Wie alt ist der Mönch im Teich?
Bereits vor der Ausgrabung wurde bei der Auswertung alter Karten und des digitalen Geländemodells ersichtlich, dass der Burg nach Nordosten hin höhenversetzt drei Teiche beigeordnet waren. Die Teiche finden auch anlässlich der Erstbeschreibung der Anlage in den Kunstdenkmälern aus dem Jahre 1916 Erwähnung.1
Anlässlich eines flutartigen Starkregens, der etwa ein halbes Jahr vor Grabungsbeginn für große Schäden gesorgt hatte, hatten sich in die die Burg beidseitig umfließenden Bäche bis zu zwei Meter tiefe Runsen eingegraben. So wurde auch die ursprüngliche Stauwehr des untersten der drei Teiche durch das Starkregenereignis massiv in Mitleidenschaft gezogen. Dort waren Teile einer hölzernen Konstruktion freigelegt worden. Da die Hölzer aufgrund ihres Trockenfallens in absehbarer Zeit verschwinden, wurden sie mit Anlage eines kleineren Schnittes am Ende der Grabungskampagne vollständig freigelegt und in situ dokumentiert.
Der Befund kann als der erhaltene, wallseitige Teil eines ursprünglich rechteckigen, hölzernen Kastens angesprochen werden. Erhalten hatten sich zwei bearbeitete, gleichartige Holzbalken sowie zwei schmale Zapfen, die mit einem der Balken verbunden waren. Die Hölzer befanden sich noch im Verbund. Sie waren von sehr wasserhaltigem Auesediment umgeben. Bei der Konstruktion kann davon ausgegangen werden, dass es sich um die Reste eines sogenannten Mönchs handelt, der am unteren Ende des Teiches für diesen zuständig war. Damit entspräche der Befund vom Teich bei der Burg Hauenstein dem Deichelleitungsende im Graben der Burg Mole bei Heimbuchenthal2 und dem gedeckten, steinernen Kanal im Teich des Klosters Elisabethenzell3 kann. Mit dem hölzernen Schacht war es möglich, den Wasserstand des Teiches zu regulieren.
Der außergewöhnlich gute Erhaltungszustand der Hölzer legte anfangs die Vermutung nahe, dass das Holz mit aller Vorsicht von der Nutzung des Hofgutes Hauenstein stammt, also in die erste Hälfte des 19. Jahrhundert zu datieren ist. Eine bereits mittelalterliche Nutzung des Teichs lässt sich geoarchäologisch fassen.4 Um sich in der Sache Klarheit zu verschaffen, schien es dringend angeraten, dieser Vermutung mithilfe einer dendrochronologischen Beprobung nachzuspüren.
Die dendrochronologische Datierung beruht auf dem spezifischen, jährlichen Wachstum von Baumringen. Über die Jahre hinweg ergibt sich daraus ein typisches Muster im Holz. Über lange Vergleichsreihen ist es möglich, Holz zu datieren. Um zuverlässige Daten zu gewinnen, müssen die Hölzer mindestens 30 Jahrringe aufweisen. Ist das Holz bis zur Rinde erhalten, so gibt der letzte Jahrring tatsächlich das genaue Jahr, ggf. sogar die Jahreshälfte der eigentlichen Fällung an. Fehlt die Waldkante, so ist meist eine Schätzung der fehlenden Jahrringe möglich, insofern Splintholz (junges, aktives Holz) vorhanden ist. Ist auch dies nicht der Fall, ergibt sich lediglich ein terminus post quem.
Im Fall der Hauenstein wurden 2025 zwei Balkenabschnitte untersucht.5 Dabei konnten zwei Eichen bestimmt werden, die von zwei ähnlich dimensionierten Balken stammen (16 x 13 cm bzw. 15 x 14 cm), aber grundsätzlich unterschiedlich sind. Der erste Balken wurde aus einem geviertelten Stamm herausgearbeitet. Der Balken wurde offensichtlich zweitverwendet, da nahezu mittig ein Zapfenloch durch den Balken verläuft. Das heißt, dass von beiden Seiten Riegel eingezapft waren, die an jeder Seite mit einem Holznagel befestigt wurden. An ihm waren insgesamt 93 messbare Jahrringe vorhanden. Der zweite Balken wurde zentral aus einem Baum gearbeitet, da er eine zentrale Markröhre besitzt und an allen Außenseiten Splintholz vorhanden ist. Hier konnten 42 Jahrringe inklusive 6-8 Splintholzjahrringe gemessen werden. Aufgrund dieser relativ geringen Anzahl war eine Datierung nicht möglich.
Das Ergebnis der ersten Probe konnte leider nicht eindeutig datiert werden, sondern es kommen zwei mögliche Synchronlagen infrage. Trotz der hohen Jahrringanzahl und mehrfacher Messung (mit und ohne den verformten Splint) konnte eine eindeutige Datierungslage nicht festgestellt werden. Die höchste Wahrscheinlichkeit wäre Winterfällung 1269/70. Auf Platz 2 wäre der Winter 1797/98 in Betracht zu ziehen.
Durch das überraschende Ergebnis der möglichen frühen Datierung in das 13. Jahrhundert erschien es angebracht, die Probe mittels einer C-14 Messung kalibrieren zu lassen.6 Diese Datierung ermöglicht allerdings meist keine Jahrgenaue Einstufung, sondern einen Zeitraum. Sollte bei der C-14 Analyse herauskommen, dass das Holz aus dem 13. Jahrhundert stammt, dann wurde die Eiche im Winter 1269/70 gefällt. Falls das 18./19. Jahrhundert ermittelt werden sollte, wurde der Baum 1797/98 geschlagen.
Die Radiocarbonmethode beruht auf der kontinuierlichen Entstehung des stabilen Kohlenstoff-Isotops 14C in der Atmosphäre. Dieses 14C wird von lebenden Organismen aufgenommen und in ihre Körper eingebaut. Mit dem Tod wird das zerfallende 14C nicht mehr ersetzt, so dass sein Anteil abnimmt. Da man inzwischen die Schwankungen des 14C-Gehalts in der Atmosphäre recht gut einschätzen kann, ist es möglich, zurückzurechnen, wann die Zufuhr endete. Somit lässt sich der „Todeszeitpunkt“ der betreffenden Materie recht genau bestimmen.
Die Radiocarbon-Datierung der Hauenstein-Probe ergab mit einer Wahrscheinlichkeit von 95% die Jahresspanne 1641 – 1795. In Verschneidung mit den Dendrodaten ist eine Datierung ins 13. Jahrhundert somit auszuschließen und von einem eindeutigen Fälldatum des Baumes im Winterhalbjahr 1797/98 auszugehen.
© Christine Reichert und Harald Rosmanitz, Partenstein 2025
Literaturverzeichnis
Gröber, Karl; Karlinger, Hans (Hg.) (1916): Die Kunstdenkmäler von Unterfranken und Aschaffenburg. Bezirksamt Alzenau. München.
Rosmanitz, Harald (2012): Heimbuchenthal, Lkr. Aschaffenburg, Burgstall Mole. Maßnahmen-Nr. M-2008-168-1 und -2. Archäologische Untersuchungen, Mai bis Juli 2008 und Mai bis Juli 2009. (masch. Manuskript). Partenstein.
Rosmanitz, Harald; Bachmann, Sabrina; Geißlinger, Michael (2019): Krombach, Lkr. Aschaffenburg, Burg Hauenstein, Maßnahmen-Nr. M-2017-1232-1_0. Archäologische Untersuchung, August bis November 2017. (masch. Manuskript). Partenstein.
Rosmanitz, Harald; Wrobel, Kathrin (2013): Archäologie an der Straße. Die Ausgrabungen im Kloster Elisabethenzell bei Rieneck. In: Beiträge zur Geschichte der Stadt und des Raumes Lohr 2, S. 9–42.
- Gröber/Karlinger 1916, S. 46, Abb. 35.
- Rosmanitz 2012.
- Rosmanitz/Wrobel 2013.
- Rosmanitz et al. 2019, S. 11-30.
- Die Untersuchung wurde von Georg Brütting in Ebermannstadt vorgenommen.
- Die Analyse erfolgte durch das Curt-Engelhorn-Zentrum für Archäometrie Mannheim (Susanne Lindauer). Die Gemeinde Krombach übernahm freundlicherweise sowohl die Kosten der dendrochronologischen Untersuchung als auch diejenigen für die C14-Analyse.

