Über die umfangreichen Funde von Armbrustbolzen auf dem Kugelberg bei Goldbach lässt sich – ähnlich wie durch das Vorhandensein von Hirschgeweihfragmenten – die Ausübung herrschaftlicher Jagdrechte nachweisen. Aus dem Fundgut lassen sich insgesamt vier unterschiedliche Formen von Armbrustbolzen unterscheiden. Ihre Verteilung erfolgte vergleichsweise gleichmäßig über die gesamten Schnitte. Schnitt 1 B stellte insofern eine Besonderheit dar, da nur dort zwei Typen ergraben werden konnten.

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Die Prellarmbrustspitze, auch als Bolzen oder Stumpfkopfspitze bezeichnet, sollte die Unversehrtheit des von diesem Flugkörper Getroffenen garantieren. Sie wurde zu Übungs- oder Jagdzwecken benutzt. Bälge von Vögeln und Kleinwild ließen sich damit bei der Bejagung unversehrt beibehalten. Für das 15. Jahrhundert ist der Einsatz der Prellpfeilspitze für die Hasenjagd belegt.

Armbrustbolzen mit viereckigem Blattquerschnitt werden auch als Bolzen bezeichnet. Ihr Formtyp entspricht eher dem Armbrustgebrauch. Wegen ihrer geringen Größe und dem dadurch bedingten Gewicht können sie auch mit dem Langbogen verschossen worden sein. Die massiv gearbeitete Spitze geht dabei in eine runde Tülle über.

Der Armbrustbolzen (?) mit rhombischen Blattquerschnitt  ist eine für den Spessart bisher singuläre Erscheinung. Der pfriemartige Bolzen ist massiv gearbeitet und hat an ihrem hinteren Ende einen Schaftdorn. Sie ist in Osteuropa, vor allem für Ungarn, Tschechien, der Slowakei und Polen ab dem 11. Jahrhundert geläufig.

Eindeutig einer Armbrust zuzuweisen sind Geschossbolzen mit Widerhaken. Die mit ausgreifenden Widerhaken versehenen Geschossspitzen wurden bis ins 15. Jahrhundert für die Jagd, primär die Wildschweinjagd verwendet. Die Spitzen waren so gearbeitet, dass sie im Körper des Tieres steckenblieben und die Flucht erschwerten. Die Unterschiede zwischen den Geschossbolzen und den bärtigen Pfeilspitzen sind marginal. Einen Hinweis auf die Zuordnung gibt der Tüllendurchmesser.

Weiterführende Literatur:

Robert Koch, Pfeileisen vom Burgstall im Guttenberger Forst, in: Das archäologische Jahr in Bayern 1983 (1984), S. 159–162;
Carsten Rau, Europäische Pfeilspitzen und Armbrustbolzen. Von der Bronzezeit bis ins Spätmittelalter, Berlin 2017


© Harald Rosmanitz, Partenstein, 2019