Einen wesentlichen Fundbestand stellen mit etwa 15 bis 20 Prozent des Fundguts die Ofenkeramik dar. Aus den Perioden 3 bis 9, also aus der Zeit zwischen dem ausgehenden 12. bis ins beginnenden 17. Jahrhundert, stammen annähernd 1000 Ofenkachelindividuen, die ganz unterschiedlichen Kacheltypen zuweisbar sind.

Periode 3 bis 5 (ca. 1280 bis 1330) ist bestimmt von oxidierend bzw. reduzierend gebrannten Becherkacheln mit T-förmigen Rändern und abgeschnittenen, glatten Boden. In der Periode 6 (Ende 14. Jh.) bildet die reliefverzierte, grün und gelb glasierte Nischenkachel aus Dieburg die Hauptmasse des Kachelfundguts. Der Periode 7/8 (um 1500) zuzuweisen ist ein aus polychrom glasierten Kacheln bestehender Ofen über dem Keller des Prioratshauses zu benennen. Seine Motive greifen spätgotische Kunstbestrebungen des Oberrheins auf. Ikonographisch und in Hinblick auf seine ursprüngliche Gesamtform sind Vergleiche mit ähnlichen Öfen aus der deutschsprachigen Schweiz zielführend. Dem Zeitgeschmack entsprechend stattete man im ersten Drittel des 17. Jahrhunderts (Periode 9) repräsentative Wohnräume mit Kombinationsöfen aus. Diese besaßen einen gusseisernen Feuerkasten und einen braun glasierten, keramischen Oberofen. Die Reliefs sind durchweg ornamental gestaltet und lassen sich im Sinne von Tapetendekore und Rapportmustern nahtlos aneinanderreihen, um übergeordnete Motive zu geben.

Die Kachelöfen entsprechen in ihrer Motivwahl und in ihrer Qualität den keramischen Reliefs, wie sie die Öfen in Amorbach, Miltenberg, Oberburg oder auf der Wildenburg zierten. Sie belegen darüber hinaus, dass in den Perioden 3 bis 9 für annähernd 500 Jahre die Bebauung auf dem  Gotthardsberg über beheizbare Räume verfügte und damit Sommers wie Winters bewohnt werden konnte.