1439

Das Benediktinerinnenkloster auf dem Gotthardsberg bestand nicht ganz dreihundert Jahre. In dieser Zeit wurde es einmal in seiner Existenz massiv bedroht: Trotz kaiserlichen Beschlusses, nie mehr eine Burg an dieser Stelle errichten zu dürfen, ließ Konrad von Dürn im Jahr 1244 die Nonnen nach Seligenthal bei Osterburken zwangsverlegen. Danach war es ihm möglich, den Gotthardsberg wieder in eine Burg zurück zu verwandeln. Nur ein Jahr später musste er jedoch auf Intervention des Papstes hin von diesem Plan Abstand nehmen. Die Nonnen durften in ihr angestammtes Kloster zurückkehren. Teile der Güter verblieben allerdings bei Seligenthal, weshalb in den schriftlichen Quellen oftmals von einem „verarmten Kloster“ gesprochen wird. Im Archäologischen ist diese kurze Unterbrechung des Klosterlebens nicht fassbar.

Die bei den Grabungen geborgenen, hochqualitativen, teils importierten Tischgeschirre, reliefierte und glasierte Ofenkeramik und bemaltes Fensterglas spiegeln den Wohlstand wider, der zu Zeiten des Frauenklosters auf dem Berg geherrscht haben dürfte. Einem verheerenden Brand fielen in der Mitte des 14. Jahrhunderts sämtliche Wohn- und Wirtschaftsgebäude und auch die Kirche zum Opfer. Selbst dies schmälerte den hohen Lebensstandard in keiner Weise. Über diese desaströsen Zerstörungen haben sich keine archivalischen Quellen erhalten. Die Zusammensetzung des anlässlich der Feuersbrunst entstandenen Schutts, in erster Linie verziegelter Fachungslehm, zeigt, dass bis auf die Kirche sämtliche Gebäude im Aufgehenden in Fachwerktechnik errichtet waren. Die Häufung von Hohlziegeln ist Indiz dafür, dass alle Baulichkeiten über ziegelgedeckte Dächer verfügten.

Die schriftlichen Quellen sprechen eine ganz andere Sprache. Ihnen zufolge soll sich das Kloster zu Beginn des 15. Jahrhunderts in einem verwahrlosten Zustand befunden haben. Dieser wurde auf eine angeblich schlechte Haushaltsführung der Frauengemeinschaft zurückgeführt.

So kam es, dass auf dem Berg am 4. September 1439 aufgrund nachweislich falscher Behauptungen ein Besitzerwechsel vorgenommen wurde. Der Würzburger Bischof Johann II löste das Kloster auf und schlug es, einschließlich seiner Ländereien, dem Kloster in Amorbach als Priorat zu. Die gegen die Nonnen betriebene Imagekampagne ging auf:

Die Umwandlung von einem Frauenkloster in ein Priorat des Klosters Amorbach manifestiert sich in der Zusammensetzung des Fundguts. In der Zeit des Nonnenklosters fällt die Massierung von Importen, beispielsweise von Steinzeug aus dem Rheinland oder von Messingobjekten wie Fingerhüten oder Schnallen aus Nürnberg auf. Die repräsentative Ausstattung der Prioratszeit beschränkt sich auf einen reich verzierten, grünglasierten Kachelofen. Er stand in der guten Stube über dem Weinkeller des Prioratshauses. Der tonnengewölbte Keller, der noch auf das Frauenkloster zurückgehen dürfte, diente dem lukrativsten Wirtschaftszweig des Klosters, der Erzeugung von Weißwein. Dieser wurde unter dem Gütesiegel „Kölner Wein“ mit großem Gewinn bis an die Küsten von Nord- und Ostsee verhandelt. Der Wechsel in der Zusammensetzung des Fundguts unterstreicht die Vermutung, dass die Anlage nunmehr primär als Wirtschaftsbetrieb weitergeführt wurde. Für repräsentative Anlässe standen Räumlichkeiten in dem im Tal gelegenen Hauptkloster zur Verfügung.