Porphyr-Tagung
am 21. und 22. Oktober 2011
in Weilbach und Amorbach, Lkr. Miltenberg
Eine Veranstaltung der ArGe Gotthardsberg und des Archäologischen Spessartprojekts e. V. – Unterfränkisches Institut für Kulturlandschaftsforschung an der Universität Würzburg
Der Fund einer kleinen, grünen Steinplatte bei den Ausgrabungen des Archäologischen Spessartprojekts e.V. auf dem Gotthardsberg im Jahr 2011 schlug unerwartet hohe Wellen.
Grüner Porphyr stammt ausschließlich aus Griechenland, aus der Region des antiken Spartas, der in der Antike dort abgebaut wurde. Zum Ende des römischen Reichs verschwand das Wissen um die Lagerstätte, so dass man im Mittelalter gänzlich auf die Wiederverwendung antiken Materials angewiesen war. Der kostbare Wert des Werkstoffes rührte nicht so sehr aus den besonderen Materialeigenschaften, sondern viel mehr aus der hervorgehobenen Rolle im Wertesystem des spätrömischen Kaisertums und des byzantinischen Reiches.
Durch die beispielhafte Zusammenarbeit zwischen Archäologen, Mineralogen Geologen und Historikern gelingt es, einen Spannungsbogen zwischen Unterfranken und dem ehemaligen Römischen Reich aufzubauen.
Die sehr unterschiedlichen Beiträge berichten über die faszinierende Wechselwirkung zwischen einem auffallenden Gestein und dessen kultureller Bedeutung im Laufe von etwa 3500 Jahren.
Im direkten Nachgang wurden einige der Vorträge im Rahmen eines Sammelbandes publiziert.
Programm
| Freitag, 21. Oktober 2011 im Rathaussaal in 63937 Weilbach, Hauptstraße 59 |
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| THEMENBLOCK I: Highranking – Porphyr und das deutsche Königtum Moderation: Prof. Dr. Helmut Flachenecker |
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| 19:00 Uhr | Begrüßung durch den Bürgermeister der Gemeinde Weilbach |
| 19:10 Uhr | PD Dr. Caspar Ehlers (Frankfurt am Main/Würzburg): Der ostfränkisch-deutsche König als Bauherr |
| 19:40 Uhr | Pause |
| 20:00 Uhr | Festvortrag von Rainer Kuhn (Magdeburg): Der Magdeburger Dom aus archäologischer Sicht |
| Samstag, 22. Oktober 2011 im Pfarrsaal der katholischen Gemeinde St. Gangolf in 63916 Amorbach, Kirchplatz 2 |
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| THEMENBLOCK II. Porphyr massenhaft – Der Versuch einer Zusammenschau Moderation: Dr. Gerhard Ermischer |
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| 09:15 Uhr | Begrüßung durch den Bürgermeister der Stadt Amorbach |
| 09:30 Uhr | Dieter Barz (Alzey): Porphyr vom Schlössel bei Klingenmünster |
| 10:00 Uhr | PD Dr. Hans Losert (Bamberg): Der Porphyr aus dem Kloster Lorsch |
| 10:30 Uhr | Pause |
| 11:00 Uhr | Matthias Zirn M.A. (Halle/Saale): Porphyr aus dem Kloster Brunshausen, einem frühen Herrschaftssitz der Luidolfinger |
| 11:30 Uhr | Prof. Dr. Martin Okrusch (Würzburg): Porphyr aus Karlburg und Xanten – eine petrologische Untersuchung |
| 12:00 Uhr | Mittagspause mit Exkursion |
| Besichtigung der Ausgrabung auf dem Gotthardsberg. Führung: Christine Reichert | |
| THEMENBLOCK III: Der Porphyr vom Gotthardsberg – Anlass zur Neubewertung eines Bodendenkmals Moderation: Harald Rosmanitz |
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| 14:00 Uhr | Dr. Gerhard Ermischer (Aschaffenburg): Porphyr in der Liturgie des Mittelalters |
| 14:30 Uhr | Prof. Dr. Helmut Flachenecker (Würzburg): Historie des Gotthardsberges |
| 15:00 Uhr | Harald Rosmanitz (Partenstein): Salische Burg und staufisches Kloster – Die Neubewertung des Gotthardsberges nach den Ausgrabungen 2011 |
| 15:30 Uhr | Pause |
| 16:00 Uhr | Christine Reichert (Mainaschaff): Der Porphyr vom Gotthardsberg |
| 16:30 Uhr | Joachim Lorenz (Karlstein): Der Porphyr vom Gotthardsberg aus geologischer Sicht |
| 17:00 Uhr | Abschlussdiskussion |
Impressionen
Publikation
Das Buch „Porphyre“ wurde 2012 vom Naturwissenschaftlichen Verein Aschaffenburg e.V. und dem Archäologischen Spessartprojekt e. V. herausgegeben und als 26. Band der Mitteilungen des Naturwissenschaftlichen Museum Aschaffenburg publiziert. Es stellt eine Zusammenfassung der „Porphyre“ Tagung vom 21. und 22. Oktober 2011 in Weilbach und Amorbach dar. Darüber hinaus sind auch einige neuere wissenschaftliche Erkenntnisse eingearbeitet.
Zu Beginn der Geschichte dieses Buches steht ein kleiner grüner Stein: Der Porphyr vom Gotthardsberg. Dieser wurde bei Ausgrabungen des Archäologischen Spessartprojekts e. V. in dem ehemaligen Kloster am Gotthardsberg zwischen Weilbach und Amorbach gefunden. Die im Buch zusammengefassten Artikel zeichnen ein fachübergreifendes Bild der Verbreitung dieses Gesteins und der damit verbundenen Vernetzungen von Handels- und Transportwegen. Archäologen, Mineralogen, Geologen und Historiker besuchten die Plätze an denen das Gestein gewonnen wurde und ermöglichen so einen fundierten Überblick über die Geschichte und Bedeutung dieses Gesteins.
Ausgehen von einem vergleichsweise unauffälligen Artefakt wurde durch die Interpretation von Seiten der Geschichtsforschung und der Naturwissenschaft ein europäisches Beziehungsgeflecht geschaffen, das von Amorbach bis ins griechische Krokees reicht. Auch die vierte Dimension, die Zeit, findet Berücksichtigung, wurde dem Werkstoff doch von der Antike bis ins hohe Mittelalter größte Beachtung geschenkt.
Artikel Reichert/Rosmanitz (PDF)