer klar gegen einen entsprechenden Bodeneingriff auf, der die Möglichkeit nach sich gezogen hätte, dass der alte Baumbestand in irgendeiner Art in Mitleidenschaft gezogen worden wäre.
  • Die erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts abgetragenen Mauern der Burgruine wiesen an der Südwestecke kaum Baumbewuchs auf. Dafür konnte die ergrabene Ruine mit einem unerwartet guten Erhaltungszustand aufwarten. Als Ensemble geben die Mauerstrukturen eine sehr gute Vorstellung von Ballung und Massivität der steinernen Strukturen.
  • Mit der vorgelagerten Mühle in Schnitt 2 konnte der für die Erforschung der Spessartburgen zentralen Frage der Verbindung zwischen Burg als Manifestation von Herrschaft und Burg als integraler Bestandteil eines Wirtschaftsraumes nachgegangen werden.

Die 2017 auf der Burg Hauenstein angelegten Schnitte sind hinsichtlich Forschung und touristische Inwertsetzung der Anlage beispielhaft für andere, vergleichbare Burgen im Spessart.  Die Grabungen von August bis Mitte November 2017 warfen unsere Denkmodelle, die für die Burg Hauenstein auf der Grundlage des digitalen Geländemodells und erster Lesefunde entwickelt worden waren, vollständig über den Haufen. Sowohl zur baulichen Struktur der Anlage als auch zu ihrer funktionalen Ausrichtung sind völlig neue Aussagen zu treffen. Sie erlauben es, ein genaueres Bild von einer stark befestigten Burg von ihrer Erbauung bis zu ihrer vollständigen Zerstörung zu zeichnen. Die auf der Burg Hauenstein aufgedeckte Vielzahl von Befunden macht eine zweite Grabungskampagne zur dauerhaften Sichtbarhaltung der zu sanierenden Mauerstrukturen der Südwestecke der Burg notwendig. Darüber hinaus gilt es, die bereits im 19. Jahrhundert aufgedeckten Strukturen in der Nordwestecke der Burg freizulegen, um somit die Dimensionierung der Anlage zumindest an zwei Stellen deutlich veranschaulichen zu können. Die letztgenannte Maßnahme ist unter anderem auch deswegen notwendig, um einen trittsicheren Aufstieg zum Burginneren zu ermöglichen.

Mit den drei auf der Burg Hauenstein angelegten Schnitten konnten grundlegende Aussagen zum Befestigungswerk einer Burg getroffen werden, die bereits den Erfordernissen des Einsatzes von Schwarzpulver genügen musste. Aufgrund der Mächtigkeit der Auflagerungen war es in der Kampagne von 2017 nicht möglich, die Schichtenpakete bis auf den gewachsenen Felsen abzutragen. Streufunde in Form von glimmerhaltiger Vorspessartware und ein später in die Zwingermauer integrierter Halbrundturm deuten an, dass ein Vorgänger der Anlage bereits in der Mitte des 13. Jahrhunderts gestanden haben dürfte. Auch hier lassen sich erst durch Nachgrabungen in einer zweiten, geplanten Grabungskampagne weiterführende Aussagen generieren. Im Gegensatz zu den meisten bisher untersuchten Spessartburgen wurde der Burggraben – in diesem Falle der nordöstlich der Burg vorgelagerte Halsgraben – nicht untersucht. Dafür war es erstmals möglich, einen im archäologischen Befund sich deutlich abzeichnenden Teil des der Burg vorgelagerten Wirtschaftsbereichs ergraben und dokumentieren zu können. Als Glücksfall erwies sich, dass just in diesem Wirtschaftsbereich, einem mindestens zweistöckigen, als Mühle genutzten Fachwerkgebäude, ein Gutteil der mobilen Ausstattung der Burg zwischengelagert war. Mit der Brandzerstörung des Hauses gelangte dieses in die dortigen Versturzschichten.

Die Burg Hauenstein ist durch ihre vollständige Zerstörung im Rahmen der Wetterauer Fehde durch König Ruprecht II von der Pfalz im Jahre 1405 in Fundgut und Befundausprägung nicht zu vergleichen mit den bislang durch das ASP ergrabenen Burgen im Spessart. Lediglich die 1437/38 abgerissene Burg Mole in Heimbuchenthal[10] und die Perioden 4 und 5 der Burg Bartenstein bei Partenstein[11] sind dem hier behandelten Fundgut vergleichbar zur Seite zu stellen. Die Burg  Mömbris, deren Ausgrabung im Frühjahr 2019 erfolgen wird, dürfte in eben diesem Konflikt ebenfalls stark in Mitleidenschaft gezogen worden sein. Außerhalb des Spessarts können den Funden und Befunden von der Burg Hauenstein zwei vergleichbare Forschungsinkunabeln zur Seite gestellt werden: die 1399 zerstörte Burg Tannenberg, die bereits in den 1840er Jahren durch Hefner und Wolf ergraben wurde[12], sowie die Burg Bommersheim bei Oberursel im Hochtaunuskreis.[13] Diese zwischen 1988 bis 1991 von der Römisch-Germanischen Kommission Frankfurt ergrabene Anlage wurde im Jahre 1382 durch den rheinischen Städtebund erobert und zerstört. Der Dreiklang Tannenberg – Bommersheim – Hauenstein zeichnet in Befund und Fundgut einen einheitlichen Horizont ab, der für die Stratifizierung spätmittelalterlicher Befunde und Funde eine wichtige Orientierungshilfe darstellen dürfte.

Die ausschnittsweise Untersuchung der Burg Hauenstein ist demzufolge weit mehr als die Bestandserfassung im Vorgriff einer touristischen Inwertsetzung. Sie schafft einen Kausalzusammenhang der bei den Forschungsgrabungen des Archäologischen Spessartprojektes seit 2004 gewonnenen Erkenntnisse zur Anlage und Zerstörung von Burgen im westlichen Spessart. Das nach Abschluss der Grabungen vorliegende Dichtefeld an Informationen lässt das Bodendenkmal in einem völlig neuen Licht erscheinen. Eine vergleichsweise kleine Anlage, deren Hauptelement ein Wohnturm mit Fachwerkstockung gebildet haben dürfte, und der in seiner Anlage im besten Fall kleinräumig eine Landmarke bildete, wird über die erhaltene Bausubstanz und das herausragende Fundgut zu einer überregional zu beachtenden Anlage. Ihr Wert dürfte weniger in ihrer Wehrfähigkeit, denn in ihrer Funktion als beherrschendes und im wahrsten Sinne des Wortes überragendes Element eines Wirtschaftsraumes anzusprechen sein, der sich bereits am Ende des 14. Jahrhunderts auf die Fertigung von hochwertigen Produkten spezialisiert hatte (eiserne Wasserflaschen). Burg Hauenstein ist nur dann zu verstehen, wenn man sie als Teil einer größeren Siedlungsstruktur sieht. Der dadurch geschaffenen Kulturlandschaft, in deren Mitte die Anlage thronte, sind die fruchtbaren Ackerflächen der angrenzenden Hochebene ebenso zuzuweisen, wie die für die Beweidung idealen Talgründe. Weitere Elemente, die in erster Linie durch das Institut für Geographie und Geologie näher untersucht wurden, sind die drei heute verlandeten Teiche oberhalb der Burg, die bis zum heutigen Tage in der Teichlandschaft am Talfuß ihre Entsprechung finden.

 

Anmerkungen:

[1] Stefanie Müller, Harald Rosmanitz, Neue Erkenntnisse zu mittelalterlicher ländlicher Siedlung am Übergang vom Spessart zum Vogelsberg. Die Wüstung Stubach bei Ulmbach, Stadt Steinau an der Straße, im Main-Kinzig-Kreis, in: hessenArchäologie 2015 (2016), S. 154–156.

[2] Harald Rosmanitz, Die Ofenkacheln vom Typ Tannenberg. Eine spätgotische Massenproduktion im Spannungsfeld von Produzent und Konsument, in: Stefan Hesse, Tobias Gärtner, Sonja König (Hg.), Von der Weser in die Welt. Festschrift für Hans-Georg Stephan zum 65. Geburtstag (Alteuropäische Forschungen NF 7), Langenweißbach 2015, S. 355–373.

[3] Siehe 4.1.3 Schnitt 1 West

[4] Eine wissenschaftliche Aufarbeitung der zu einem Mühlrad zuweisbaren Fundstücke ist erst nach deren Konservierung möglich.

[5] Karl Gröber, Hans Karlinger (Hg.), Die Kunstdenkmäler von Unterfranken und Aschaffenburg. Bezirksamt Alzenau, München 1916.

[6]  Die Ergebnisse sind Teil einer noch nicht abgeschlossenen Dissertation von Julian Trappe, Würzburg.

[7] Harald Rosmanitz, Die Niederungsburg „Mole“ bei Heimbuchenthal im Spessart, in: Georg Ulrich Großmann (Hg.), Die Burg zur Zeit der Renaissance (Forschungen zu Burgen und Schlössern Bd. 13), Berlin, München 2010, S. 227–240.; Harald Rosmanitz, Heimbuchenthal, Lkr. Aschaffenburg, Burgstall Mole. Maßnahmen-Nr. M-2008-168-1 und -2. Archäologische Untersuchungen, Mai bis Juli 2008 und Mai bis Juli 2009. (masch. Manuskript), Partenstein 2012b.

[8] Harald Rosmanitz, David Enders, Rieneck, Lkr. Main-Spessart, Kloster Elisabethenzell. Maßnahmen-Nr. M-2012-624-1_3. Archäologische Untersuchungen, Mai bis November 2015 und Juli bis Dezember 2016. (masch. Manuskript), Partenstein 2017., S. 32-33

[9] Diese bislang noch unpublizierten Untersuchen erfolgten durch das Institut für Geographie und Geologie der Universität Würzburg.

[10] Rosmanitz (wie Anm. 7).; Rosmanitz (wie Anm. 7).

[11] Harald Rosmanitz, Sabrina Bachmann, Michael Geißlinger, Partenstein, Lkr. Main-Spessart, Burg Bartenstein, Maßnahmen-Nr. M-2016-1339-1 und 2_0. Archäologische Untersuchungen Juli bis November 2016 sowie Mai bis August 2017. (Masch. Manuskript), Partenstein 2019.

[12] Joseph von Hefner, Johann Wilhelm Wolf, Die Burg Tannenberg und ihre Ausgrabungen, Frankfurt am Main 1850.; Astrid Schmitt-Böhringer, Burg Tannenberg bei Seeheim-Jugenheim, Lkr. Darmstadt-Dieburg. Eine spätmittelalterliche Ganerbenburg im Licht der archäologischen Funde, Bd. 151, (Universitätsforschungen zur prähistorischen Archäologie) Bonn 2008.

[13] Reinhard Friedrich, Harro Junk, Angela Kreuz, Jörg Petrasch, Karl-Friedrich Rittershofer, Peter Titzmann, Christina von Waldenstein, Die hochmittelalterliche Motte und Ringmauerburg von Oberursel-Bommersheim, Hochtaunuskreis. Vorbericht der Ausgrabungen 1988 bis 1991, in: Germania 71 (1993), S. 454–519.

 

Weiterführende Literatur:

Reinhard Friedrich, Harro Junk, Angela Kreuz, Jörg Petrasch, Karl-Friedrich Rittershofer, Peter Titzmann, Christina von Waldenstein, Die hochmittelalterliche Motte und Ringmauerburg von Oberursel-Bommersheim, Hochtaunuskreis. Vorbericht der Ausgrabungen 1988 bis 1991, in: Germania 71 (1993), S. 454–519

Karl Gröber, Hans Karlinger (Hg.), Die Kunstdenkmäler von Unterfranken und Aschaffenburg. Bezirksamt Alzenau, München 1916

Joseph von Hefner, Johann Wilhelm Wolf, Die Burg Tannenberg und ihre Ausgrabungen, Frankfurt am Main 1850

Stefanie Müller, Harald Rosmanitz, Neue Erkenntnisse zu mittelalterlicher ländlicher Siedlung am Übergang vom Spessart zum Vogelsberg. Die Wüstung Stubach bei Ulmbach, Stadt Steinau an der Straße, im Main-Kinzig-Kreis, in: hessenArchäologie 2015 (2016), S. 154–156

Harald Rosmanitz, Die Niederungsburg „Mole“ bei Heimbuchenthal im Spessart, in: Georg Ulrich Großmann (Hg.), Die Burg zur Zeit der Renaissance (Forschungen zu Burgen und Schlössern Bd. 13), Berlin, München 2010, S. 227–240.

Harald Rosmanitz, Heimbuchenthal, Lkr. Aschaffenburg, Burgstall Mole. Maßnahmen-Nr. M-2008-168-1 und -2. Archäologische Untersuchungen, Mai bis Juli 2008 und Mai bis Juli 2009. (masch. Manuskript), Partenstein 2012b

Harald Rosmanitz, Die Ofenkacheln vom Typ Tannenberg. Eine spätgotische Massenproduktion im Spannungsfeld von Produzent und Konsument, in: Stefan Hesse, Tobias Gärtner, Sonja König (Hg.), Von der Weser in die Welt. Festschrift für Hans-Georg Stephan zum 65. Geburtstag (Alteuropäische Forschungen NF 7), Langenweißbach 2015, S. 355–373.

Harald Rosmanitz, Sabrina Bachmann, Michael Geißlinger, Partenstein, Lkr. Main-Spessart, Burg Bartenstein, Maßnahmen-Nr. M-2016-1339-1 und 2_0. Archäologische Untersuchungen Juli bis November 2016 sowie Mai bis August 2017. (Masch. Manuskript), Partenstein 2019

Harald Rosmanitz, David Enders, Rieneck, Lkr. Main-Spessart, Kloster Elisabethenzell. Maßnahmen-Nr. M-2012-624-1_3. Archäologische Untersuchungen, Mai bis November 2015 und Juli bis Dezember 2016. (masch. Manuskript), Partenstein 2017

Astrid Schmitt-Böhringer, Burg Tannenberg bei Seeheim-Jugenheim, Lkr. Darmstadt-Dieburg. Eine spätmittelalterliche Ganerbenburg im Licht der archäologischen Funde, Bd. 151, (Universitätsforschungen zur prähistorischen Archäologie) Bonn 2008


© Harald Rosmanitz, Partenstein, 2019