Bei der hochwertigen Aussattung spätgotischer Stuben in Burgen und Patrizierhäusern bildete das Lüsterweibchen das i-Tüpfelchen. Diese aufwendige Variante eines Kronleuchters ist in zahlreichen Varianten für das gesamte 15. und 16. Jahrhundert belegt. Im Historismus kamen solche Deckenleuchten, die der Gruppe der Geweihleuchter zuzuweisen sind,  wieder kurzzeitig in Mode. Das Lüsterweibchen besteht aus der geschnitzen, farbig gefassten Büste eines etwa halblebensgroßen Frauenkörpers, der in ein mehrendiges Geweih ausläuft. Von dem Geweihmöbel gehen seitlich mehrere eiserne Kerzenhalter ab. Aufgrund seiner Kompaktheit ist es unbedingt notwendig, das Ganze mit einer massiven Kettenkonstruktion an der Decke zu befestigen.

Das bislang älteste erhaltene Lüsterweibchen wurde im Jahre 1392  der Marienkirche in Lemgo gestiftet. Etwa zur selben Zeit dürfte auch ein entsprechender Leuchter auf der Burg Hauenstein gehangen haben. Das Lüsterweibchen vereint hochwertige Holzschnittkunst mit einer für Kenner aufsehenerregenden Jagdtrophäe.

Das archäologsche Artefakt von der Burg Hauenstein nimmt sich im Vergleich mit unversehrt erhaltenen, spätgotischen Lüsterweibchen auffallend bescheiden aus. Lediglich die eiserne Hängevorrichtung sowie die seitlich abgehenden, ebenfalls eisernen Kerzenhalter haben das Schadfeuer von 1405 überstanden. Die hölzerne Büste ist ebenso vergangen wie das einst mächtige Geweih. Das mit letzterem auch in Hauenstein zu rechnen ist, darauf verweisen zahlreiche kalzinierte Geweihfragmente.