Die Gemarkung Partenstein ist zu fast 60% mit Wald bedeckt. Der Waldanteil ist deutlich höher als im Durchschnitt für Unterfranken (40%). Wie die Karte der Bodendenkmäler in Unterfranken des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege deutlich erkennen lässt, sind in Waldgebieten gegenüber Feldlagen und zum Teil sogar gegenüber Ortslagen signifikant weniger Bodendenkmäler bekannt bzw. erfasst. So sind auch für die Gemarkung Partenstein und deren nächste Umgebung nur wenige Bodendenkmäler ausgewiesen: die Burgruine Bartenstein, einige Standorte ehemaliger Glashütten im Reichengrund und – bereits außerhalb des Gemarkungsgebietes gelegen – eine ehemalige Wall-Graben-Anlage auf dem Auberg.

Zusätzlich zu den bekannten und amtlich erfassten Bodendenkmälern finden sich in vielen Waldgebieten, die früher ja zumeist unbewaldet, bewirtschaftet und teilweise sogar besiedelt waren, mit den sogenannten „Kulturhistorischen Landschaftselementen“ noch andere Spuren der Geschichte im Relief des Waldbodens, auch in der Gemarkung Partenstein. Mit dem seit einigen Jahren landesweit verfügbaren Digitalen Geländemodell DGM1 der Bayerischen Vermessungsverwaltung, einem regelmäßigen Punktgitter von 1-m-Gitterweite mit den Lagekoordinaten und der Geländehöhe jedes einzelnen Gitterpunktes, können diese jetzt sichtbar gemacht werden.

Das Archäologische Spessartprojekt und der Geschichts- und Burgverein Partenstein haben deshalb für nahezu das gesamte Gemarkungsgebiet von Partenstein diese DGM1-Daten erworben, um evtl. noch nicht bekannte kulturgeschichtlich relevante Spuren in den Wäldern der Gemarkung ausfindig zu machen.

Grundlage des Digitalen Geländemodells sind Daten, die mit dem Messverfahren „Airborne Laserscanning“ (ALS) bei einer Befliegung des betreffenden Gebietes gewonnen werden. ALS ist seit etwa zwei Jahrzehnten für zivile Anwendungen verfügbar und wird in Bayern bereits seit 1996 für die Herstellung Digitaler Geländemodelle eingesetzt. Dabei wird zunächst die gesamte topographische Situation der Landschaft mit Gebäuden, Bäumen und sonstigen Objekten auf der Geländeoberfläche detailliert dreidimensional aufgenommen. Die große Bedeutung von ALS gerade für Waldgebiete besteht darin, dass mit diesem Messverfahren auch die Geländeoberfläche unter dem Dach der Baumkronen erfasst werden kann. Aus den Daten werden dazu mit aufwändigen mathematischen Methoden diejenigen Messpunkte selektiert („gefiltert“), die auf der Geländeoberfläche liegen. Zu verfahrensbedingten Lücken in den gemessenen Geländepunkten, z. B. unter Gebäuden oder unter sehr dichter Vegetation, werden anschließend die Geländehöhen aus den umgebenden gemessenen Punkten berechnet (interpoliert). Die Abbildungen zum Schlossberg veranschaulichen die Bearbeitungsschritte vom Ergebnis der Laserscanner-Befliegung bis hin zu einem lückenlosen Digitalen Geländemodell.

Die ALS-Messtechnik wird ständig weiter entwickelt. Bei der Befliegung 2005 ist das Gelände noch mit einer Dichte von durchschnittlich nur 1 Messpunkt/m² erfasst worden. Im Frühjahr 2014 hat eine erneute Laserscannerbefliegung des Spessarts mit einer Dichte von bereits durchschnittlich 9 Messpunkten/m² stattgefunden. Im Zeitraum zwischen beiden Befliegungen sind das Geländeplateau rund um die Burgruine planiert und deren Mauern teilweise rekonstruiert worden. Die Visualisierungen der aus den jeweiligen Laserscanner-Befliegungen abgeleiteten Digitalen Geländemodelle zeigen somit die örtliche Geländesituation vor und nach diesen Maßnahmen. Wegen der größeren Messungsdichte der Laserscanner-Befliegung 2014 ist die Visualisierung des aktuellen Digitalen Geländemodells entsprechend detaillierter.

Bei einer systematischen Durchmusterung der Waldflächen in der Gemarkung Partenstein werden über die o. g. Bodendenkmäler hinaus weitere Spuren im Geländerelief sichtbar, die direkt von Menschenhand geschaffen worden oder indirekt durch menschliches Wirken entstanden sind. Dabei handelt es sich zumeist um sogenannte „kulturhistorische Landschaftselemente“. Sie zeugen von früheren Bedingungen des Lebens und Arbeitens. Die folgenden Beispiele zeigen eine Auswahl. Für jeden Gebietsausschnitt ist die Visualisierung des Digitalen Geländemodells struktur- bzw. objektbezogen optimiert und diesem der identische Luftbild-Ausschnitt gegenübergestellt worden. Die Karte zeigt die Lage des Gebietsausschnitts in der Gemarkung. Alle Gebietsausschnitte sind 500m x 500m groß. Viele der gefundenen Objekte bzw. Strukturen können bereits anhand der Visualisierungen eindeutig interpretiert werden, bei manchen ist dies erst nach einem Ortsvergleich sicher möglich; mitunter helfen jedoch erst zusätzliche Informationen aus anderen Quellen oder ergänzende Untersuchungen vor Ort weiter.

Die verschiedenen Beispiele zeigen anschaulich, dass mit dem Messverfahren „Airborne Laserscanning“ und einer geeigneten Visualisierung des aus den ALS-Daten abgeleiteten Digitalen Geländemodells ein Blick durch die Baumkronen hindurch auf den Waldboden mit all seinen Kleinformen möglich wird. Und insbesondere die Beispiele „Hohlwege“ und „Meilerplätze“ belegen, dass sich großräumige Zusammenhänge so – zum Teil erstmalig – auf einfache Weise erfassen, dokumentieren und analysieren lassen.


© Karl-Heinz Gertloff, Egelsbach 2016