Schematische Übersicht der Lage Amorbachs im Talknoten mehrerer Bäche. Karte: Jürgen Jung, Spessart-GIS

Schematische Übersicht der Lage Amorbachs im Talknoten mehrerer Bäche

Das Hauck-Areal liegt inmitten der historischen Altstadt Amorbachs, auf einem wenige Meter erhöhten Terrassensporn der Talniederung. Eingerahmt wird die Anhöhe durch die Fließgewässer Mud und Billbach, die sich nördlich von Amorbach am Fuß des Gotthardsberges vereinen.

Mit dem Morsbach, dem Ottersbach und dem Weilbach streben in der Umgebung Amorbachs weitere Gewässer dem Vorflutersystem der Mud zu, so dass man zurecht von einem Talknoten bei Amorbach sprechen kann. Bei genauerer Analyse des Fließgewässersystems erkennt man verschiedene geologische Vorzugsrichtungen in der Ausrichtung der Gewässer bzw. der Täler. Im Wesentlichen folgt die Mud (Mudau) und auch der Ottersbach der rheinischen Richtung. In kurzem Abschnitt nördlich von Amorbach orientiert sich die Mud herzhynisch. Östlich von Amorbach folgt der Billingsbach und im weiteren Verlauf der Morsbach diese Ausrichtung, so auch der bei der Ortschaft Weilbach in die Mud fließende Ohrnbach. Das Gewässer Weilbach, nördlich des Gotthardsberges, folgt im Wesentlichen der erzgebirgischen Richtung. Die Vermutung liegt nahe, dass die Gewässersysteme in der Umgebung Amorbachs in besonderer Weise Schwächezonen des Untergrundes in Form von Störungen und Klüftungen nachzeichnen.

Bis auf diese Hinweise auf das tektonische Inventar ist das Gebiet um Amorbach eher gering tektonisch geprägt – es sind kaum Störungen in der Umgebung nachweisbar. Die Analyse der Geologischen Karte belegt eine sehr ruhige Schichtlagerung der Schichten des Buntsandsteines. Die Schichtgrenzen des Unteren und Mittleren Buntsandsteins treten an den Unterhängen in einheitlichen Niveaus um 200m ü. NN zu Tage. Die Grenze Mittlerer und Oberer Buntsandstein liegt etwa im Niveau der 400 m-Isohypse im Bereich der Oberhänge der Erhebungen. Man kann von einer mehr oder minder söhligen Schichtlagerung des Sandsteins ausgehen. Die einheitliche Gipfelflur, bzw. das Niveau der Hochflächen der angrenzenden Höhen ist nur vordergründig ein Hinweis für die söhlige Schichtlagerung. Zwar enthalten der obere Buntsandstein mechanisch harte Gesteinsschichten, etwa den Plattensandstein (Steinbruch bei Neudorf), die eine Anpassung der Landoberfläche an die Gesteinsstruktur suggerieren. Neben harten Gesteinsbänken sind aber auch mit den Tonsteinfolgen der unteren und oberen Röttonsteine mechanisch weiche Sedimente im oberen Buntsandstein eingeschaltet.

Gerade die Tonsteine besitzen aufgrund ihrer geringen Permeabilität eine große Bedeutung für die Landschaftsentwicklung der Mittelgebirgsregion1. Die unter tropischen Verhältnissen des Tertiärs wirksame chemische Verwitterung ist in besonderer Weise an das Medium Wasser gebunden. Es ist daher nicht verwunderlich, dass die Verwitterungs- und Abtragungsprozesse des Tertiärs insbesondere Tonsteinserien, wie die Röttonsteine in Wert setzten. Die ausgedehnten Hochflächen müssen demnach als Rumpfflächen interpretiert werden, die charakteristisch für die tertiäre Landoberfläche sind. Beleg für diese These sind unter anderem die bei der nördlich von Amorbach bei Vielbrunn nachgewiesenen „Pliocäner Thon und Sand“ sowie „Pliocänthon auf Buntsandstein“2. Auch in der Tongrube Vierstöck westlich von Michelstadt wurden Beweise für die tertiäre Verwitterung in den gleichen Gesteinsschichten gefunden3.

In diese ursprünglich zusammenhängende Hochfläche aus Sedimentgesteinen des Buntsandsteins haben sich schließlich im Laufe des ausgehenden Tertiärs und insbesondere im Eiszeitalter die Gewässer eingetieft und breite Talgefäße geschaffen. Der Eintiefungsprozess war unterstützt von großräumigen Hebungen des Gebietes. Heute liegen die Hochflächen rund 250m höher als die Talniederungen. Hier lagern im Untergrund die Sedimente der Esizeit, im Wesentlichen Schotter, Kiese und Sande. Überdeckt werden die fluviaen sandigen Substrate zum Teil von lößartigen Substraten. Vermutlich sind diese als Hochflutlehme, also als die im Zuge von Hochwässern angeschwemmten Abtragungsprodukte der Hochflächen anzusehen. Dort lagern Lösse als äolische Sedimente teils in größeren Mächtigkeiten. Die fruchtbaren Braunerden aus Löß und deren günstigen, ackerbaulichen Nutzungsmöglichkeiten zeichnen sich vermutlich für die Gründung von Siedlung auf den Hochflächen (Neudorf, Beuchen, Mainbullau) verantwortlich. Auch die im Bereich des Stadtgebietes von Amorbach verbreiteten Lösse gehen auf die fluvial Verlagerung von ursprünglich hochgelegenen Lößvorkommen zurück und sind demnach keine autochthonen Ablagerungen. Ebenfalls dem Eiszeitalter zugehörig sind die als „Fließerden“ eingetragenen solifluidalen Verlagerungen. In Dellen wie am Beuchener Berg, südlich des Denkmals an der Straße nach Beuchen, erreichen die Fließerden kartierwürdige Mächtigkeiten. Am Unterhang kommt es zu Verzahnungen der solifluidalen und fluvialen Substrate, wobei kantige Sandsteinblöcke die solifluidale, gerundete Sandsteine die fluviale Verlagerung belegen. Die zuletzt genannten quartären Sedimente in Form von Fließerden, Terassenschottern und Lössen bilden den geologischen Untergrund des Altstadtgebietes von Amorbach4.

Weiterführende Literatur:

Eduard  Hartmann, Mattheus Schuster, Blatt Miltenberg-Süd. Geologische Karte von Bayern 151, München 1936.
Jürgen Jung, GIS-gestützte Rekonstruktion der neogenen Reliefentwicklung tektonisch beeinflusster Mittelgebirgslandschaften am Beispiel des Spessarts (NW-Bayern, SE-Hessen). – Diss. Univ. Würzburg, Würzburg 2006. Online verfügbar.
C. Vogel, Geologische Specialkarte des Grossherzogthums Hessen und der angrenzenden Landesgebiete. Im Maßstabe 1:50000, Darmstadt 1855-1872.


Jürgen Jung, Kleinwallstadt 2012


  1. Jung 2006
  2. Vogel 1855-1872
  3. Jung 2006
  4. Hartmann/Schuster 1936