Nur durch die Maintalstrecke Wertheim – Aschaffenburg getrennt, bilden Odenwald und Spessart eine natürliche Einheit. Dabei können die Ost- und Südgrenze durch den Übergang des Bundsandsteins in den Muschelkalk definiert werden. Der höchste Punkt des Odenwaldes liegt auf einer Höhe von 626, der des Spessarts auf einer Höhe von 585 Metern. Unser Untersuchungsgebiet, der Gotthardsberg bei Amorbach, lässt sich genau zwischen beiden Mittelgebirgen verorten.

Kartierung historisch relevanter, regionaler Bezugspunkte. Bearbeitet von: Jürgen Jung, Spessart-GISDie Stadt Amorbach liegt zehn Kilometer südlich von Miltenberg am Main im östlichen Odenwald, also im Buntsandsteinodenwald. Amorbach liegt auf einer Höhe von 165 m über ü. NN, umliegende Erhebungen erreichen eine Höhe von bis zu 500 m (Gotthardsberg 304 m, Sommerberg 340 m, Beucher Berg 455 m, Wolkmannberg 433 m, Reißberg 494 m und Emigshöhe 505 m). Um Amorbach herum liegen die ehemaligen Rodungssiedlungen und heutigen Gemeinden Weilbach, Neudorf, Hambrunn, Otterbach und Weckbach. Die meisten von ihnen sind durch Täler und andere durch Bäche mit Amorbach verbunden. Mit dem Morsbach, dem Ottersbach und dem Weilbach streben in der Umgebung zahlreiche Gewässer dem Vorflutersystem des Flusses Mud (Mudau) zu, sodass zurecht von einem Talknoten bei Amorbach gesprochen werden kann. Bei genauerer Analyse des Fließgewässersystems erkennt man verschiedene geologische Vorzugsrichtungen in der Gewässer bzw. der Täler. Im Wesentlichen folgt die Mud und auch der Ottersbach der rheinischen Richtung. In dem kurzem Abschnitt nördlich von Amorbach orientiert sich die Mud herzynisch. Östlich von Amorbach folgt der Billingsbach und im weiteren Verlauf der Morsbach dieser Richtung, so auch der bei der Ortschaft Weilbach in die Mud fließende Ohrnbach. Das Gewässer Weilbach, nördlich des Gotthardsberges folgt im Wesentlichen der erzgebirgischen Richtung.

Das Klima ist gemäßigt, die durchschnittliche Jahrestemperatur beträgt 7,5 °C. Der jährliche Niederschlag schwankt zwischen 850 mm und 950 mm.

Das Gebiet um Amorbach ist eher gering tektonisch geprägt – es sind kaum Störungen der Umgebung nachweisbar. Die Analyse der Geologischen Karte belegt eine sehr ruhige Schichtlagerung des Buntsandsteines. Die Schichtgrenzen des Unteren und Mittleren Buntsandsteins treten an den Unterhängen in einheitlichen Niveaus um 200 m ü. NN zu Tage. Die Grenze zwischen Mittlerem und Oberem Buntsandstein liegt etwa auf dem Niveau der 400 m-Isohypse im Bereich der Oberhänge der Erhebungen. Man kann von einer mehr oder minder söhligen Schichtlagerung des Sandsteins ausgehen. Die einheitliche Gipfelflur, bzw. die Hochflächen der angrenzenden Erhebungen, ist nur vordergründig ein Hinweis für die söhlige Schichtlagerung. Zwar enthält der obere Buntsandstein mechanisch harte Gesteinsschichten wie den Plattensandstein (Steinbruch bei Neudorf), der eine Anpassung der Landoberfläche an die Gesteinsstruktur suggeriert. Aber neben harten Gesteinsbänken sind auch mit den Tonsteinfolgen der unteren und oberen Röttonsteine mechanisch weiche Sedimente im oberen Buntsandstein eingelagert.

Gerade die Tonsteine besitzen aufgrund ihrer geringen Permeabilität eine große Bedeutung für die Landschaftsentwicklung der Mittelgebirgsregion.1 Die chemische Verwitterung, die im Tertiär unter tropischen klimatischen Bedingungen stattfand, ist in besonderer Weise an das Medium Wasser gebunden. Es ist daher nicht verwunderlich, dass die Verwitterungs- und Abtragungsprozesse des Tertiärs, insbesondere die Tonsteinserien, wie die Röttonsteine, in Wert setzten. Die ausgedehnten Hochflächen müssen demnach als Rumpfflächen interpretiert werden, die charakteristisch für die tertiäre Landoberfläche sind. Beleg für diese These sind unter anderem die nördlich von Amorbach bei Vielbrunn nachgewiesenen „Pliocäner Thon und Sand“ sowie „Pliocänthon auf Buntsandstein“.2 Auch in der Tongrube Vierstöck westlich von Michelstadt wurden Beweise für die tertiäre Verwitterung in den gleichen Gesteinsschichten gefunden.3

Geomorphologische Struktur der Region mit Lößanlagerungen. Bearbeitet von: Jürgen Jung, Spessart-GISIn diese ursprünglich zusammenhängende Hochfläche von Sedimentgesteinen des Buntsandsteins haben sich schließlich im Laufe des ausgehenden Tertiärs und insbesondere im Eiszeitalter die Gewässer eingetieft und breite Talgefäße geschaffen. Der Eintiefungsprozess war unterstützt von großräumigen Hebungen des Gebietes. Heute liegen die Hochflächen rund 250 m überden Talniederungen. Hier lagern im Untergrund die Sedimente der Eiszeit, im Wesentlichen Schotter, Kiese und Sande. Überdeckt werden die fluviaen sandigen Substrate zum Teil von lößartigen Substraten. Vermutlich sind diese als Hochflutlehme, also als von Hochwässern angeschwemmte Abtragungsprodukte der Hochflächen, anzusehen. Dort lagern Löße als äolische Sedimente teils in größeren Mächtigkeiten. Die Braunerden aus Löß sind fruchtbar und daher gut ackerbaulich nutzbar, was vermutlich zur Gründung von Siedlungen auf den Hochflächen führte (Neudorf, Beuchen, Mainbullau).


© Jürgen Jung, Spessart-GIS 2012

  1. Jung 2006.
  2. Vogel 1855 – 1872.
  3. Jung 2006