Gotthardsberg und Kugelberg –

Eine archäologische Spurensuche auf zwei Burgen des 12. Jahrhunderts

Vortrag von Harald Rosmanitz
am Donnerstag, den 14. Mai 2020, 19.30 Uhr
im Pfarrsaal der katholischen Gemeinde St. Gangolf in 63916 Amorbach, Kirchplatz 2
Eine Veranstaltung des Heimat- und Geschichtsvereins Amorbach und des Archäologischen Spessartprojekts – Unterfränkisches Institut für Kulturlandschaftsforschung an der Universität Würzburg
Der Eintritt ist frei

 

Südwestlicher Abschnitt der mächtigen Ringmauer auf dem Kugelberg bei den Grabungen 2018Die Beschäftigung mit dem Kloster auf dem Gotthardsberg und der Burg auf dem Kugelberg bei Goldbach reichen schon mehrere Generationen zurück. Auf der Suche nach einer schlüssigen Erklärung, warum und vor allem wann diese Örtlichkeiten ihre größte Bedeutung hatten, schuf man Legenden und Singspiele. In Goldbach ging man sogar so weit, anderenorts einen Teil der Burg „wiederaufzubauen“.

Zu Beginn der 1930er Jahre versuchte ein arbeitsloser Elektriker auf dem Kugelberg durch Grabungen, die Ausdehnung und Funktion der Wehranlage genauer zu fassen. Danach fiel die Burg in einen Dornröschenschlaf, der erst 2018 durch die Ausgrabungen sein vorläufiges Ende fand: Archäologen und Geographen rückten der Hügelkuppe mit modernsten Techniken zu Leibe.

Längst sind noch nicht alle Daten dieser dreimonatigen Recherche ausgewertet. Bereits jetzt kristallisiert sich jedoch heraus, dass unser Blick auf die Burg auf dem Kugelberg künftig ein völlig anderer sein wird als vor den Untersuchungen. Sich überlagernde Schichten von Bauschutt und Fundstücke sprechen dafür, dass die Burg mit ihrem rechteckigen Grundriss bereits im ersten Drittel des 12. Jahrhunderts errichtet wurde. Sie zählt damit zu den ältesten Burgen im Umfeld von Aschaffenburg. Mehrere Münzen verweisen auf den Mainzer Erzbischof Adalbert I. von Saarbrücken als Initiator des Bauwerks.

Die Forschung auf dem Kugelberg ist unter anderem deshalb von größtem forschungsgeschichtlichem Wert, da sich im Fundgut zahlreiche Parallelen zum Gotthardsberg bei Amorbach/Weilbach finden lassen. Zeitgleich mit der Burg bei Goldbach stand auf dem Gotthardsberg östlich der Kirche ein steinerner Wohnturm. Die Fundstücke, die man Auf großes öffentliches Interesse stießen die Führungen zum steinernen Haus auf dem Gotthardsberg im Jahre 2011dort in der Brandschicht ergraben konnte, sprechen für einen adeligen Lebensstil auf höchstem Niveau – man denke nur an das Fragment eines Tragaltares aus grünem Porphyr. Ähnlich die Fundzusammensetzung auf dem Kugelberg: Sporen, vergoldete Schildbeschläge, silberne Münzen und jede Menge Pfeilspitzen und Armbrustbolzen sowie Hirschgeweihe sind dafür hinlängliche Indizien. Gekocht und getrunken wurde mit den gleichen Töpfen und aus den gleichen Bechern.

Der archäologische Befund vom Kugelberg und vom steinernen Haus auf dem Gotthardsberg legen nahe, dass wir bei den Bodenuntersuchungen die Überreste einer ganz ähnlich lebenden Oberschicht fassen konnten.

Im Rahmen seines Lichtbildvortrags nimmt der Referent die Zuhörer mit auf eine Reise in eine Zeit, in der am Untermain kaum eine Burg existierte. Die  Burg auf dem Kugelberg und die Bebauung des Gotthardsbergs wirkten wie Leuchttürme in der Landschaft. Zusammen zeichnen beide Anlagen eine hochmittelalterliche Lebensrealität nach, die für den Forscher in vielen Bereichen noch Überraschungen bereit hält.