Neue Pracht in alten Räumen – Die Ofenkacheln aus Badersgasse 4 in Wiesenbronn

Vortrag von Dr. Harald Rosmanitz

Dienstag, 3. Februar 2026 um 19:00 Uhr

im Schützenhaus, Schießplatzstraße 8 (Sportgelände) in 97355 Wiesenbronn

Die Veranstaltung ist ein Gemeinschaftsprojekt des Fördervereins ehemalige Synagoge Wiesenbronn e. V. und des Archäologischen Spessartprojekts e. V.

Der Eintritt ist frei.

 

Der Wohlstand von Wiesenbronn bis ins 16. Jahrhundert hinein ist heute im Ortsbild nur schwer auszumachen. Wird der Fokus auf die verzierte Ofenkeramik gelegt, bietet sich ein ganz anderes Bild. Frei nach dem Motto „Man gönnt sich ja sonst nichts“ statteten die Bewohner ihre Räumlichkeiten seit der Spätgotik mit allerlei Luxus aus. Kriege und der Zahn der Zeit haben das meiste aus jenen Epochen unwiederbringlich zerstört. Dennoch geben uns die Reste von Ofenkacheln, die bei Grabungen in der Badersgasse 4 zu Tage gefördert wurden, eine ziemlich genaue Vorstellung davon, wie prächtig die einstige Innenausstattung war.

Im Rahmen eines Forschungsprojekts des Archäologischen Spessartprojekts e. V. – Unterfränkisches Institut für Kulturlandschaftsforschung an der Universität Würzburg, konnten im Dezember 2010 und im Sommer 2025 die Kachelbruchstücke dort erfasst und in ein umfassendes Archiv süd- und südwestdeutscher Ofenkeramiken eingebunden werden.

 

Fragment einer Halbzylinderkachel mit geschlossenem Vorsatzblatt mit Samson als Löwenbezwinger, um 1480, H. 17,0 cm

 

Die 135 Fragmente verraten uns bei genauerer Betrachtung eine Vielzahl von Geheimnissen. Sie bauen eine Brücke in die Bilderwelt und das Denken unserer Ahnen. Die Motive und das Design der Öfen, die man sich in der auf Weinbau spezialisierten Gemeinde setzen ließ, waren topaktuell. Die Vorlagen lieferten Designer aus dem Oberrhein, aus Nürnberg und aus Frankfurt am Main.

Egal ob als Bildmotiv Kapuzenmännchen zur Wahl standen oder ob man sich den Löwenbändiger Samson nach Hause holte, in jedem Fall haben wir es mit kleinen Kunstwerken zu tun, die massenhaft von fremden und einheimischen Töpfern gefertigt wurden. Die Wiesenbronner Fragmente bilden trotz ihrer starken Zerscherbung ein einzigartiges und herausragendes Ensemble. Hier kommt auch der unmittelbare Einfluss eines weitreichenden Handelssystems zum Tragen.

Tauchen Sie mit dem Referenten ein in eine Welt der kleinen Reliefs, die uns viel Geschichte und viele Geschichten erzählen.