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Blick auf den alten Friedhof und die südlich anschließende GrabungsflächeDas Areal der ehemaligen Burg Mömbris wurde im Jahre 2019 mit dem Anlegen von vier Schnitten archäologisch untersucht. Sie wurden als Schnitt 1, Schnitt 2, Schnitt 2a und Schnitt 3 bezeichnet. Das Ganze diente der Erfassung der Befundsituation im Bereich der nordöstlichen Ecke des als „Burghügel“ bezeichneten Areals sowie dessen nördliche Kante Richtung Westen.

Wesentliche Informationen über die zu erwartenden Mauerstrukturen lieferten Untersuchungen des Instituts für Geographie und Geologie der Universität Würzburg. Dabei ging es primär um den Gewinn von Aussagen zum Aufbau der Geländestufe, in der das Bodendenkmal „Burg Mömbris“Die Schnitte der Grabung von 2019 im Gelände. Blau hinterlegt sind die Fortführungen der ergrabenen Mauerzüge. eingebettet ist. Hier kam die Refraktionsseismik zum Einsatz. Diese eignet sich besonders gut für die Untersuchung des oberflächennahen Untergrunds bis zu einer Tiefe von 100 Metern. Zur grabungsvorgreifenden Prospektion kam der Einsatz von Geoelektrik (ERT) hinzu. Im Gegensatz zur Refraktionsseismik, gehört die Geoelektrik zu den elektromagnetischen Mess- und Wellenverfahren, das eine Frequenz zwischen 10 MHz und 3 GHz besitzt und mit Hilfe des Aussendens eines elektromagnetischen und zeitlich begrenzten Impulses arbeitet.

 


Die Phasen der Ausgrabungen

Der Arbeitsstand der Ausgrabungen auf der Burg Mömbris Ende April 2019
Der Arbeitsstand der Ausgrabungen auf der Burg Mömbris am 17. Mai 2019
Der Arbeitsstand der Ausgrabungen auf der Burg Mömbris am 23. Mai 2019
Der Arbeitsstand der Ausgrabungen auf der Burg Mömbris am 6. Juni 2019
Der Arbeitsstand der Ausgrabungen auf der Burg Mömbris am 21. Juni 2019
Der Arbeitsstand der Ausgrabungen auf der Burg Mömbris Anfang Juli 2019
Der Arbeitsstand der Ausgrabungen auf der Burg Mömbris Mitte August 2019
Der Arbeitsstand der Ausgrabungen auf der Burg Mömbris Mitte September 2019

Schnitt 1

Der Schnitt der Trockenmauer der Periode 5 in Schnitt 1Der erste Schnitt der Ausgrabungen wurde in der Nordostecke der rechteckigen Struktur, die bislang als „Burg Mömbris“ angesprochen wurde, angelegt. Im Zuge der laufenden Ausgrabungen wurde dieser als Schnitt 1 bezeichnet. Die Mauerstrukturen stellten sich im Verlauf der Grabung als rezentes, maximal vierlagiges, einschaliges Trockenmauerwerk heraus, das an dieser Stelle über Eck geführt wurde. Es zeichnet den Sockel der deutlich erkennbaren Nordostecke der rechteckigen Struktur nach. Über das darin enthaltene Fundmaterial konnte die Schicht, in welche die Trockenmauer eingebunden war, in das ausgehende 18. Jahrhundert datiert werden.

Der Schnitt des Halbkellers in Schnitt 1Im weiteren Verlauf der Grabungen wurde Schnitt 1 in der ursprünglichen Größe erweitert und abgetieft. Ca. 50 cm unterhalb der Unterkante der Trockensteinmauer stießen die Ausgräber auf eine bis zu 150 cm mächtige Brandschicht, bestehend aus Hohlziegeln und verziegelter Gefachelehm. Das einschalige Mauerwerk, dessen trocken gesetzte Steine durch ein Brandereignis stark in Mitleidenschaft gezogen wurden, ist in sorgfältig aufgetragene, dicke Lehmpackungen eingebettet. Das Ganze stellte sich während der weiteren Grabungsarbeiten als Halbkeller heraus.

Besonders hervorzuheben ist die Einbindung zweier ursprünglich senkrecht stehender, vierkantig zugebeilter Balken. Diese dürften schon vor der Erstellung der Westwand des Kellers auf dem gewachsenen Lehm platziert worden sein. Im Nachgang wurde die in Lehm gesetzte, einschalige Mauer um die Balken herumgeführt. Der in der Südwestecke des Schnittes ergrabene Schacht zur Aufnahme des Balkens liegt leicht zurückversetzt in der Stirnseite der Mauer, dürfte im Keller selbst jedoch sichtbar gewesen sein.

Die Struktur des Befundes lässt darauf schließen, dass der Nord-Süd-ausgerichtete, rechteckige Halbkeller ursprünglich Teil eines Hauses gewesen sein dürfte, des Aufgehendes in Fachwerk errichtet war. Auf dem Dach lagen Hohlziegel in vermörteltem Mönch-Nonne-Verband. Verkohlte Balken, die in den ansonsten aus Stampflehm bestehenden Kellerboden eingebunden waren, lassen annehmen, dass der Keller ursprünglich über einen auf Balken aufliegenden Holzdielenfußboden verfügt haben dürfte. Der Bodenaufbau ähnelt damit dem Kellerboden der 1405 niedergebrannten Mühle neben der Burg Hauenstein bei Krombach (AB).1 Der Pfosteneinfassung in der Südwestecke des Schnittes vorgelagert ist eine im Boden eingelassene Grube. Durch den hohen Holzkohle- und Kalkanteil in der Schüttung hebt diese sich optisch deutlich vom umliegenden Bereich ab.

Der Befund macht deutlich, dass es sich bei dem von der Ostmauer des Kellers im rechten Winkel nach Westen geführten Mauerwerk keinesfalls um die Südmauer des Kellers handeln kann. Die Aussparung des oben erwähnten Balkens in der Südwestecke von Schnitt 1 liegt eindeutig in der Verlängerung dieses Mauerzuges, der bereits etwa nach einem Meter Länge abbricht. Da sich südlich der Balkenaussparung die Westmauer linear fortsetzt, kann dies als Indiz dafür gewertet werten, dass bei den Grabungen lediglich die nördliche Hälfte eines sehr großen Kellers aufgedeckt werden konnte. Über seine Dimensionierung und die des ursprünglich darüber errichteten Hauses können zwar Überlegungen angestellt werden, allerdings nur unter der Vorgabe einer spiegelbildlichen Rekonstruktion des ergrabenen Kellernordteils und dessen Projektion nach Süden hin.

Blick auf die Westwand des Halbkellers in Schnitt 1. Deutlich zu erkennen sind die Aussparungen der Holzbalken.Das Brandereignis, dem besagtes Haus zum Opfer gefallen sein dürfte, kann über Keramiken in die zweite Hälfte des 14. Jahrhunderts datiert werden. Bezeichnend dafür sind unglasierte, primär oxidierend gebrannte Töpfe. Das Gefäßspektrum weist nur bedingt Verschneidungen mit der Produktionspalette aus dem hessischen Dieburg auf. Glasierte Gefäße kamen im Fundgut aus der Kellerverfüllung nur in Ausnahmefällen zu Tage. Auch das nicht-keramische Material aus der Verfüllung ist vergleichsweise dürftig. Alles in allem wird über Befund- und Fundzusammensetzung der Verdacht erweckt, dass das Fachwerkhaus erst nach dem Entfernen der noch brauchbaren Ausstattungsgegenstände niedergebrannt wurde. Das Schadfeuer kann also nicht der Kategorie eines unvorhergesehenen Brandereignisses (Kriegszerstörung oder Blitzeinschlag) sondern als bewusste Inwertsetzung des Gebäudeensembles beispielsweise im Rahmen der Pestnachsorge angesprochen werden. Über das bislang im Keller geborgene Fundgut sind auch nach Abschluss der Untersuchungen keine Aussagen über die Funktion des Raumes zu gewinnen.

Hinsichtlich der Datierung ist außerdem relevant, dass die Brandschicht von 1405 (Periode 4) durch eine ca. 50 cm mächtige Lehmabdeckung von der hier zur Disposition stehenden Brandverfüllung getrennt ist. Die Lehmschicht unterschiedlicher Mächtigkeit (20 cm bis ca. 1 m) enthielt Ziegel, Fachwerklehm sowie Keramik. Es darf als sicher gelten, dass schon bald nach dem Niederbrennen des Fachwerkhauses die Kellerverfüllung systematisch mit Schutt und Aushub überdeckt wurde, mit dessen Hilfe man eine stabile Abdeckung schuf. Möglicherweise steht diese in einem Zusammenhang mit einem geplanten Burgneubau, um 1350, der in dieser Form nie zustande kam. Das Kellerareal blieb in der Folge weitgehend unbebaut.

Schnitt 2a

Der Schnitt der südöstlichen Ecke des Wohnturms in Schnitt 2aSchnitt 2a ist die westliche Verlängerung von Schnitt 1. Er wurde in der nördlichen Verlängerung des in Schnitt 2 angetroffenen Mauerzuges an der nördlichen Hangkante der rechteckigen „Burg“ angelegt. In Schnitt 2a sollte die südöstliche Ecksituation des hier postulierten Steinernen Hauses genauer in Augenschein genommen werden. Die Grabungen fokussierten sich aufgrund der zu erwartenden Schichtenmächtigkeit auf das Plateau unterhalb des „Burghügels“.

Der Schichtenaufbau stellte sich folgendermaßen dar: In Entsprechung zu den Befunden in Schnitt 1 wurden die Mauern und die umgebenden Flächen von einer nach Norden stark ausdünnenden Schicht aus mehrfach verlagertem Brandschutt aus dem Jahre 1405 bedeckt (Schicht 1). Neben Hohlziegeln, verziegeltem Gefachelehm und Holzkohle war im direkten Umfeld der Mauerreste Steinkleinschlag sowie der Eintrag von sandigem Mörtel zu beobachten. Der Brand- und Abbruchschutt lagerte auf einer 50 cm mächtigen, horizontal eingetragenen Aufschüttung aus verdichtetem Lehm auf (Schicht 2). Die darin enthaltenen, dünnwandigen Keramiken sind über Vergleiche mit Stücken aus der Burg Mole bei Heimbuchenthal (AB) dem zweiten Drittels des 14. Jahrhunderts zuzuweisen.2 Eine ca. 10 cm mächtige, humose Schicht mit Hohlziegelfragmenten, verziegeltem Gefachelehm und gleichmäßig  eingetragenen Keramikfragmenten (Schicht 3) leitet über zu einer weiteren, ebenfalls halbmeterdicken Strate aus verdichtetem Lehm (Schicht 4). Die hier eingebetteten Keramiken sind der Gruppe der glimmerhaltigen Vorspessartware zuzuweisen, wie sie für die 1260er Jahre beispielsweise von der Burg Wahlmich bei Waldaschaff (AB) bekannt ist.3 Die Schichten 1 bis 4 schließen direkt an die östliche Hausmauer bzw. an das Hausmauerfundament an.

Die an der Mauer anschließende Stratenabfolge ist komplex. Folgende Schichtenabfolge ist erkennbar und fand beim Ergraben beispielsweise in der Fundtrennung Berücksichtigung:

  • Schicht 1: Brandschicht von 1405
  • Schicht 2: Obere Lehmschicht (Verfüllung) mit Schlackeeintrag
  • Schicht 3: Laufhorizont mit Scherbenpflaster und Schlackeeintrag
  • Schicht 4: Mittlere Lehmschicht (Verfüllung) mit Schlackeeintrag
  • Schicht 5: Lehm, humos durchmischt, locker, mit zahlreichen Ziegeln und Scherben durchsetzt
  • Schicht 6: Untere Lehmschicht (Verfüllung) mit Eintrag von verziegeltem Gefachelehm

Blick in die Grubenverfüllung in Schnitt 2aIn Schicht 5 waren zahlreiche Topffragmente eingebunden. Die Gefäße wurden gemeinsam mit ganzen Hohlziegeln als Füllmaterial der Grube verwendet. Alle Gefäße weisen Gebrauchsspuren auf. Der Großteil der Gefäße gelangte bereits in zerbrochenem Zustand in die Strate. Hervorzuheben ist der Fund von zwei silbernen Brakteaten im Schichtenzusammenhang. Bei den Silbermünzen handelt es sich um Händleinheller, wie sie in annähernd allen Grabungen des ASP gefunden wurden, bei denen Straten der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts angeschnitten wurden.4 Einen weiteren Datierungshinweis gibt ein vollständig erhaltener Becher aus Protosteinzeug aus Aulendiebach oder Talheim, zu dem es Belege aus den Straten des ersten Drittels des 14. Jahrhunderts vom Kloster Elisabethenzell, Stadt Rieneck gibt.

Im südlichen Segment des Schnitts, im Bereich des von der Mauerecke aus nach Westen streichenden Mauerzuges, konnte eine Türkonstruktion erfasst werden. Beachtenswert war der sich dort im Grabungsbefund deutlich abzeichnende Negativnachweis einer ausgebrochenen Schwelle. Westlich des Türdurchlasses war das Fundament der Mauer deutlich schwächer ausgebildet. Es fußte dort auf einer etwa handhohen Schicht aus sandigem, gelbem Lehm. In Entsprechung zu den Beobachtungen im nordöstlichen Segment des Schnittes ist festzuhalten, dass die Grube eindeutig nach Periode 1 angelegt wurde, jedoch vor der Errichtung des steinernen Wohnturms.

Beim Abtiefen der Flächen in Schnitt 2a zeigte sich, dass westlich des Kellers nicht nur die beschriebene Grube, sondern auch ein weiterer, grubenhausartiger Befund dem Ensemble zuzurechnen ist.

Blick auf das Grubenhaus in Schnitt 2aDie im ziegelfreien Brandschutt enthaltenen Scherben sind der Periode 1 zuzurechnen. Damit erweitert sich das Befundensemble dieser Periode, die bislang ausschließlich in Schnitt 2a gefasst werden konnte, um ein Grubenhaus mit nördlich vorgelagerter Steinstückung sowie mit einem im Westen angrenzenden Grabeneck. Der ursprünglichen Hypothese einer hölzernen Vorgängerburg folgend konnte mit den Befunden ein Teil der ursprünglichen Außenbebauung des Burgareals aus der Mitte des 13. Jahrhunderts gefasst werden. Diese Hypothese hat nur dann Bestand, wenn es sich bei dem tiefsten Befund dieser Periode tatsächlich um die Ecke eines Grabens handelt. Die Grabensohle lag ca. 120 cm unter dem ersten Planum, bei dem besagter Graben eindeutig gefasst werden konnte. Leider war sie gleichmäßig zuerodiert, ohne dass Keramikfragmente oder andere chronologisch relevante Objekte in die Verfüllung gelangt wären.

An der Ostkante des nordöstlichen Segments von Schnitt 2a, konnte der Zusammenhang des in Schnitt 1 erfassten Halbkellers mit den kellerartigen Strukturen in der Osterweiterung von Schnitt 2a in einen Bauzusammenhang gebracht werden. Die in Schnitt 2a vermutete Südwestecke eines Kellers mit weitgehend ausgebrochenem Mauerwerk gibt sich als konsequente Fortführung der westlichen Kellerwand nach Norden zu erkennen. Das nördliche Ende dieser weitgehend ausgebrochenen, doppelschaligen Mauer konnte leider nicht gefasst werden. Die Mauer setzt sich nach Süden hin in einer zweischaligen, nach Osten hin abkippenden Mauerstruktur fort.

Eine weitere grubenhausartige Struktur konnte im südlichen Bereich des nordöstlichen Segments von Schnitt 2 ergraben werden. Dieses Grubenhaus war unmittelbar an den Kernmauerbereich angesetzt, wie Brandspuren an der Mauer belegen. Es dürfte somit dem metallverarbeitenden Wirtschaftsbereich der Periode 2 zuzurechnen sein.

Schnitt 2

Blick auf die Doppelmauer in Schnitt 2aEine Sondage in einer der durch die Geophysik erkannten Verdachtsflächen, dem Schnitt 2, erbrachte in ca. einem Meter Tiefe den Nachweis eines Mauerzuges. Er hat eine Breite von mehr als 2 Metern, verläuft von Norden nach Süden und setzt sich aus zwei etwa gleich starken Mauern zusammensetzte.5 Ihre östliche Hälfte ist dabei deutlich besser und mit größeren Steinen sowie Mörtel errichtet.

In der Osthälfte des Schnittes (ursprünglich außen) wurden eine Erweiterung nach Norden (Richtung Hangkante) sowie eine Abtiefung auf ein von Brandschutt überlagertes Pflaster vorgenommen. Die erschlossenen Straten bestanden aus einem bis zu 40 cm mächtigen humosen Auftrag (Periode 5), einer nach Osten fallenden bis zu 50 cm verdickenden Schuttschicht aus verlagertem Brandschaut des Jahres 1405 (Periode 4), einer darunterliegenden, über 150 cm mächtigen Lehmschicht mit Holzkohle-, verziegeltem Gefachelehm- und Ziegeleintrag und einer ca. 30 cm auf einem Pflaster auflagernden, weiteren Brandschicht. Die Funde von einem gefälschten Händleinhellern belegt ebenso wie die Keramik (unglasiert, Protosteinzeug Talheimer Art), die Zuweisung des unteren Zerstörungshorizonts in die Periode 2 (Mitte 14. Jh.). Zahlreiche, auf das Pflaster gefallene Hohlziegel können als Indiz dafür gewertet werden, dass sich das östlich der Mauer liegende Areal damit unmittelbar außerhalb eines Gebäudes befunden haben dürfte, dessen Ostwand in Schnitt 2 zumindest in Teilen gefasst werden konnte. Der Mauerzug kann in Verbindung mit dem Keller in Schnitt 1 als Stützmauer des südwestlich davon gelegenen Burghügels angesprochen werden. Durch besagten Mauerzug war es möglich, auf dem östlich vorgelagerten Plateau besagtes Fachwerkhaus zu errichten, ohne dabei statische Beeinträchtigungen durch den Erddruck des westlich anschließenden Hügels befürchten zu müssen.

Schnitt 3

Der Schnitt der südwestlichen Ecke des Wohnturms in Schnitt 3Ähnlich wie Schnitt 2a wurde auch Schnitt 3 an der nördlichen Hangkante der rechteckigen Struktur angelegt, die vor Beginn der Grabungsarbeiten für den Burghügel gehalten worden ist. Ziel war hierbei, die südwestliche Ecksituation und die westliche Fortsetzung der in Schnitt 2a aufgedeckten Befunde näher zu untersuchen. Unter Berücksichtigung der Ergebnisse der geophysikalischen Prospektion wurde der Schnitt so gewählt, dass der Abstand zwischen Schnitt 2a und Schnitt 3 entlang der von West nach Ost verlaufenden nördlichen Hangkante etwa acht Meter betrug, was einem gängigen Maß für die Anlage von Steinernen Häusern im Spessart entspricht.6

Die Mauern des Wohnturms Richtung Norden waren weitgehend ausgebrochen.Bei den ersten Freilegungsarbeiten zeigte sich, dass wir es an dieser Stelle mit einer Ecksituation zu tun hatten, die spiegelbildlich zu den Befunden in Schnitt 2a aufgebaut worden ist. Auch hier wurde die Nord-Süd-ausgerichtete, von der Hangkante in Richtung Friedhof weisende Mauer zuerst errichtet. Im Gegensatz zu ihrem Gegenstück in Schnitt 2a war die westliche Wand des Steinernen Hauses deutlich flacher angelegt. Ihre Maueraushubgrube lag keinen halben Meter unter der Humusoberkante. Aufgrund der leichten Erreichbarkeit wurde der Befund, wahrscheinlich bei Anlegung des Gartengrundstücks, in Richtung Norden (zum Friedhof) teilweise bis auf die unterste Lage ausgebrochen. Lediglich eine Nord-Süd verlaufende Mauerausbruchgrube, die sich deutlich im helleren Lösslehm abzeichnete, zeugte an dieser Stelle von deren einstmaliger Existenz.

Die bereits in Schnitt 1 und 2a entdeckte, parallel zur Hügelkante verlaufende Trockenmauer der Periode 5 konnte auch in Schnitt 3 gefasst werden. Diese setzte sich westlich der Mauerecke, parallel zur nach Westen verlaufenden Hangkante, fort und war dort an die vermörtelte Westmauer angesetzt. Dies bedeutet, dass bei Anlegung der Trockenmauer (Periode 5) die Baubefunde des Steinernen Hauses zumindest teilweise noch offengelegen haben müssen. Die Trockenmauer in Schnitt 3 war analog zu den Schnitten 1 und 2a mit dunklem, sandigem Material hinter- bzw. verfüllt.

Fazit

Die Schnitte ergaben sich aus den Ergebnissen der geophysikalischen Untersuchungen und den im Verlauf der Grabung aufgedeckten Befunden. Dabei wurde ersichtlich, dass der als Bodendenkmal erfasste „Burghügel“ nicht den Standort der Burg Mömbris widerspiegelt, sondern lediglich die letzte Nutzungsphase des ausgehenden 18. Jahrhunderts darstellt.

Bei der Konzentration auf den Schnitt 2a konnten wesentliche Binnenstrukturen der komplexen Bebauungs- und Besiedlungsphasen archäologisch gegriffen und der Zusammenhang zwischen Burganlage und vorgelagertem, metallverarbeitendem Wirtschaftsbereich erschlossen werden.

Die Entscheidung, die Ausgrabung in diesem Areal zu konzentrieren, wurde aus mehreren Gründen getroffen:

  • Die geophysikalischen Untersuchungen erbrachten eine höhere Dichte an Bebauungsspuren, nicht auf dem Burghügel, sondern an dessen nördlichem Hang. Diese waren bei der Erschließung des südlichen Teils des noch modern genutzten Friedhofs nicht erkannt worden.
  • Die zunächst in Schnitt 1 aufgedeckten Mauerstrukturen erwiesen sich als nicht forschungsrelevant, da es sich um die um 1800 trocken gesetzte Einfassung eines Gartengrundstücks handelte.
  • Mit dem Wirtschaftsbereich, der dem Wohnturm vorgelagert war, konnte der für die Erforschung der Spessartburgen zentralen Fragestellung, inwiefern die Burg als Manifestation von Herrschaft und Burg als integraler Bestandteil eines Wirtschaftsraumes zu sehen ist, nachgegangen werden.

Die Grabungen von Mai bis Mitte September 2019 veränderten unser Denkmodell, die für die Burg Mömbris auf der Grundlage des digitalen Geländemodells und erster Lesefunde entwickelt worden waren, grundlegend. Sowohl zur baulichen Struktur der Anlage als auch zu ihrer funktionalen Ausrichtung sind völlig neue Aussagen zu treffen. Sie erlauben es, ein genaueres Bild des Steinernen Wohnturms von seiner Erbauung über die wirtschaftliche Nutzung bis zu seiner vollständigen Zerstörung zu zeichnen.

Durch die vier auf der Burg Mömbris angelegten Schnitte konnten grundlegende Aussagen zum Befestigungswerk einer Burg getroffen werden, die bereits den Erfordernissen des Einsatzes von Schwarzpulver genügen musste. Streufunde in Form von glimmerhaltiger Vorspessartware deuten an, dass ein Vorgänger der Anlage bereits in der Mitte des 13. Jahrhunderts existiert haben dürfte. Wie bei der Burg Hauenstein war es auch in Mömbris möglich, Teile des der Burg vorgelagerten Wirtschaftsbereichs zu ergraben und zu dokumentieren. Konnte auf der Burg Hauenstein eine Mühle archäologisch erfasst werden, stieß man bei der Burg Mömbris auf die Werkstatt eines Schmiedes, der in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts erheblich zum Wohlstand auf der Burg beigetragen haben dürfte.

Außerhalb des Spessarts können den Funden und Befunden von der Burg Mömbris zwei vergleichbare Forschungsinkunabeln zur Seite gestellt werden: die 1399 zerstörte Burg Tannenberg, die bereits in den 1840er Jahren durch Hefner und Wolf ergraben wurde7, sowie die Burg Bommersheim bei Oberursel im Hochtaunuskreis.8 Diese zwischen 1988 bis 1991 von der Römisch-Germanischen Kommission Frankfurt ergrabene Anlage wurde im Jahre 1382 durch den rheinischen Städtebund erobert und zerstört. Der Vierklang Tannenberg – Bommersheim – Hauenstein – Mömbris zeichnet in Befund und Fundgut einen einheitlichen Horizont ab, der für die Stratifizierung spätmittelalterlicher Befunde und Funde eine wichtige Orientierungshilfe darstellen dürfte.

Die ausschnittsweise Untersuchung der Burg Mömbris ist demzufolge weit mehr als die Bestandserfassung im Vorgriff einer touristischen Inwertsetzung. Sie schafft einen Kausalzusammenhang der bei den Forschungsgrabungen des Archäologischen Spessartprojektes seit 2004 gewonnenen Erkenntnisse zur Anlage und Zerstörung von Burgen im westlichen Spessart. Das nach Abschluss der Grabungen vorliegende Dichtefeld an Informationen lässt das Bodendenkmal in einem völlig neuen Licht erscheinen. Eine vergleichsweise kleine Anlage, deren Hauptelement ein Wohnturm mit Fachwerkstockung gebildet haben dürfte, und der in seiner Anlage im besten Fall kleinräumig eine Landmarke bildete, wird über die erhaltene Bausubstanz und das Fundgut zu einer regional zu beachtenden Anlage. Ihr Wert dürfte weniger in ihrer Wehrfähigkeit, denn in ihrer Funktion als beherrschendes und im wahrsten Sinne des Wortes überragendes Element eines Wirtschaftsraumes anzusprechen sein, der sich bereits am Ende des 14. Jahrhunderts auf die Fertigung von hochwertigen Metallprodukten spezialisiert hatte. Die Burg Mömbris ist nur als Teil einer größeren Siedlungsstruktur zu verstehen. Der dadurch geschaffenen Kulturlandschaft, in deren Mitte die Anlage thronte, sind die fruchtbaren Ackerflächen der angrenzenden Hochebene ebenso zuzuweisen, wie die für die Mühlenwirtschaft ideale Lage oberhalb des Kahltals.


© Harald Rosmanitz, Partenstein 2021


Weiterführende Literatur:

Bachmann, Sabrina (2016): Die Friedhofsbestattungen des mittelalterlichen Klosters Elisabethenzell bei Rieneck, Ldkr. Main-Spessart. Eine Analyse zu Belegungsabfolge und Bestattungssitten mittels digitaler 3D-Modelle. (masch. Masterarbeit). Würzburg.

Friedrich, Reinhard; Junk, Harro; Kreuz, Angela; Petrasch, Jörg; Rittershofer, Karl-Friedrich; Titzmann, Peter; Waldenstein, Christina von (1993): Die hochmittelalterliche Motte und Ringmauerburg von Oberursel-Bommersheim, Hochtaunuskreis. Vorbericht der Ausgrabungen 1988 bis 1991. In: Germania 71, S. 454–519.

Hefner, Joseph von; Wolf, Johann Wilhelm (1850): Die Burg Tannenberg und ihre Ausgrabungen. Frankfurt am Main.

Rosmanitz, Harald (2006): Töpfe massenhaft. In: Harald Rosmanitz (Hg.): Die Ketzelburg in Haibach. Eine archäologisch-historische Spurensuche. Neustadt a. d. Aisch, S. 75–83.

Rosmanitz, Harald (2009): Burgenforschung im Spessart. Das „Alte Schloss“ in Kleinwallstadt. In: Beiträge zur Archäologie in Unterfranken, S. 243–286.

Rosmanitz, Harald (2012): Heimbuchenthal, Lkr. Aschaffenburg, Burgstall Mole. Maßnahmen-Nr. M-2008-168-1 und -2. Archäologische Untersuchungen, Mai bis Juli 2008 und Mai bis Juli 2009. (masch. Manuskript). Partenstein.

Rosmanitz, Harald; Bachmann, Sabrina (2017): Waldaschaff, Lkr. Aschaffenburg, Burg Wahlmich, Maßnahmen-Nr. M-2016-799-1_0. Archäologische Untersuchung, Mai – August 2016. Partenstein.

Rosmanitz, Harald; Bachmann, Sabrina; Geißlinger, Michael (2019): Krombach, Lkr. Aschaffenburg, Burg Hauenstein, Maßnahmen-Nr. M-2017-1232-1_0. Archäologische Untersuchung, August bis November 2017. (masch. Manuskript). Partenstein.

Schmitt-Böhringer, Astrid (2008): Burg Tannenberg bei Seeheim-Jugenheim, Lkr. Darmstadt-Dieburg. Eine spätmittelalterliche Ganerbenburg im Licht der archäologischen Funde. Bonn (Universitätsforschungen zur prähistorischen Archäologie, 151).


  1. Rosmanitz et al. 2019, S. 40-41.
  2. Rosmanitz 2012, S. 47-52
  3. Rosmanitz 2006; Rosmanitz 2009, S. 273-278; Rosmanitz und Bachmann 2017, S. 37-38.
  4. Bachmann 2016, S. 12-13.
  5. Eine alternative Deutungsmöglichkeit wäre die als Trockenmauer gesetzte Struktur lediglich als Steinpackung anzusprechen, die als Drainage zwischen Hügel und Mauer dafür sorgen sollte, dass der vorgesetzte Mauerzug nicht vorzeitig schadhaft wurde.
  6. Vgl. dazu die Befunde von der Burg Hauenstein Rosmanitz et al. 2019 und der Burg Mole Rosmanitz 2012
  7. Hefner und Wolf 1850; Schmitt-Böhringer 2008
  8. Friedrich et al. 1993