Der Archäologe, der an einem Hügel grub, und von einer Burg herabstieg…
Die Grabungen auf der Burg Bartenstein 2016/17

 

Vortrag von Harald Rosmanitz
am 08. Mai 2019, 19.30 Uhr
 im Rathaus der Verbandsgemeinde Partenstein, Hauptstraße 24 in 97846 Partenstein
Eine Veranstaltung der Gemeinde Partenstein, des Geschichts- und Burgvereins Partenstein e.V. und des Archäologischen Spessartprojekts
Der Eintritt ist frei

 

Freilegung der nördlichen Ringmauer im Sommer 2017Am 14.07.2017 endete auf der Burg Bartenstein eine Ära. An diesem Tag bewegten die Archäologen und die ehrenamtlichen Helfer die vorläufig letzte Schaufel Erde. Das Areal hat sich seit 2003 kontinuierlich von einem grasbewachsenen Hügel zu einer weithin sichtbaren Burgruine gewandelt. Zwar gestaltet sich der Wiederaufbau der letzten freigelegten Mauerreste als deutlich komplexer als ursprünglich angenommen, doch ist absehbar, dass der Besucher schon in wenigen Jahren eine Anlage betreten kann, die gemeinsam mit der Burg Rieneck und dem Kloster Elisabethenzell beeindruckende Eckpfeiler einer geschichtsträchtigen Region bildet.

Jede Grabungskampagne für sich hatte ihre Besonderheiten. Die Freilegung des nördlichen Zwingers 2016/17 überraschte nicht nur mit unerwartet gut erhaltenem Mauerwerk: in den beiden letzten Kampagnen konnte darüber hinaus den Anfängen der Burg auf den Grund gegangen werden. So gelang der Nachweis eines hochmittelalterlichen Wohnturms. Er stand an jener Stelle, an der sich ab der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts der Mainzer Bau im Westen des von der Ringmauer eingefassten Areals befand. Zahlreiche Armbrustbolzen aus einer meterhohen Brandschicht liefern den Nachweis, dass die Inbesitznahme der Anlage durch die Herren von Hanau im Jahre 1333 nicht so friedlich verlief, wie die Urkunden erahnen lassen. Über den Ausbau der Burg und den Alltag auf dieser geben zahllose Kleinfunde Auskunft. Eine beachtliche Anzahl von ihnen konnte zwischenzeitlich restauriert werden. Die Burg fungierte damals als Verwaltungsmittelpunkt der vielen benachbarten Glashütten. Mit der Verlagerung der Glasproduktion vom Spessart hin nach Böhmen verfiel auch die Burg immer mehr. Die Auflassung der Wehranlage in den 1630er Jahren steht am Schlusspunkt dieser Entwicklung. Ihrer Steine beraubt, blieb von der einstigen Höhenburg um 1900 nur noch ein kümmerlicher Mauerstumpf obertägig sichtbar.

In dem Jahr, in dem den Grafen von Rieneck im Spessartmuseum in Lohr eine eigene Ausstellung gewidmet wird, scheint es angebracht, ihren archäologischen Spuren nachzugehen, die sie in der Kulturlandschaft des östlichen Spessarts hinterlassen haben. Der Burg Bartenstein kommt in der Expansionspolitik dieses Grafengeschlechts eine herausragende Bedeutung zu: mit dem Ausbau der Wehranlage zu einer kleinen, rechteckigen Burg wurde in Dimensionierung und Anordnung der Bauteile gleichsam eine Blaupause geschaffen, die man dann auf andere Neugründungen im Spessart konsequent übertrug. Die Burg Bartenstein fungierte damit als Impulsgeber für das Ausgreifen der Grafen von Rieneck in den westlichen Spessart.

In seinem reich bebilderten Vortrag nimmt der Referent die Zuhörer mit auf eine Reise in eine Zeit, in der die Silhouette Partensteins maßgeblich durch seine Burg bestimmt wurde. Die Ergebnisse der vierzehnjährigen Grabungen erfordern die Neuinterpretation der Schriftquellen zur Burg. Die Fundstücke zeichnen eine mittelalterliche und neuzeitliche Lebensrealität nach, die auch für den Forscher in vielen Bereichen noch Überraschungen bereit hält.