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Der Gruppe der Zieglerware sind neben Hohl- und Flachziegeln vor allem Bodenfliesen zuzuordnen. Die rechteckigen, an ihrer Oberseite reliefverzierten Keramikplatten mit Blütenmuster und Viertelkreis stammen aus der Verfüllung des Prioratshauses (Schnitt 1). Weitere Fragmente wurden in den Auffüllungen nördlich der nördlichen Umfassungsmauer in Schnitt 3, in den oberen Schichten von Schnitt 4, in den Verschüttungen in Schnitt 6, in Schnitt 14 (Kirche) sowie in Schnitt 25 (Sakristei) geborgen. Wie die Grabungen zeigten, lassen sich sämtliche Fliesen dem in Periode 7 (Übergang von Kloster zu Priorat im Jahr 1439) verlegten Fliesenboden der Kirche zuweisen.
In dieser Umbauphase gab es große bauliche Änderungen im Bereich der Kirche: Der Friedhof wurde aufgelassen. An seiner Stelle wurde die Sakristei aufgeführt. Dazu wurde der Chorbereich nach Osten erweitert und im Nordosten durch einen Treppenturm ergänzt. Das Kirchenschiff und auch die Sakristei wurden flächig mit den rechteckigen, an ihrer Oberseite reliefverzierten, keramischen Platten gefliest.
Solche Fußbodenbeläge sind für Amorbach nicht neu. Die Tradition der Bodenfliese ist für das Kloster Amorbach bereits für die 1230er Jahre belegt.1 In Entsprechung zu den Klöstern in Lorsch2 und Bebenhausen ist mit einer Produktion vor Ort zu rechnen. In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts dürfte die nahe gelegene Wildenburg mit Produkten der Amorbacher Fliesenfertigung beliefert worden sein.3 Bereits 1993 werden Fliesenfragmente vom Gotthardsberg publiziert. Eleonore Landgraf weist diese aufgrund der ihr bekannten Baugeschichte der Mitte des 13. Jahrhunderts zu.4 Aus der Bauabfolge, die über die Grabungen 2010-12 und 2021 dort erschlossen werden konnten, ergibt sich ein deutlich späterer Datierungsansatz.
Im Vergleich zu den im Tal zu Tage geförderten Fliesen sind diejenigen vom Gotthardsberg wesentlich schlichter ausgebildet. Vor allem sind sie deutlich jünger. Sie waren mit Blütenmuster und Viertelkreis verziert und an ihren Schmalseiten leicht nach unten einziehend abgeschrägt. Ihre Unterseite ist mit feinem Quarzsand gesandet. Die auf einem dicken Ziegelestrich aufgelegten Fliesen greifen in ihrem Dekor auf romanische Vorbilder zurück. In Entsprechung zu den romanischen Arkaden des Langhauses knüpften die Bauherren nach 1439 mit dem Fußbodenbelag in der Kirche ganz bewusst an eine längst unmodern gewordene, ortsgebundene Tradition an.
Die Kirche verlor durch Blitzeinschläge in den Jahren 1698 und 1714 ihr Dach. Stehen blieben nur die Außenwände und die Arkaden des Mittelschiffs.5 Im 18. Jahrhundert wurde sie ihrer noch wiederverwertbaren Bauteile beraubt, unter anderem wurde der dekorierte Fliesenboden ausgebrochen (Schnitt 14) und als Schutt zum Auffüllen des Erdgeschosses des Prioratshauses (Schnitt 1) sowie zum Anböschen des Plateaus westlich der Kirche (Schnitt 10 bis 12) genutzt.
Etwas größer dimensionierte, glatte Bodenfliesen lassen sich einem Fußboden des schmalen Hauses, der rückgebauten Infirmerie, südlich der nördlichen Umfassungsmauer (Schnitt 3) auch dem 15. Jahrhundert zuweisen.
- Im französischen Guédelon fertigte man im Jahre 2013 Bodenfliesen in mittelalterlicher Manier.
Harald Rosmanitz, Partenstein 2025
Literaturverzeichnis:
Hildenbrand, Friedrich Johann (1892): Die Gotthard-Ruine bei Amorbach in Franken. Amorbach.
Kotlewski, Tina (Hg.) (2017): Aus Ton und Sand. Mönch und Nonne, Fabelwesen. Baukeramik im Kloster Lorsch. 1. Auflage. Lorsch: Kloster Lorsch.
Landgraf, Eleonore (1993): Ornamentierte Bodenfliesen des Mittelalters in Süd- und Westdeutschland 1150 – 1550. 3 Bände. Stuttgart: Theiss (Forschungen und Berichte der Archäologie des Mittelalters in Baden-Württemberg, 14,1).








