Archäologie mit allen, für alle
Sämtliche Ausgrabungen, die seit 2004 unter der fachlichen Leitung des Archäologischen Spessartprojekts e.V. (ASP) durchgeführt werden, folgen einem Grundprinzip: Jeder Mensch kann an einer archäologischen Ausgrabung teilnehmen, solange er Interesse an der Thematik mitbringt. In Anlehnung an das in Großbritannien entwickelte Konzept der „offenen Grabung“ werden die Projekte unter Anleitung von archäologischem Fachpersonal zusammen mit der Zivilgesellschaft durchgeführt.
Bei den archäologischen Ausgrabungen auf dem Gotthardsberg waren bis zu 300 engagierte Ehrenamtliche beteiligt. Dabei wurden in vier mehrmonatigen Kampagnen über 10.000 Arbeitsstunden erbracht. In erster Linie ging es darum, archäologisch aktiv zu sein. Die Arbeit sollte dazu anregen, das Interesse an regionaler Geschichte zu vertiefen. Beginnend bei den Planungen, Jahre vor den eigentlichen Grabungen, über das Abstecken der Schnitte, deren Ausheben per Hand, dem Freilegen und Putzen von Befunden, der zeichnerischen und fotografischen Dokumentation, dem Finden und Reinigen von Scherben, bis hin zum Wiederverfüllen der Schnitte, der Sichtbarmachung der Mauern und der Vermittlung des ergrabenen Bodendenkmals weit nach Projektabschluss, konnten die einzelnen Arbeitsschritte aktiv begleitet werden. Mitarbeit bei Schulprojekten, Grabungsfesten und – nicht zu unterschätzen – bei der täglichen Verpflegung der Helfenden sind weitere Bestandteile solcher Aktionen.
Impressionen – Teil 1
Die Ergebnisse wurden noch während der Grabungen präsentiert. Angefangen von Führungen für Kindergartenkinder, Schulklassen oder Erwachsenengruppen bis hin zu mehreren Gotthardsbergfesten war das Interesse ungewöhnlich groß. In eigenen Schulprojekten und auch unter Einbindung von Fachstudenten aus den Universitäten Cottbus, Bamberg und Würzburg zeigt sich die breite Aufstellung des Vorhabens. Alle diese Einzelaspekte zusammen verdeutlichen den Anspruch und den Charakter der Ausgrabungen auf dem Gotthardsberg als ein breit angelegtes, zivilgesellschaftliches Projekt.
Beim Umsetzen der Idee dieser engen Zusammenarbeit mit ehrenamtlich Tätigen kam auf dem Gotthardsberg eine Besonderheit zum Tragen: Aufgrund des Grenzverlaufs über die Bergspitze hinweg war das Ganze von vorneherein als interkommunales Projekt angelegt. Neben der Stadt Amorbach und dem Markt Weilbach waren die Heimat- und Geschichtsvereine Amorbach und Weilbach-Weckbach involviert. Nach Abschluss der Grabungen wurde mit ihrer tatkräftigen Mithilfe ein Gutteil der wieder sichtbar gemachten Mauerzüge um die Gotthardskirche herum rekonstruiert.
Der Gotthardsberg in seiner jetzigen Gestalt ist ein weithin sichtbares Zeugnis der Heimatgeschichte. Zugleich kündet er von einem jahrzehntelangen, bürgerschaftlichen Engagement, das bis heute anhält.
Impressionen – Teil 2