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Luftbild vom Gotthardsberg, von Süden aus gesehen.

Die archäologischen Ausgrabungen auf dem Gotthardsberg waren für das Archäologische Spessartprojekt e. V. in seiner Dimension ein bis dato einzigartiges Projekt.1 Herzstück bildete die Zusammenarbeit von archäologischen Fachkräften mit insgesamt mehr als dreihundert engagierten Ehrenamtlichen, die während vier Kampagnen über 10.000 Arbeitsstunden dort verbrachten. Neben dem archäologischen Arbeiten, bei dem es darum ging, Neues zu ergraben und den Vorgaben der Denkmalschutzbehörden entsprechend zu dokumentieren, waren auch andere Faktoren wichtig. Die Ergebnisse wurden zeitnah vor Ort der Öffentlichkeit präsentiert, angefangen von Führungen von Kindergartenkindern, Schulklassen oder Erwachsenengruppen bis zu Führungen anlässlich der Gotthardsbergfeste. Eine Vertiefung erfolgte durch die Einbindung von Fachstudenten aus den Universitäten Bamberg, Cottbus und Würzburg. Die Ausgrabungen auf dem Gotthardsberg waren vielschichtig und verdienen zu Recht das Prädikat „zivilgesellschaftliches Projekt“. Auf diesem Weg war es möglich, den zahlreichen Facetten, die für die Aufbereitung und dauerhafte Präsentation notwendig wurden, hinlänglich Rechnung zu tragen.

Gesamtplan der Grabungen auf dem Gotthardsberg von 2010 bis 2012 und 2021.

Das Projekt förderte neue, weitreichende Erkenntnisse über die Besiedelungs- und Bebauungsgeschichte des Bodendenkmals zu Tage. In vier Grabungskampagnen in den Jahren 2010 bis 2012 und 2021 wurden 30 Schnitte angelegt, in denen über 1500 Einzelbefunde dokumentiert werden konnten.

In der ersten Grabung 2010 beschränkten wir uns auf acht Schnitte. Sie verteilten sich locker über das gesamte Areal rund um die Kirche. Nur südlich der Kirche wurden keine Sondagen abgetieft.2 Die Auswahl der Schnittbereiche wurde anhand von noch obertägig erkennbaren Merkmalen wie einer freiliegenden Gewölbekappe getroffen. Auch die Ergebnisse eines Bodenradars fanden Eingang in die Planungen.3

Die vielversprechenden Erkenntnisse, die an den Befunden und Funden der ersten Kampagne ablesbar waren, ermutigten uns, getragen von der Begeisterung der Ehrenamtlichen dazu, das Projekt im nächsten Jahr in einer zweiten, stark ausgeweiteten Kampagne fortzuführen. In den neu anzulegenden Schnitten sollten offene Fragestellungen beantwortet und Ergebnisse konkretisiert werden. Im Fokus stand dabei eine große, zusammenhängende Fläche östlich der Kirche. In ihr zeigte sich die höchste Befunddichte auf dem Gotthardsberg. Hinzu kamen weitere Sondagen westlich der Ruine (Schnitte 10 bis 13) sowie im Kircheninneren (Schnitt 14). Mit der Anlage der neuen Schnitte 15 und 19 bis 22 war die Hoffnung verbunden, die 2010 bereits in Teilen erfasste nördliche Außenmauer des Plateaus in ihrem vollständigen Verlauf zu erfassen.

Östlich der Kirche befand sich ursprünglich die Bebauung des Klosters.

Eine kurze Kampagne im Jahr 2012 brachte die noch nicht ganz abgeschlossenen Arbeiten aus den Vorgängerjahren zum Abschluss. Die Ausgräber konzentrierten sich auf den Schnitt mit dem Steinernen Wohnturm (Schnitt 9) und auf die nördliche Hangkante.

In der abschließenden Grabung 2021 ging es um wichtige Fragestellungen, die sich mit Auswertung der ersten drei Kampagnen nicht klären ließen: Wo befand sich der Zugangsbereich zur Anlage (Schnitte 23 und 26)? Wie groß war die Ausdehnung des Prioratsgebäudes nach Süden hin (Schnitt 24 Ost)? Zusätzliche Schnitte wurden verursacht durch die baulichen Maßnahmen anlässlich der Gestaltung eines Archäologischen Parks. Ein bislang noch nicht verdichteter Bereich östlich und südlich der Kirche war wegetechnisch aufzubereiten. Da an dieser Stelle archäologische Substanz beeinträchtigt werden würde, wurde von den Denkmalschutzbehörden eine archäologische Voruntersuchung angeordnet. Bei den Schnitten 29 a-e, die alle südlich der Kirche zu verorten sind, konnte direkt unter der Humuskante ein Segment des klosterzeitlichen Friedhofs aufgedeckt werden. Die Schnitte 30 und 30a nordöstlich der Kirche lieferten uns ausschließlich Auffüllschichten aus dem Ende des 19. Jahrhunderts.

Freilegung eines Teils des Friedhofs südlich der Kirche im Jahre 2021.

 

Die in den Grabungen dokumentierten Befunde lassen sich elf Besiedelungs- und Bauperioden zuweisen:

  • Periode 1:     Frühmittelalterliche „Fliehburg“ des 8. oder 9. Jahrhunderts
  • Periode 2:     Errichtung der Burg am Ende des 11. Jahrhunderts
  • Periode 3:     Ausbau der Burganlage im zweiten Drittel des 12. Jahrhunderts
  • Periode 4:     Umwandlung der Burg zu einem Kloster 1168, einhergehend mit der frühen Klosterzeit
  • Periode 5:     Brandereignis in den 1330er Jahren
  • Periode 6:     Wiederaufbau am Ende des 14. Jahrhunderts
  • Periode 7:     Übergang von dem Kloster zu einem Priorat im Jahr 1439
  • Periode 8:     Zerstörung des Priorats während des Bauernkrieges 1525
  • Periode 9:     Reaktivierung von Kirche und Teilen des Klosters im ersten Drittel des 17. Jahrhunderts
  • Periode 10:   Gotthardsruine, eingeleitet durch den Blitzschlag von 1714
  • Periode 11:   Aktivierung des Gotthardsberg als touristisches Ausflugsziel am Ende des 19. Jahrhundert

 

Periode 1: Frühmittelalterliche „Fliehburg“

Von der ältesten Besiedelungsphase haben sich auf dem Gotthardsberg so gut wie keine Reste erhalten. Ein Indiz für die früheste Besiedelungsphase liefert ein der nördlichen Außenmauer vorgelagertes Wall-Graben-System. Diese Aufschüttung ist eindeutig menschlichen Ursprungs und liegt über einer Strate mit Holzkohleeinsprengseln. Eine Datierung gelingt mit Hilfe einer Keramik an das Ende des 8. Jahrhunderts beziehungsweise in das 9. Jahrhundert.4

Die aufgrund tiefreichender Bodeneingriffe in den folgenden Bauperioden vermutlich vollständig abgegangenen Spuren der ältesten Phase lassen sich mit der karolingischen Besiedelung auf dem Areal des „Schlössel“ bei Klingenmünster vergleichen.5

 

Periode 2: Errichtung der Burg

Die burgzeitliche Bebauung des Gotthardsbergs (Perioden 2 – 3).

Bereits anlässlich des Burgenbaus wurde das gesamte Plateau eingeebnet und umfriedet. Die Außengrenzen der Anlage, gekennzeichnet durch die Umfassungsmauer, blieben bis zur Aufgabe der Besiedelung die gleichen. Sie bildete den größten Baukörper der Burgzeit. Der Zugang dürfte in der Nordostecke gelegen haben. Er war von einem turmartigen Gebäude flankiert. Für eine Burg ungewöhnlich stand bereits damals die Kirche an der höchstgelegenen Stelle, und zwar annähernd in ihrer heutigen Größe. Sie hatte einen verkürzten Chor und war ausschließlich durch einen Zugang von Norden her erschlossen. Nur in zwei Bereichen des Plateaus sind weitere Gebäude aus dieser Zeit nachweisbar: Das steinerne Haus mit wahrscheinlich angesetztem Treppenturm und ein weiteres Gebäude mit steinernen Fundamenten in der Nordwestecke der Anlage.

Der chronologisch nächste Hinweis auf diese Burganlage findet sich erst im 12. Jahrhundert: 1138 weiht der Würzburger Bischof Embrico hier eine Kapelle dem hl. Godehard von Hildesheim.

Die aus dem vor Ort anstehenden Sandstein errichtete Burganlage auf dem Gotthardsberg entstand in dieser Zeit und ist nur in wenigen Schnittbereichen nachzuweisen (Schnitte 8, 13, 15, 21, 22, 23). Hinzu kommt die nord-süd-verlaufende, zweischalige Mauer in den Schnitten 6 und 16. Die Datierung ist durch Keramikfunde wie Kugeltöpfe mit wellenförmiger Schulterzier und deren gesicherter Datierung in Salz/Rhön beziehungsweise Alt-Römhild/Südthüringen in die zweite Hälfte des 11. Jahrhunderts, und damit in die salische Epoche, möglich.6 Vergleichbare Keramiken lassen sich auch für Worms nachweisen.7 Auch Pingsdorfer Imitate mit roter Engobe-Bemalung und glimmerhaltige Vorspessartware fanden sich sowohl in den an die erste Bauphase der nördlichen Umfassungsmauer angrenzenden Schichten, sowie in den südlich an die Innenmauer anliegenden Verfüllungen.

Bausubstanz der nördlichen Umfassungsmauer der Burg auf dem Gotthardsberg, von Norden aus gesehen. Gut erkennbar sind die unterschiedlichen Bauphasen.

Die Dimensionierung der Bebauung lässt sich über Mauerreste fassen. In Entsprechung zu den Grabungsbefunden der Kugelburg bei Aschaffenburg dürften die wichtigsten Bauteile, der Palas und die Umfassungsmauer, gemeinsam errichtet worden sein. Erst mit der Erstellung der steinernen Umfriedung war es möglich, den bis dahin noch vergleichsweise steil abfallenden Hang nördlich der Kirche mit Aushub und Schutt anzuböschen. Dazu ließ der Burgeigentümer die einst deutlich höhere Hügelkuppe, die sich im Bereich der heutigen Kirche befunden haben dürfte, vollständig abtragen. Vorwerke, die die Umfassungsmauer absicherten, waren archäologisch nicht nachweisbar. Der Zugang zur Burg erfolgte über ein Zangentor, das durch einen seitlichen Torturm flankiert worden sein dürfte (Schnitt 23 und 26). Das durch die Mauer geschützte Plateau war mit einem reich ausgestatteten, mehrstöckigen Palas – einem Steinernen Haus (Schnitt 9) – und einer für eine Burg außergewöhnlich groß dimensionierten, dreischiffigen Hallenkirche besetzt.8 Im Nordwesten des Plateaus befanden sich weitere Gebäude (Schnitt 8 und 13).

 

Wesentlich für die Standortwahl der Burg war die exponierte Lage. Die Umfassungsmauer umschließt ein 80 x 50 m großes, trapezförmiges Areal. Vom Baukörper selbst haben sich im Nordwesten ein Gutteil der Fundamente der Außenmauer und eines daran angebauten Gebäudes erhalten. Die Fundamente der bis zu 80 cm mächtigen, in Mörtel gesetzten, zweischaligen Umfassungsmauer wurden lagenweise in Fischgrätentechnik errichtet. Der Mauerbering bildete die Außengrenze der Anlage. Sie sollte für sämtliche nachfolgenden Besiedelungsphasen bis ins 17. Jahrhundert hinein beibehalten werden.

 

Periode 3: Ausbau der Burganlage im zweiten Drittel des 12. Jahrhunderts

Blick auf die Straten innerhalb des Steinernen Hauses (Schnitt 9). Direkt auf dem anstehenden Sandsteinfelsen zeichnet sich eine bis zu 20 cm mächtige Brandschicht ab, aus der die qualitätsvollsten Fundstücke geborgen wurden.

Viele der Befunde, die der Periode 3 zuzuweisen sind, wurden bereits bei Periode 2 behandelt.

In den 1130er Jahren dürfte neben der Kirche auch das in seiner Grundfläche 12 x 7 m messende Steinerne Haus errichtet worden sein. Von diesem haben sich Mauerfundamente der Ost- und Südwand erhalten. Der Verlauf der Nordwand ist als Ausbruchsgrube nachvollziehbar. Breite und Ausführung der Fundamente sprechen dafür, dass wir hier die Überreste eines mehrgeschossigen Hauses mit steinernen Mauern vor uns haben. Der eigentliche Wohnbereich, in Fachwerktechnik ausgeführt, dürfte auf diesem aufgesessen haben. Das Erdgeschoss verfügte ähnlich den darüberliegenden Stockwerken über einen hölzernen Dielenfußboden. Er fiel, wie auch der Rest des Bauwerks, einem Brandereignis zum Opfer. Auf dem First des ansonsten schindelgedeckten Daches lagen groß dimensionierte Hohlziegel.

Östliche und südliche Außenmauer des Steinernen Hauses (Schnitt 9). Rechts zeichnet sich die Ausbruchsgrube der Nordmauer ab.

Das Steinerne Haus lässt sich mithilfe der in der Brandschicht enthaltenen, glimmerhaltigen, gelbtonigen Vorspessartware zeitlich einordnen.9 Diese wird über Vergleiche aus Seligenstadt, von der Ketzelburg bei Haibach10 sowie vom Kugelberg bei Goldbach in die 1140er/1180er Jahre datiert. Entsprechende Ware vom „Alten Schloss“ in Kleinwallstadt11, von der Wahlmich bei Waldaschaff12 und vom Gräfenberg in Hösbach/Rottenberg zeigte bereits, dass diese Art von Keramik in ähnlicher Ausprägung im Spessart auch noch in den Zerstörungshorizonten der 1270er Jahren enthalten war. Auffallend sind des Weiteren Parallelen zu Randformen und Volumina der Keramik von der Wiligartaburg bei Wilgartwiesen, Kreis Pirmasens. Durch die dort vorgenommenen Datierungen der Wiligartakeramik ist die Keramikart in den 1130er/1140er Jahren zeitlich zu verorten. Dem folgt auch der zeitliche Kontext der Belegung der Befestigung auf dem Kugelberg bei Aschaffenburg.

Die im Scherben ungewöhnlich kreidige Oberfläche ist typisch für die Pingsdorfimitate aus dem Rodgau. Das Ensemble auf dem Gotthardsberg kann aufgrund der Vergesellschaftung mit anderem Fundgut (getriebene Messingschüssel mit Omphalosboden, Überreste einer Feinwaage, Dorn eines bronzenen Vortragekreuzes) in der Brandschicht des „Steinernen Hauses“ in Schnitt 9 in die 1140er Jahre datiert werden. Durch entsprechende Anbindungen mit Schichten mit glimmerhaltiger Vorspessartware sind sowohl die nördliche Außenmauer als auch die Mauer eines südlich davon befindlichen Gebäudes in dieser Zeit zu verorten. Die Keramik versteht sich als terminus post quem. Eine ähnliche Situation ist für die Schnitte 3, 8, 13 sowie 21-23 festzuhalten. Hier lässt sich die nördliche Außenmauer entsprechend datieren. Für die Schnitte 6 und 16 dürfte die von Norden nach Süden den Schnitt in seinem östlichen Drittel durchlaufende Mauer die Südostecke eines großen, steinernen Gebäudes der gleichen Zeitschiene angehören.

 

Periode 4: Umwandlung von Burg zu Kloster im Jahre 1168

Die klosterzeitliche Bebauung des Gotthardsbergs (Perioden 4 – 6).

In der Klosterzeit verdichteten die Benediktinerinnen die Bebauung. Unter Beibehaltung der Umfassungsmauer kamen vornehmlich östlich der Kirche großflächige, teils unterkellerte Häuser hinzu. An der tiefsten Stelle in der Nordostecke wurde eine Zisterne angelegt. Direkt vor der westlichen Umfassungsmauer befand sich ein Brennofen für Keramik. Die Kirche wurde weiter genutzt, erhielt aber an der Südseite des Chores eine Pforte, durch die der außerhalb des geschützten Plateaus liegende Friedhof betreten werden konnte.

Mit der urkundlichen Nennung des Gotthardsberges im Jahre 1168 begeben wir uns in den Dunstkreis der hohen Politik: Das Hochstift Würzburg nahm im Deutschen Reich in mehrfacher Hinsicht eine Sonderstellung ein. Es zählte zu den bedeutenden geistlichen Territorien und grenzte unmittelbar an das größere und mächtigere Erzbistum Mainz an. Auf dem Reichstag, der am 10. Juli 1168 auf der Festung Marienberg in Würzburg abgehalten wurde, bestätigte Kaiser Friedrich Barbarossa (reg. 1155 bis 1190) im Privileg der „Güldenen Freiheit“ Bischof Herold von Würzburg in seinen herzoglichen Rechten. Die Zweitschrift der berühmten Urkunde wurde mit einem goldenen Siegel versehen, woher die Bezeichnung rührte. Mit der Übertragung der Herzogswürde auf die Diözese lag auch die weltliche Gewalt in der Hand des Bischofs.

Der Kaiser befahl in der Goldenen Bulle die Zerstörung der Burg Frankenberg und übereignete das Areal dem Bistum Würzburg. Kurze Zeit später entstand dort ein Benediktinerinnenkloster. Impulsgebend hierfür war das Kloster Amorbach.13

Die turmartige Struktur in der östlichen Umfassungsmauer (Schnitt 23) wurde um 1200 obertägig abgetragen.

Die Auswirkungen des Beschlusses von 1168 sind im archäologischen Befund fassbar: Die bis dahin als Umwehrung dienende Umfassungsmauer friedete weiterhin das nun als Kloster genutzte Areal ein, verlor aber ihren Verteidigungscharakter. So wurde die die turmähnliche Konstruktion, die den Zugang von Osten her flankierte (Schnitt 23), rückgebaut.

Der Nutzungswechsel zeigt sich auch in der grundlegenden Änderung des Baukonzepts. So wurden auf dem Areal, auf dem sich das das Steinerne Haus befand nur noch Nebengebäude errichtet.

Östlich der Kirche befanden sich ursprünglich die Arbeits- und Wohnbereiche der Nonnen.

Es entstanden jene Wohn- und Wirtschaftsbauten, die – neben der Kirche – bis zur Aufgabe der Besiedelung des Areals die Bebauung der Hügelkuppe maßgeblich prägen sollten (Schnitt 1, 2, 5, 6 und 16). Auf Höhe des Kirchenchors entstand unmittelbar hinter der nördlichen Umfassungsmauer ein einzelnstehender Gebäudekomplex, dessen Nutzung am ehesten als Infirmerie (Spital) zu charakterisieren wäre (Schnitte 3, 4 und 19-20). Mehrfache Bauänderungen erfuhr das Areal östlich der Kirche, in dem die Wohn- und Arbeitsräume der Nonnen gelegen haben dürften. Einzeln zu benennen sind in Schnitt 6 für diese Periode folgende Bauteile: Ein mit Platten gepflasterter Raum unmittelbar vor dem östlichen Ende der Bebauung, ein südlich davor gelegener Gewölbekeller und ein vergleichsweise kleiner, westlich an beide Baukörper anschließender, in den Felsen eingetiefter Raum („Haus des Priors“). Den größten Baukörper bildete das westlichste Gebäude dieses Trakts. Die Untersuchung des Gewölbes des „Prioratshaus“ (Schnitte 2 und 5) erbrachte, dass auch dieses bereits bei Beginn der Umwandlung in ein Kloster errichtet worden sein dürfte. Keller und Erdgeschoss waren, ebenso wie die als Treppengiebel gebildeten Nord- und Südwände, in Stein aufgeführt. Für den Bau der restlichen Teile der mindestens zwei weiteren Geschosse griffen die Erbauer auf Fachwerktechnik zurück.

In der rechten Bildhälfte des Profils von Schnitt 8 ist der auf eine Gartenerdeschicht aufgetragene Stampflehmboden zu erkennen.

Ein deutlicher Nutzungswechsel ist im nordwestlichen Areal festzustellen (Schnitt 8). Hier wurde ein Garten angelegt. Dafür brachten die Bediensteten der Nonnen eine dicke, stark humushaltige Erdschicht ein. Davor war die burgzeitliche Innenbebauung an dieser Stelle vollständig niederlegt worden. Erwähnenswert ist der aufgrund seiner darin enthaltenen Keramik um 1240 datierte Lehmstampfboden. Er stieß direkt an die nördliche Umfassungsmauer an. Da dieser die darunter liegende Gartenerdeschicht versiegelte, gibt er uns als terminus post quem einen Datierungsbehelf für die Anlage dieser Strate im Ganzen. Der Stampflehmboden bildete den Teil eines ohne Fundament vollständig in Fachwerk aufgeführten Hauses. Er ist der einzige Baukörper, der sich mit aller zu Gebote stehenden Vorsicht in die Streitigkeiten zwischen Konrad von Dürn und dem Nonnenkloster am Ende der 1230er und zu Beginn der 1240er Jahren archäologisch zuweisen lässt.

Nicht nur in den Befunden, auch im Fundgut fand diese Zeit des Umbruchs ihren Niederschlag. Ende des 12. Jahrhunderts änderte sich die Form und Fabrikation von Keramik für die Küche und für die Tafel erheblich. Meist dickwandige, grob gemagerte und mit Linsenböden versehene Kochtöpfe wurden durch oxidierend oder reduzierend gebrannte Keramiken ersetzt. Diese sind nun deutlich dünner ausgebildet. Ihre Wandungen weisen gleichmäßig übereinander liegende Riefen auf. Die Keramiken für Küche und Tafel dürften in den um den Gotthardsberg gelegenen Dörfern und Städten getöpfert worden sein. Für den Eigenbedarf deckten sich die Bewohnerinnen zudem mit Geschirr ein, welches sie im Offenen Feldbrand in einer Grube außerhalb des Klosterareals in der Nordwestecke der Umfassungsmauer brannten (Schnitt 13).

Unter dem Fußboden der Sakristei (Schnitt 25) stießen die Ausgräber im Jahre 2021 auf Bestattungen.

In einem Kloster lebten neben den Nonnen das ganze Jahr hindurch auch eine Vielzahl von Bediensteten. Diese waren für die Bewirtschaftung zuständig. Einige Bewohner dürften von Kindesbeinen an ihr Leben im Kloster verbracht haben. Dass viele von ihnen hier auch starben, davon gibt der südlich an den Kirchenbau anschließende Friedhof Zeugnis (Schnitte 29 bis 29d). Allerdings ist festzuhalten, dass dieser Begräbnisort, basierende auf C14-Analysen der dort Bestatteten, bereits vor der Klosterwerdung in Betrieb war (Schnitt 25). Der dafür zur Verfügung stehende Bereich lag außerhalb der Umfassungsmauer. Ihm ist auch jenes Feld zuzurechnen, das später von der Sakristei der Kirche überbaut wurde (Schnitt 25). Die östliche Grenze des Friedhofs bildete das spätere Prioratshaus (Schnitt 24 O). Nach Westen hin dürfte der Friedhof auf Höhe des Südportals des Langhauses des Kirchenschiffs geendet haben. Wichtig war die Lage des Begräbnisplatzes unmittelbar neben der Kirche. Denn der Glaubensvorstellung nach war es gewünscht, dass die Verstorbenen möglichst nahe bei den in die Altäre eingelassenen Reliquien ihre letzte Ruhe finden sollten.

Der klosterzeitliche Friedhof setzte sich nach Süden bis zur Hangkante fort (Schnitt 29).

Bei den Ausgrabungen 2021 konnten noch mindestens 25 Individuen dokumentiert werden. Alle Grabgruben sind Ost-West-orientiert. Der Kopf kam jeweils im Westen zu liegen. Die Grabgruben waren nicht sehr tief. Dieser Umstand ist durch den Untergrund bedingt: Nahe unter der Humuskante steht der Sandsteinfels an. Er wird von Westen nach Osten orientierten Klüftungen durchzogen. Diese ließen sich für die Bestattungen mühelos erweitern. Um die flachen Grablegen vor Wild zu schützen, war eine Einfassung des Friedhofareals durch eine Mauer oder einen Zaun notwendig.

Zur Zeit des Klosters war es üblich, die Verstorbenen zu waschen und dann in jenes Tuch einzuhüllen, in dem sie auch verstarben. Grabbeigaben waren im christlichen Glaubensritus nicht erlaubt. Nach dem Herrichten dürften die Leichen auf einem Totenbrett aufgebahrt worden sein. Auf diesem wurden sie auch auf den Friedhof getragen. Der Totengräber legte sie dann im Beisein eines Geistlichen in die Grabgrube. Die Gräber selbst dürften eine Zeit lang noch an einem kleinen, aufgeschütteten Erdhügel obertägig erkennbar und dem am Kopfende der Grabgrube aufgestellten Totenbrett sichtbar gewesen sein. Da auf dem kleinen, geweihten Friedhof nur wenig Platz war, dauerte es nicht lange, bis an der gleichen Stelle die nächste Bestattung erfolgte. Kamen beim Ausheben neuer Gräber Überreste älterer Bestattungen, in erster Linie Langknochen oder Schädel, zum Vorschein, wurden sie gesammelt. Im Anschluss kamen sie wieder in geweihter Erde zur Ruhe indem sie seitlich des Toten dem neuen Grab beigegeben, als Konvolute auf dem Friedhof vergraben oder in einem Beinhaus verwahrt wurden. Beinhäuser gehörten als Orte solcher sekundären Bestattungen zum festen Inventar von Friedhöfen. Ein solches konnte archäologisch auf dem Gotthardsberg nicht gefasst werden.

 

Periode 5: Brandereignis in den 1330er Jahren

Massive Auflagerung aus Schuttschichten aus dem Brandereignis der 1330er Jahre in Schnitt 4.

Die Periode 5 ist bestimmt von einer Brandkatastrophe, von der nicht nur die Kirche, sondern auch sämtliche Wohn- und Wirtschaftsgebäude betroffen waren. Datiert werden konnte dieses Ereignis mittels Gebrauchskeramik, sowie signifikanten Becherkacheln.14 Von den verheerenden Zerstörungen berichtet keine der archivalischen Quellen.

Der Brandkatastrophe zurechenbar ist unter anderem die nachträgliche Bebauung des Areals des Steinernen Hauses (Schnitt 9). Der mit der Zerstörung einhergehende Schuttanfall, in erster Linie verziegelter Fachwerklehm, ist darauf zurückzuführen, dass – bis auf das „Prioratshaus“ und die Kirche – sämtliche anderen Gebäude im Aufgehenden in Fachwerktechnik errichtet waren. Hinzu kommt eine Massierung von Hohlziegeln, verfügten doch sämtliche Gebäude über ziegelgedeckte Dächer. Als Glücksfall für die Archäologen muss darüber hinaus festgehalten werden, dass für die Schnitte 4 und Teile von Schnitt 6 der Nachweis erbracht werden konnte, dass Teile des damals überbauten Areals anlässlich ihrer Reaktivierung in der Periode 6 als Freiflächen weiter genutzt wurden.

Verbrannter Holzfußboden (Bef. 396) im „Haus des Priors“ und darüber eine bis zu 150 cm mächtige Brandschicht aus den 1330er Jahren (Bef. 394) in Schnitt 6.

Im Osten (Schnitt 4) finden sich die umfassendsten Belege für die Brandzerstörung. Zu benennen ist eine verstürzte Fachwerkwand. In großen Bereichen wurden sämtliche Spuren durch die Reaktivierung in Periode 6/7 beseitigt. Auch das „Haus des Priors“ (Schnitt 6), das mit einem hölzernen Fußboden ausgestattet war, brannte bis auf die Grundmauern nieder. Hier erreichte die Brandschicht eine Mächtigkeit von 150 cm. Importkeramik und die Lage des begüterten Anwesens im Klosterbezirk weisen diesen Wohntrakt als das Haus des dem Nonnenkloster vorstehenden Priors aus. Wurde der östlich daran anschließende Gewölbekeller, dessen Wölbung vom Brandereignis nicht betroffen war, spätestens in der Periode 6 reaktiviert, so ließen die Bewohner den ursprünglich nördlich davon liegenden Gebäudeteil auf.

Auch die Kirche wurde stark in Mitleidenschaft gezogen. Die Hitzeentwicklung im Kircheninneren war so groß, dass Teile der sorgfältig zugehauenen Oberflächen der Werksteine abplatzten. Vieles musste ausgetauscht werden. Das Schadensbild ist noch heute mit bloßem Auge leicht zu erkennen.

 

Periode 6: Wiederaufbau am Ende des 14. Jahrhunderts

Der gepflasterte Weg endete am Eingang zum Keller des "Prioratshauses" (Schnitt 5).

Mit der Neuerrichtung der Klostergebäude wurde ein Großteil jener Strukturen errichtet, die noch bis zu Periode 8, der Zerstörung im Jahre 1525, genutzt worden sein dürften. Es ist nicht möglich, die Bauphasen der Perioden 6 und 7 exakt voneinander zu trennen. Die Datierungsunsicherheit betrifft die gepflasterte Zuwegung zum Kloster (Schnitte 5, 6) und das „Prioratshaus“ (Schnitte 1, 2, 5). Hinzu kommen die das Pflaster säumenden, einschaligen Mauern (Schnitt 6). Mit der Anlage eines steinernen, gepflasterten Zugangsweges der im Norden der Schnitte 5 und 6 und in der Verlängerung in Schnitt 7 bis an das Nordportal der Kirche geführt haben dürfte, ging eine klare, von der ursprünglichen klosterzeitlichen Siedlungsanlage abweichende Neugliederung der Wohn- und Wirtschaftsbereiche einher. Das Ganze war so konzipiert, dass die Arbeiten, die im Rahmen der Nutzung als Wirtschaftshof zu bewältigen waren, nun optimal umgesetzt werden konnten.

Neben der Treppe zum Keller im späteren Prioratshaus stand die Kelter zum Pressen des Rebensaftes.

Dieser Trend lässt sich für das „Prioratshaus“ fortschreiben. Es wies einen durch eine Kellertreppe erreichbaren Gewölbekeller auf, dem nach Norden ein kleiner, gepflasterter Raum vorgelagert war, in dem eine Kelter stand. Der westlich an den Gewölbekeller angrenzende Verwaltungs- und Lagertrakt unterstreicht die neue Ausrichtung auf die Ökonomie. All dies steht in keinerlei Widerspruch mit der Dimensionierung des nach Norden und Süden mit einem Treppengiebel ausgestatteten Gebäudes und dessen Repräsentationsanspruch. Das „Prioratshaus“ dürfte allein aufgrund seines Bauvolumens bis zu seiner Teilzerstörung im Jahre 1525 das einzige bereits von weitem erkennbare Gegenstück zur turmlosen Kirche gebildet haben.

Auch das Gotteshaus war in die intensive Bautätigkeit einzubeziehen. Die Aufschüttungen über dem Felsen wurden in dessen Inneren vollständig abgetragen. Gleiches gilt für die meisten Außenwände einschließlich ihrer Fundamente. Der Neubau übernahm lediglich die inneren Bogenarkaden des Langhauses sowie Teile des Triumphbogens in Richtung Chor. Der angefallene Bauschutt konnte zum Aufplanieren des Areals nördlich und westlich der Kirche genutzt werden (Schnitte 7, 10 bis 12, 13).

Mit Trockenmauern terrassiertes Areal westlich der Kirche, aufgefüllt mit Bauschutt aus dem 14. Jahrhundert (Schnitte 10 - 13).

Der Kirchenneubau führte zu einem immensen Bedarf an Mauersteinen. Hierfür erfolgte ein Abtrag älterer Mauern teilweise bis auf ihre Fundamentunterkante. Die entsprechende Eintiefung zur Steinentnahme reichte an einigen Stellen bis annähernd zwei Meter unter die damalige Oberfläche (Schnitt 13).

An das Ende des 14. Jahrhunderts fällt die Umnutzung des Areals über dem ehemaligen „Haus des Priors“. Nach sorgfältiger Verfüllung und Verdichtung diente das über den älteren Bebauungsspuren geschaffene Plateau unter anderem zur Ableitung des anfallenden Dachwassers. Davon zeugen zwei noch in situ gefundene, steinerne Rinnen.

Das Leitfossil bei der Zuweisung in die Periode 6 sind Halbzylinderkacheln vom Typ Tannenberg, wie sie zwischen 1380 und 1410 im hessischen Dieburg gefertigt wurden.15 Sie sind auf dem Gotthardsberg vergesellschaftet mit kleinen, braun getauchten Kännchen aus Protosteinzeug mit abgesetztem Fuß und sehr dünnwandiger, gelb- und grünglasierter Irdenware mit feinteilig gerippter Wandung. Auch diese Geschirre lassen sich der Produktion der Dieburger Töpfereien zuweisen.

 

Periode 7: Übergang von Kloster zu Priorat im Jahr 1439

Die prioratzeitliche Bebauung des Gotthardsbergs (Periode 7).

Nach Aufgabe des Klosters wurden durch das nun vornehmlich wirtschaftlich genutzte Priorat einige Gebäude rückgebaut, teilweise auch ganz aufgegeben. In direkter Nähe des sich inzwischen auf der Nordseite befindenden Eingangsbereichs entstanden Stallungen. Große bauliche Änderungen gab es im Bereich der Kirche: Der Friedhof wurde aufgelassen. An seiner Stelle wurde die Sakristei aufgeführt. Dazu wurde der Chorbereich nach Osten erweitert und im Nordosten durch einen Treppenturm ergänzt. Kirche und Sakristei erhielten einen Fliesenboden.

Das Benediktinerinnenkloster auf dem Gotthardsberg bestand nicht ganz dreihundert Jahre. Entgegen der archäologischen Befunde, soll sich das Kloster, den schriftlichen Quellen zufolge, zu Beginn des 15. Jahrhunderts in einem verwahrlosten Zustand befunden haben.16 Dieser wurde auf eine angeblich schlechte Haushaltsführung der Frauengemeinschaft zurückgeführt.

So kam es, dass auf dem Berg am 4. September 1439 aufgrund archäologisch nachweislich falscher Behauptungen ein Besitzerwechsel vorgenommen wurde. Der Würzburger Bischof Johann II löste das Kloster auf und schlug es, einschließlich seiner Ländereien, dem Kloster in Amorbach als Priorat zu.

Die Umwandlung von einem Frauenkloster in ein Priorat des Klosters Amorbach manifestiert sich in der Zusammensetzung des Fundguts in den für diese Besiedelungsphasen relevanten Verfüllungen. In der Zeit des Nonnenklosters fällt die Massierung von Importen, beispielsweise von Steinzeug aus dem Rheinland oder von Messingobjekten, wie Fingerhüten oder Schnallen aus Nürnberg, auf. Die repräsentative Ausstattung der Prioratszeit beschränkt sich dagegen auf einen reich verzierten, grünglasierten Kachelofen.17Er stand in der guten Stube über dem Weinkeller des Prioratshauses. Der tonnengewölbte Keller, der noch auf das Frauenkloster zurückgeht, diente dem lukrativsten Wirtschaftszweig des Klosters, der Erzeugung von Weißwein. Dieser wurde unter dem Gütesiegel „Kölner Wein“ mit großem Gewinn bis an die Küsten von Nord- und Ostsee verhandelt. Der Wechsel in der Zusammensetzung des Fundguts unterstreicht die Vermutung, dass die Anlage nunmehr primär als Wirtschaftsbetrieb weitergeführt wurde. Für repräsentative Anlässe standen Räumlichkeiten in dem im Tal gelegenen Hauptkloster zur Verfügung.

 

Pflaster einer Stallung östlich des ursprünglichen Zugangs zur Anlage von Weilbach kommend (Schnitt 19).

Eindeutig in die Periode 7 fällt der letzte Ausbau der ehemaligen Infirmerie, eines großen Hauses direkt südlich der nördlichen Umfassungsmauer (Schnitte 3, 4, 19, 20). Sie war zumindest in ihrer östlichen Hälfte durch eine Ost-West- verlaufende Mauer in zwei etwa gleich große Hälften geteilt. Der ursprünglich querrechteckige Baukörper scheint in der Periode 7 infolge der Brandereignisse von Periode 5 auf einen schmalen Wohntrakt im Norden rückgebaut worden zu sein. In seiner westlichen Hälfte wies der Fußboden einen steinernen Plattenboden auf. Am Übergang zum damaligen Zugang in das leicht eingetiefte Erdgeschoß lagen große, glatte Keramikfliesen. Die Rampe selbst wies eine unregelmäßige Pflasterung auf. Trotz seiner vergleichsweise geringen Breite zeugen die im Brandschutt von 1525 liegenden Reste eines Estrichbodens davon, dass wir es hier mit einem zwar dezentral gelegenen, aber durchaus repräsentativ genutzten Gebäude zu tun haben. Südlich des vermutlich zweistöckigen Fachwerkhauses erhob sich, durch einen etwa zwei Meter breiten, bebauungsfreien Streifen getrennt, ein eingeschossiger, ziegelgedeckter und als Schwellenkonstruktion errichteter Pferdestall. Nach Osten schloss sich ein nach Norden vorspringendes, gepflastertes Areal an. Der Fußboden einer hölzernen Stallung flankierte in der Periode 9 den Zugang eines von Weilbach kommenden Wegs auf den Gotthardsberg.

Erst nach der Umwandlung in ein Priorat dürfte die Kirche auf dem Gotthardsberg ihren Anbau südlich des Chores erhalten haben. Mit der Sakristei haben wir den einzigen, weitgehend vollständig erhaltenen Baubefund auf dem Gotthardsberg vor uns, der auch archäologisch untersucht werden konnte. In der Verschneidung von Bauanalyse und Archäologie lassen sich an dieser Stelle alle wichtigen Entwicklungsphasen der Besiedelung des Gotthardsberges aufzeigen.

Der Fliesenboden in der Sakristei über dem Nordteil des ehemaligen Friedhofs bildete dort einen der jüngsten Befunde (Schnitt 25).

In dieser Umbauphase wurde das Kirchenschiff flächig mit rechteckigen, an ihrer Oberseite reliefverzierten, keramischen Platten gefliest. Solche Fußbodenbeläge sind für Amorbach nicht neu. Bereits im 12. Jahrhundert betrieb das Kloster Amorbach für solche Baumaterialien einen eigenen Brennofen. Im Vergleich zu den im Tal zu Tage geförderten Fliesen sind diejenigen vom Gotthardsberg wesentlich schlechter ausgebildet. Vor allem sind sie deutlich jünger. Sie waren mit Blütenmuster und Viertelkreis verziert und an ihren Schmalseiten leicht nach unten einziehend abgeschrägt. Ihre Unterseite ist mit feinem Quarzsand gesandet. Die auf einem dicken Ziegelestrich aufgelegten Fliesen greifen in ihrem Dekor auf romanische Vorbilder zurück. In Entsprechung zu den romanischen Arkaden des Langhauses knüpften die Bauherren mit dem Fußbodenbelag in der Kirche ganz bewusst an eine längst unmodern gewordene, ortsgebundene Tradition an.

 

Periode 8: Zerstörung des Priorats während des Bauernkrieges 1525

Ein meterhoher Brandhorizont bedeckt den Fußboden im Erdgeschoss des Prioratshauses (Befunde 42-44).

Die Mönche bewohnten und bewirtschafteten den Gotthardsberg nur annähernd ein Jahrhundert lang. Nachdem Götz von Berlichingen mit seinen Truppen in Amorbach sein Hauptquartier aufgeschlagen hatte, wurde am 4. Mai 1525 die Wildenburg niedergebrannt. Am gleichen Tag ging auch ein Teil der Bebauung auf dem Gotthardsberg in Flammen auf.

In der Lebensbeschreibung des Götz von Berlichingen findet der Gotthardsberg keine Erwähnung. Jedoch wählt Goethe für seine Szene nahe Miltenberg einen Hintergrund indem „(…) in der Ferne zwei Dörfer brennen und ein Kloster“. Durchaus denkbar, dass es sich hierbei um eine Anspielung auf den Gotthardsberg handeln könnte.

Einem Schriftstück, das im Archiv des Fürstenhauses zu Leiningen aufbewahrt wird (FL Archiv, 3-40-3), ist zu entnehmen, welche Schadensersatzforderungen der Amorbacher Abt gegen die Bürgerschaft stellt. Dafür listete er diese akribisch auf. Auch wird beschrieben, dass nach den Verheerungen durch die aufständischen Bauern hölzerne Fenster- und Türgewände, sowie das Chorgestühl aus der Kirche auf dem Gotthardsberg entwendet wurden. Die vollständig aus Stein ausgeführte Kirche dürfte demzufolge vom Niederbrennen verschont geblieben sein.

Auch die weiteren Brandzerstörungen des Jahres 1525 dürften bei weitem nicht so umfassend gewesen sein, wie ursprünglich angenommen. Große Teile des in Fachwerktechnik errichteten Prioratshaus fiel dagegen, dem archäologischen Befund folgend, in Schutt und Asche (Schnitt 1, 2, 5).

 

Massive, bis zu meterhohe Brandhorizonte versiegeln die ursprüngliche Bebauung. Sowohl im Bereich des Prioratshauses als auch im Bereich des großen Hauses nördlich der Kirche (Schnitt 3, 4, 19, 20) wurde der steinerne Haussockel nach Komplettaufgabe des Baukörpers bis weit unterhalb des Laufhorizontes ausgebrochen. Der Brandschutt war bis auf die eisernen Beschläge der Zugangstür zum Untergeschoß weitgehend fundfrei. Demnach hatte man zumindest diesen Baukörper vor der Zerstörung bewusst leegeräumt.

Der Weinkeller im Ostteil des Prioratshauses mit seinem Tonnengewölbe dürfte im Anschluss weiterhin genutzt worden sein. Ebenfalls noch intakt war der östlich des Prioratshauses gelegene, etwas kleinere Gewölbekeller. Bei der archäologischen Untersuchung erwies sich der Brandschutt im Prioratshaus leider als weitgehend fundfrei. Auffällig ist der geringe Anteil an Keramik, die dieser Epoche zugewiesen werden kann.

Die Brandverheerung ist, der Befundsituation auf dem Gotthardsberg folgend, nicht als spontaner Eingriff in ein kontinuierlich in Nutzung stehendes Bauensemble zu sehen. Sie markiert vielmehr das endgültige Aus für einer Vielzahl von zu diesem Zeitpunkt nur noch extensiv bewirtschafteten Gebäuden.

In der Schriftquelle, in der der amtierende Abt die angerichteten Schäden auflistete, ist auch davon die Rede, dass sich die Amorbacher Bürger die kammerlatten, also die hölzernen Rankhilfen, aus den Weinstöcken am Südhang des Gotthardsberges holten und aus diesen Feuerholz machten. Das Kloster scheint demzufolge nicht darum bemüht gewesen zu sein, sofort nach den Verheerungen die Kontrolle über das Areal wiederzuerlangen. Von einem Fortbestand des Wirtschaftsbetriebes auf dem Berg wurde Abstand genommen. Dies zeigt auch die Entnahme von Hausteinen und steinernen Bodenplatten im Erdgeschoß des Prioratshauses. Die Aufbereitung der landwirtschaftlichen Erzeugnisse der dem Priorat zugehörigen Ländereien dürfte ab dieser Zeit vollständig auf dem Areal des Klosters im Tal erfolgt sein. Hierfür notwendige, zusätzliche Gebäude zeichnen sich bis heute im Weichbild der Stadt Amorbach deutlich ab. Ein zweiter Grund für die Aufgabe der Besiedelung auf dem Gotthardsberg könnte die mit dem Brand und vor allem mit den Plünderungen im Nachgang einhergegangene Zerstörung der Infrastruktur, insbesondere der Wasserversorgung, gewesen sein.

 

Periode 9: Reaktivierung von Kirche und Teilen des Klosters im ersten Drittel des 17. Jahrhunderts

Reaktivierung des Gotthardsbergs zu Beginn des 17. Jahrhunderts (Periode 9).

In der letzten Aktivierungsphase wurde die Bebauung im Bereich des Priorats erneuert. Über den Kellergewölben erhoben sich nun wieder Fachwerkhäuser. Die Zugänge zur Kirche erhielten neue Gewände. Ein weiterer Eingang ins Kirchenschiff, der Südliche, wurde neu eingebaut. Die Umfassungsmauer dürfte nur noch in Teilen intakt gewesen sein. Der Gotthardsberg war nun auch von Weilbach kommend zusätzlich über eine Treppe zu erreichen.

Türsturz des Südportals der Gotthardskirche mit der Jahreszahl 1629.Am Türsturz des umgearbeiteten Südportals der Gotthardskirche findet sich die Jahreszahl 1629. Solche Inschriften markieren das Ende einer Umbauphase, in diesem Fall die Erneuerung von drei Türgewänden im Kirchengebäude. Das Datum überrascht, liegt es doch inmitten des Dreißigjährigen Krieges.

Der Historiker Friedrich Johann Hildebrand schreibt im Jahr 1892: „Abt Eberhard stellte 1629 1. April bis Juni 1630 die Kirche wieder her, beschenkte sie mit drei Glocken und errichtete auf der Stelle der 1525 zerstörten Zellen ein neues Gebäude. Am 22. Juni 1630 wurde die Kirche vom Weihbischof Jodokus von Würzburg eingeweiht. Im 30jährigen Kriege wurde die Probstei von den Schweden geplündert. [...]18

Auch der kleinere Gewölbekeller (Schnitt 6) wurde bei der Reaktivierung in Periode 9 weiterhin genutzt.

Die dabei erwähnten Umbauarbeiten, die für eine kurze Zeit einen Teil der Klosterbebauung wiedererstehen ließen, lassen sich auch archäologisch belegen. Hinzu kommen Verfüllungen durch Umbauarbeiten in der Kirche selbst und im Bereich des der Kirche westlich vorgelagerten Plateaus (Schnitte 10 bis 12). Dazu gehörte auch der Neubau des 1525 niedergebrannten Prioratshauses, zumindest in reduzierter Form. Eine Weiternutzung beider Gewölbekeller in Periode 9 darf aufgrund der dort auf der Kellersohle geborgenen Funde (Ofenkacheln, Tonpfeifen, Grapen mit hohen Füßen) als gesichert gelten.

Rekonstruktion des Kombinationsofens, der in Periode 9 im wiedererrichteten Prioratshaus gestanden haben dürfte.Ein wichtiges Indiz hierfür sind zeitgemäße Ofenkacheln, die anlässlich des Neubaus in dem dort aufgestellten Kombinationsofen verbaut wurden. Das gehäufte Auftreten von braunglasierten, mit Tapetendekor versehenen Blattkacheln informiert uns auch darüber, dass das reaktivierte Prioratshaus ganzjährig bewohnbar war. Das wirklich Teure an einem solchen Kombinationsofen waren nicht die Kacheln, sondern der aus gusseisernen Platten bestehende Unterbau, der Feuerkasten. Dieser dürfte unmittelbar nach der Aufgabe der Bebauung ausgebaut worden sein. Die Ofenkeramiken sind stilistisch in das erste Jahrzehnt des 17. Jahrhunderts zu stellen. Ein mit ganz ähnlichen Kacheln bestückter Ofen stand im neuerrichteten Schloss Johannisburg, das 1614 eingeweiht wurde

Ab dem zweiten Drittel des 17. Jahrhunderts finden sich keine Hinweise mehr auf ein dauerhaftes Bewohnen des Bergrückens. Hierfür ist das Wiederaufflammen des Dreißigjährigen Krieges im Jahre 1635 verantwortlich zu machen. Damals wurde neben der Burg Bartenstein bei Partenstein auch die Bebauung auf dem Lufthof bei Dorfprozelten aufgelassen. Die Kirche dürfte weiterhin in Benutzung gewesen sein. Dazu wieder Hildebrand: „Als Amorbach 1659 aus der Würzburger Diöcese zur Mainzer gekommen war, wandten die Kurfürsten der Gotthardskirche besondere Aufmerksamkeit zu. So befielt Kurfürst Anselm Franz 1685 dem Abt Cölestin, Kirche, Thüren und Fenster reparieren zu lassen […]19

 

Perioden 10/11: Gotthardsruine, eingeleitet durch den Blitzschlag von 1714 und touristische Nutzung am Ende des 19. Jahrhunderts

Naturgemäß fanden sich die Spuren der extensiven Nutzung des Areals nach dem letzten Drittel des 17. Jahrhunderts unmittelbar unter der Oberfläche. Die Kirche verlor durch Blitzeinschläge in den Jahren 1698 und 1714 ihr Dach. Stehen blieben nur die Außenwände und die Arkaden des Mittelschiffs.20 Im 18. Jahrhundert wurde sie ihrer noch wiederverwertbaren Bauteile beraubt, unter anderem wurde der dekorierte Fliesenboden ausgebrochen (Schnitt 14) und als Schutt zum Auffüllen des Erdgeschosses des Prioratshauses (Schnitt 1) sowie zum Anböschen des Plateaus westlich der Kirche (Schnitt 10 bis 12) genutzt. Der Bauzustand aus dem Jahre 1855 von Süden gesehen wurde vom Amorbacher Maler Ludwig Müller dokumentiert.21 Am Ende des 18. Jahrhunderts wurden die Liegenschaften des Gotthardsberges anlässlich einer Reform des Klosters Amorbach zu gleichen Teilen an die Stadt Amorbach und an die Gemeinde Weilbach veräußert. Seither verläuft die Gemarkungsgrenze mitten durch das Kirchenschiff. Spätestens ab diesem Zeitpunkt wurde die Gesamtanlage einschließlich der Einbauten in der Kirchenruine als Steinbruch genutzt.

Im Jahre 1878 wurde der Rundturm auf der Nordostseite der Kirche erhöht und zum Aussichtspunkt ausgebaut. Aus den 1920er Jahren stammen mit Porzellanverschlüssen ausgestattete Mineralwasserflaschen. Sie sind die letzten Spuren des Getränkeausschanks im Kapellenbereich aus den 1920er/30er Jahren. Mit dem neuen Dach erhielt die Kirche 1956 ihre heutige Gestalt. Der entscheidendste Eingriff in die archäologische Substanz war das Planieren des Nordplateaus in den 1990er Jahren und die Anlage eines Zufahrtsweges an der Nordflanke des Gotthardsberges. Hierbei kam es zu massiven Befundeinbußen (Schnitte 5, 7, 8, 9, 30 und 30a).

 

Fazit

Mit den archäologischen Ausgrabungen auf dem Gotthardsberg konnte ein wesentliches Element der Kulturlandschaft zwischen Weilbach und Amorbach umfassend untersucht werden. Die Erkenntnisse bilden eine unverzichtbare Grundlage für weitere Forschungen für Bauhistoriker, Geographen, Historiker und Archäologen, insbesondere wenn es darum geht, die vier bedeutenden, maximal fünf Kilometer voneinander entfernt liegenden, hochmittelalterlichen Bauwerke Gotthardsberg, Kloster Amorbach, Templerhaus und Wildenburg zueinander in Beziehung zu setzen. Was ursprünglich als Beitrag zur Erforschung der Regionalgeschichte gedacht war, lässt aufgrund seiner Befunde und seiner Funde weit darüber hinaus gehende Verbindungen erahnen.

Die Grabungen 2010 bis 2012 sowie von 2021 lassen Rückschlüsse auf eine annähernd lückenlose Besiedelung der Hügelkuppe zwischen Amorbach und Weilbach zu. Sie reicht von der frühmittelalterlichen „Fliehburg“ über eine salisch/staufische Burganlage mit einer Grundfläche von mindestens 80 auf 50 Metern bis zu einem Kloster bzw. Priorat, dessen Rolle als Wirtschaftsbetrieb im Jahrhundert vor seiner Zerstörung im Jahre 1525 besonders herauszustellen ist. Überraschend war das Ausmaß der Nachnutzung im ersten Viertel des 17. Jahrhunderts (Periode 9). Die Dokumentation der Eingriffe im Rahmen der touristischen Nutzung seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert (Periode 11) zeigte, das entsprechende Bodendenkmale, auch wenn sie allgemein als durch Umstrukturierungsmaßnahmen nicht gefährdet gelten, durchaus einem starken Wandel unterworfen sein können, welcher sich seinerseits massiv auf die im Boden erhaltenen Strukturen auswirken kann.

© Christine Reichert und Harald Rosmanitz, Partenstein 2025


Literaturverzeichnis

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  1. Zum Gotthardsberg: Flachenecker 2012; Hartmann 1993, 2021, S. 209-223; Hartmann 2021, S. 209-233 mit zahlreichen den hier vorgestellten, vom Befund abgeleiteten Interpretationen deutlich abweichenden Hypothesen; Hildenbrand 1892; Reichert/Rosmanitz 2011; Reichert/Rosmanitz 2012; Reichert/Rosmanitz 2012; Reichert 2015a; Rosmanitz/Reichert 2012; Rosmanitz 2024, S. 75-76.
  2. Erst in der letzten Kampagne im Frühjahr 2021 fanden an dieser Stelle Untersuchungen statt.
  3. Hübner 28.05.2010.
  4. Bei Lorenz 2012, S. 178 ist in diesem Kontext von einer karolingischen Datierung die Rede. Der Beginn der Besiedelung des Gotthardsbergs lässt sich auch nach Abschluss der Grabungen dort nicht schärfer fassen. Der einzige Datierungsbehelf, ein in zwei Teile zerbrochenes Fragment des Bodens eines großen Topfes, kann sowohl an das Ende des 8. Jahrhunderts als auch in das 9. Jahrhundert datiert werden (Fundansprache von Uwe Gross, Heidelberg).
  5. Barz 2008; Barz et al. 2012.
  6. Reichert 2015b.
  7. Grünewald/Wieczorek 2012.
  8. Vergleichbar dimensionierte Kirchen auf Burgen sind charakteristisch für jene Wehranlagen, mit denen Bischöfe ihre Grenzregionen schütztenzbw, diese als Rückzugsareale nutzten.
  9. Reichert 2015b. Das Fundgut wurde in Lorenz et al. 2011, S. 195-196 noch irrtümlich dem Zerstörungshorizont aus der in zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts zugewiesen.
  10. Rosmanitz 2006.
  11. Rosmanitz 2009, S. 273-275.
  12. Zürner 2018.
  13. Hildenbrand 1892, S. 6.
  14. Lorenz et al. 2011, S. 196-197, Taf. 96-97; Rosmanitz 2024, S. 78, Abb. 2.
  15. Rosmanitz 2015; Rosmanitz 2024, S. 79-94.
  16. Hildenbrand 1892, S. 13-15.
  17. Rosmanitz 2024, S. 94-104.
  18. Zit. Hildenbrand 1892, S. 7.
  19. Zit. Hildenbrand 1892, S. 8.
  20. Hildenbrand 1892, S. 7-8.
  21. Halbwachs/Springer 2017.