Neue Pracht in alten Räumen: Die spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Ofenkacheln des Klosters Lorsch

Vortrag von Harald Rosmanitz
am Freitag, den 16. Oktober 2020, 19.00 Uhr
Schaudepot Zehntscheune der UNESCO-Welterbestätte Kloster Lorsch, Nibelungenstraße 32 in 64653 Lorsch
Eine Veranstaltung der UNESCO Welterbestätte Lorsch und des Archäologischen Spessartprojekts – Unterfränkisches Institut für Kulturlandschaftsforschung an der Universität Würzburg
Der Eintritt ist frei

Der Wohlstand des Klosters Lorsch äußert sich seit Gründung der Anlage in zahlreichen, ganz unterschiedlichen Hinterlassenschaften, die in der Erde die Jahrhunderte überdauern konnten. In dem der Fokus auf die verzierte Ofenkeramik gelegt wird verschiebt sich der Schwerpunkt der Betrachtung zeitlich in die Spätgotik. Frei nach dem Moto „Man gönnt sich ja sonst nichts“ stattete man die Räumlichkeiten mit allerlei Luxus aus. Kriege und der Zahn der Zeit haben das meiste aus jenen Epochen unwiederbringlich zerstört. Dennoch geben uns die Reste von Ofenkacheln eine ziemlich genaue Vorstellung davon, wie prächtig die einstige Innenausstattung gewesen sein dürfte.

Im Rahmen eines Forschungsprojekts des Archäologischen Spessartprojekts – Unterfränkisches Institut für Kulturlandschaftsforschung an der Universität Würzburg, konnten im Frühjahr 2019 gemeinsam mit dem UNESCO-Weltkulturerbe Lorsch die in den letzten hundert Jahren ergrabenen Kachelbruchstücke und die Altbestände erfaßt und in ein umfassendes Archiv süd- und südwestdeutscher Ofenkeramiken eingebunden werden.

Die 705 Fragmente verraten uns bei genauerer Betrachtung eine Vielzahl von Geheimnissen. Sie bauen eine Brücke in die Bilderwelt und das Denken unserer Ahnen. Die Motive und das Design der Öfen, die man sich im Kloster Lorsch setzen ließ, waren topaktuell. Die Vorlagen lieferten Designer aus Dieburg und Frankfurt a. Main.

Egal ob man als Bildmotiv den unheilabwehrenden Drachen wählte oder ob man sich Wappen der aktuellen Landeshoheit in die gute Stube holte, in jedem Fall haben wir es mit kleinen Kunstwerken zu tun, die massenhaft von fremden und einheimischen Töpfern gefertigt wurden. Die Lorscher Fragmente bilden trotz ihrer starken Zerscherbung ein einzigartiges und herausragendes Ensemble. Hier zeigt sich der unmittelbare Einfluss des weitreichenden Handelssystems, welches auch in Lorsch den Alltag im spätmittelalterlichen Kloster maßgeblich bestimmt haben dürfte.

Tauchen Sie mit dem Referenten ein in eine Welt der kleinen Reliefs, die uns viel Geschichte und viele Geschichten erzählen.