Gottharsberg(Ge)Schichten

Bereits lange vor den archäologischen Untersuchungen haben sich Historiker mit der Geschichte des Gotthardsbergs auseinandergesetzt. Durch ungünstige oder unvollständige Urkundenerhaltung und oft nicht eindeutige Nennungen gestalten sich rein archivalische Deutungen zuweilen schwierig.

Sagen und Legenden liefern deutlich schlichter gestrickte Erklärungsmodelle: So sollen die Nonnen im Dreißigjährigen Krieg, nachdem ihr Aufenthaltsort durch ihre Kirchenglocke verraten wurde, in Fässern mit nach innen weisenden Nägeln den Berghang hinabgerollt worden sein. Dies war die Strafe dafür, dass sie nicht zum Protestantismus konvertiert waren. Zuvor hatten die Klosterfrauen, der Legende nach, ihr Gold und Silber in den unterirdischen Gewölben auf dem Gotthardsberg versteckt. In besagten Gewölben soll sich zudem der Eingang zu einem Tunnel zum (Männer)Kloster im Tal befunden haben.  Ein Zurechtbasteln der Geschichte und die ewig währende Faszination von verborgenen Schätzen schwingen in diesen Geschichten ebenso mit wie die Beschäftigung mit Anstößigem.

Die gesicherten Ergebnisse der Ausgrabungen wirken dagegen eher nüchtern. Als neu gewonnene Erkenntnisse zur Besiedelungs- und Bebauungsgeschichte des Bodendenkmals flankieren sie das historisch Bekannte, sind mit diesem jedoch nicht in allen Punkten in Übereinstimmung zu bringen.

In insgesamt vier Grabungskampagnen zwischen 2010 und 2021 wurden 22 Schnitte angelegt, in denen weit über 1000 Einzelbefunde dokumentiert wurden. Diese lassen sich elf Besiedelungs- und Bauperioden zuweisen:

Periode 1: Merowingerzeitliche Wallanlage in der ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts
Periode 2: Errichtung der Burg in der Mitte des 11. Jahrhunderts
Periode 3: Ausbau der Burganlage im zweiten Drittel des 12. Jahrhunderts
Periode 4: Umwandlung der Burg zu einem Benediktinerinnenkloster 1168
Periode 5: Brandereignis in den 1330er Jahren
Periode 6: Wiederaufbau am Ende des 14. Jahrhunderts
Periode 7: Übergang von dem Kloster zu einem Priorat im Jahr 1439
Periode 8: Zerstörung des Priorats infolge des Bauernkrieges am 4. Mai 1525
Periode 9: Renovierung der Kirche und Wiederaufbau von Teilen des Klosters im ersten Drittel des 17. Jahrhunderts
Periode 10: Gotthardsruine, eingeleitet durch den Blitzschlag von 1714
Periode 11: Ausbau einer touristischen Infrastruktur am Ende des 19. Jahrhunderts