Die Mainzer Johanniskirche: Ursprüngliche Kathedrale und Bestattungsort von Erzbischof Erkanbald († 1021)
Vortrag von Dr. Guido Faccani
um 19:15 Uhr
Mitten in der Stadt Mainz liegt die evangelische Johanniskirche. Hier waren zwischen 2013 und 2025 Ausgrabungen im Gange, welche den Nachweis einer zweitausendjährigen Baugeschichte erbrachten. Die Johanniskirche ist das Resultat einer baulichen Entwicklung, die in der römischen Kaiserzeit beginnt. Tiefgreifende Veränderungen in der späten ottonischen Epoche brachten eine Kirche hervor, die zu großen Teilen die heutige bildet. Da sie aber teilweise auf römischen Mauern gründet, letztere sogar über den ottonischen Boden hochstehen, ist seit der Römerzeit kein kompletter Neubau mehr hochgeführt worden.
Die heute evangelische Gemeindekirche war die ursprüngliche Kathedrale der Stadt und dem hl. Martin geweiht. 1036 verlor sie ihre Funktion anlässlich der Weihe des benachbarten heutigen Doms. Noch vor 1036 krönten die Mainzer Erzbischöfe Willigis und Aribo in Alt-St. Martin die Könige Heinrich II. und Konrad II. Aber nur einmal diente der alte Dom als Begräbnisstelle für einen Erzbischof: Die Ausgrabungen förderten auf der Mittelachse direkt vor dem Ostchor an prominentem Platz einen Sarkophag zutage. Im wiederverwendeten steinernen Sarkophag war Erkanbald bestattet: Der erste Mainzer Erzbischof, der sich 1021 in der Bischofskirche bestatten ließ, und der einzige, der in der ursprünglichen Kathedrale seine letzte Ruhestätte fand. Die Erforschung des erzbischöflichen Grabes soll zentrales Thema der Ausführungen sein. Die Kirche sowie die Lage der Bestattung darin werden ebenso vorgestellt wie der Sarkophag und die liturgische Gewandung des Bestatteten. Ein Ausblick auf das Weiterbestehen des Grabes bis ins 18. Jahrhundert rundet die Darstellung dieser außerordentlichen Befunde ab.
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