1629

Am Türsturz des umgearbeiteten Südportals der Gotthardskirche findet sich die Jahreszahl 1629. Solche Inschriften markieren das Ende einer Umbauphase, in diesem Fall die Erneuerung von drei Türgewänden im Kirchengebäude. Das Datum überrascht, liegt es doch inmitten des Dreißigjährigen Krieges.

Der Historiker Friedrich Johann Hildebrand schreibt im Jahr 1892: „Abt Eberhard stellte 1629 1. April bis Juni 1630 die Kirche wieder her, beschenkte sie mit drei Glocken und errichtete auf der Stelle der 1525 zerstörten Zellen ein neues Gebäude. Am 22. Juni 1630 wurde die Kirche vom Weihbischof Jodokus von Würzburg eingeweiht. Im 30jährigen Kriege wurde die Probstei von den Schweden geplündert. […]“

Die dabei erwähnten Umbauarbeiten, die für eine kurze Zeit einen Teil der Klosterbebauung wiedererstehen ließen, lassen sich auch archäologisch belegen. Dazu gehörte der Neubau des 1525 niedergebrannten Prioratshauses, zumindest in reduzierter Form.

Ein wichtiges Indiz hierfür sind zeitgemäße Ofenkacheln, die anlässlich des Wiederaufbaus in dem dort aufgestellten Kombinationsofen verbaut wurden. Das gehäufte Auftreten von braunglasierten, mit Tapetendekor versehenen Blattkacheln informiert uns auch darüber, dass das Prioratshaus ganzjährig bewohnbar war. Das wirklich Teure an einem solchen Kombinationsofen waren nicht die Kacheln, sondern der aus gusseisernen Platten bestehende Unterbau, der Feuerkasten. Dieser dürfte unmittelbar nach der Aufgabe der Bebauung ausgebaut worden sein. Die Ofenkeramiken sind stilistisch in das erste Jahrzehnt des 17. Jahrhunderts zu stellen. Ein mit ganz ähnlichen Kacheln bestückter Ofen stand im neuerrichteten Schloss Johannisburg, das 1614 eingeweiht wurde.

 

 

Ab dem zweiten Drittel des 17. Jahrhunderts finden sich keine Hinweise mehr auf ein dauerhaftes Bewohnen des Bergrückens. Hierfür ist das Wiederaufflammen des Dreißigjährigen Krieges im Jahre 1635 verantwortlich zu machen. Damals wurde neben der Burg Bartenstein bei Partenstein auch die Bebauung auf dem Lufthof bei Dorfprozelten aufgelassen. Die Kirche dürfte weiterhin in Benutzung gewesen sein. Dazu wieder Hildebrand: „Als Amorbach 1659 aus der Würzburger Diöcese zur Mainzer gekommen war, wandten die Kurfürsten der Gotthardskirche besondere Aufmerksamkeit zu. So befielt Kurfürst Anselm Franz 1685 dem Abt Cölestin, Kirche, Thüren und Fenster reparieren zu lassen […]“

Die nach den Blitzeinschlägen von 1714 dachlose Kirche wurde im 18. Jahrhundert ihrer noch wiederverwertbaren Bauteile beraubt. Unter anderem wurde der dekorierte Keramikfußboden ausgebrochen.

Am Ende des 18. Jahrhunderts wurden die Liegenschaften des Gotthardsbergs anlässlich einer Reformierung des Klosters Amorbach zu gleichen Teilen an die Stadt Amorbach und an die Gemeinde Weilbach veräußert. Seither verläuft die Gemarkungsgrenze mitten durch das Kirchenschiff. Die zum Acker- und Weinbau genutzten Hänge dürften damals bereits zum Großteil bewaldet gewesen sein.

Aus den 1920er Jahren stammen mit Porzellanverschlüssen ausgestattete Mineralwasserflaschen. Sie sind die letzten Spuren des Getränkeausschanks im Kapellenbereich aus den 1920er/30er Jahren. Im Jahr 1956 wurde die Kirche wieder mit einem Dach versehen. Der entschiedenste Eingriff in die archäologische Substanz war das Planieren des Nordplateaus in den 1990er Jahren und die Anlage eines Zufahrtsweges an der Nordflanke des Gotthardsberges. Hierbei kam es zu massiven Befundeinbußen.