1168
Mit der urkundlichen Nennung des Gotthardsbergs im Jahre 1168 begeben wir uns in den Dunstkreis der hohen Politik: Das Hochstift Würzburg nahm im Deutschen Reich in mehrfacher Hinsicht eine Sonderstellung ein. Es zählte zu den bedeutenden geistlichen Territorien und grenzte unmittelbar an das deutlich größere und mächtigere Erzbistum Mainz an. Auf dem Reichstag, der am 10. Juli 1168 auf der Festung Marienberg in Würzburg abgehalten wurde, bestätigte Kaiser Friedrich Barbarossa (reg. 1155 bis 1190) im Privileg der „Güldenen Freiheit“ Bischof Herold von Würzburg in seinen herzoglichen Rechten. Die Zweitschrift der berühmten Urkunde wurde mit einem goldenen Siegel versehen, woher die Bezeichnung rührte. Mit der Übertragung der Herzogswürde auf die Diözese lag auch die weltliche Gewalt in der Hand des Bischofs. Das bis dahin territorial zersplitterte Franken wurde zu einem geographisch und rechtlich geschlossenen Territorium. Der Hochstiftsbesitz umfasste in unterschiedlicher herrschaftlicher Durchdringung etwa ein Drittel des Diözesangebiets.
„… Aliud quoque castrum, Franckenberg dictum, quod adiacenti Abbatiae Ammerbach destructionem minatur, et per subreptionem inimicorum Ecclesiae Würtzburgensi poterat inferri periculum similiter destruximus et montem nullo tempore reaedificandum Ecclesiae tradidimus…“ [MGH DFI. Nr. 304]. In diesem Zitat lässt sich ein einschneidendes Ereignis auf dem Gotthardsberg auf den Tag genau fassen. Der Kaiser untersagt den Wiederaufbau der niedergelegten Burg Frankenberg. Von dieser ausgehend sei der Landfrieden gestört worden. „Die andere Burg, die Frankenberg heißt und die die angrenzende Abtei Amorbach mit Zerstörung bedroht hatte und durch die List der Feinde für die Würzburgische Kirche gefährlich werden konnte, haben Wir gleichermaßen zerstört und haben der Kirche zugestanden, daß der Berg niemals wieder bebaut werden dürfe.“ Die Bebauung musste, wie es in der deutschen Übersetzung der lateinischen Urkunde heißt, in ein Kloster umgewandelt werden.
Mit der Zerstörung der Burg wollte der Staufer vermutlich den Würzburger Bischof ebenso wie das auf Unabhängigkeit bedachte Kloster Amorbach stärken. Von wem genau diese Gefahr ausging, darüber geben die Quellen keine Auskunft.

Fotos der burgzeitlichen Baubefunde können durch Antippen der Markierungen betrachtet werden.
Die Auswirkungen dieses Beschlusses sind auch im archäologischen Befund fassbar: Die bis dahin als Umwehrung dienende Umfassungsmauer friedete weiterhin das nun als Kloster genutzte Areal ein. Die Umfassung des etwa 80 Meter langen und bis zu 50 Meter breiten Siedlungsbereichs verliert aber nach 1168 ihren Verteidigungscharakter. Sowohl im Osten als auch im Westen der Anlage befanden sich vorgelagerte Wirtschaftsbereiche. Für potentielle Feinde waren solche Stellen für einen Angriff ideal geeignet. Daher war der hier zu verortende Eingang zur burgzeitlichen Anlage von einer turmähnlichen Konstruktion flankiert. Nach Niederlegung der Burg wurde die Mauer rückgebaut, der Turm wurde fast vollständig abgetragen.
Die Kirche war bereits zu Zeiten der Burg annähernd so groß wie heute. Sie wurde von den Benediktinerinnen weiter genutzt. Andere, im archäologischen Befund fassbare Gebäude wie ein repräsentatives, palasartiges, steinernes Haus, wurden anlässlich der Umwandlung in ein Kloster ebenso niedergelegt wie die turmähnliche Konstruktion in der östlichen Umfassungsmauer.
- Taf. 1: Burgzeitliche Keramik
- Taf. 1a: Burgzeitliche Keramik
Nicht nur in den Befunden, auch im Fundgut fand diese Zeit des Umbruchs ihren Niederschlag. Ende des 12. Jahrhunderts änderte sich die Form und Fabrikation von Keramik für die Küche und für die Tafel erheblich. Meist dickwandige, grob gemagerte Kochtöpfe wurden durch reduzierend gebrannte Keramiken ersetzt. Diese sind nun deutlich dünner ausgebildet. Ihre Oberfläche weist Riefungen auf. Auch in der repräsentativen Keramik aus dem steinernen Haus lässt sich diese Trendwende ablesen: Neben hellbrennenden, großformatigen Töpfen stammt aus dem Brandschutt rötlich bemalte Feinware Pseudo-Pingsdorfer Art. Diese Warenart wurde in der Klosterzeit nicht mehr hergestellt. An ihre Stelle tritt schwarztonige, hart gebrannte Keramik. Diese dürfte in den um den Gotthardsberg gelegenen Dörfern und Städten getöpfert worden sein.



