Die Geschichte der Niederungsburg „Mole“ bei Heimbuchenthal*
Von der Burg "Mole" haben sich heute obertägig keine Spuren mehr erhalten.

Von der Burg „Mole“ haben sich heute obertägig keine Spuren mehr erhalten.

Wann die „Mole“ erbaut wurde und von wem ist unklar, da es keinerlei archivalische Hinweise auf die Entstehungszeit und -umstände gibt.1 Im August des Jahres 1282 hielt sich der Mainzer Erzbischof Werner von Eppstein in Heimbuchenthal auf. Dies geht aus einer Urkunde Werners bezüglich eines Rechtsstreites zwischen dem Frankfurter Schultheißen Heinrich und dem Stiftskapitel von Frankfurt hervor, die auf den 16. August 1282 datiert und in Heimbuchenthal ausgefertigt wurde.2 Diese Urkunde ist zugleich der erste Hinweis auf die Existenz des Ortes. Daraus leitete man ab, dass sich der Erzbischof bei seinem Besuch in Heimbuchenthal auf der „Mole“ aufhielt und die Urkunde auch dort ausfertigte3, jedoch lässt die Urkunde diesen Schluss nicht zu. Durch schriftliche Quellen kann somit nicht belegt werden, dass auf dem Areal der „Mole“ zu diesem Zeitpunkt bereits eine burgartige Bebauung existierte.

Der Brandhorizont im Bereich der Grubensohle kann über Keramik ins ausgehende 13. Jahrhundert datiert werden.

Der Brandhorizont im Bereich der Grubensohle kann über Keramik ins ausgehende 13. Jahrhundert datiert werden.

Anlässlich der Grabungen 2008 konnten keine Spuren einer Bebauung des Burgstalls aus jener Zeit nachgewiesen werden.4 Dies gelang erst 2009 unmittelbar neben dem Pflaster eines Stalls zwischen Wohnturm und Ringmauer in der Nordostecke der Anlage. Die Spuren einer hölzernen Bebauung des Schwemmfächers können mit Hilfe von Keramik in Entsprechung ähnlicher Scherben vom „Alten Schloss“ in Kleinwallstadt5 in das zweite Drittel des 13. Jahrhunderts datiert werden. Von dieser, durch ein Schadensfeuer vollständig zerstörten Vorgängerbebauung haben sich nach den tiefgreifenden Neubauten des 14. Jahrhunderts allerdings nur noch wenige Spuren erhalten. Eine Interpretation dieser Befunde als hölzerne Niederungsburg in der Art der Wasserburg von Eschelbronn ist nicht möglich.6

Die „Mole“ selbst wird erstmals in einer Urkunde vom 10. Mai 1363 erwähnt. Es handelt sich hierbei um eine Verkaufsurkunde, in welcher der Besitzer der „Mole“, Rudolph von der Mulen, die Anlage an Gerhusin Frischenbeckin verkaufte.7 Am 22. Februar 1383 erwarb der Aschaffenburger Vizedom Eberhard von Vechenbach die „Mole“ samt den umliegenden Besitztümern. Irgendwann zwischen 1383 und 1423 muss die Anlage in den Besitz des Forstmeisters Henne von Gelnhausen gelangt sein, denn am 23. August 1423 verkaufte er sie an den Mainzer Erzbischof Konrad III.8 Dessen Nachfolger, Erzbischof Dietrich von Erbach, vergab die „Mole“ am 29. Dezember 1434 als Lehen an Hans von Hettersdorf. Als Gegenleistung verpflichtete sich Hans von Hettersdorf, dem Erzbischof mit drei Pferden zu dienen. Am 28. Februar 1438 wurde die Belehnung erneuert.9 Die Neubelehnung beendete eine Streitigkeit zwischen dem Erzbischof und dem Herren von Hettersdorf, in dessen Verlauf der Mainzer zuvor das Haus auf der „Mole“ abbrechen und gegen Steinheim bei Hanau bringen ließ. Nur wenige Jahre zuvor war der Erzbischof in den Besitz von Stadt und Amt Steinheim gekommen. Der Zeitpunkt der „Verlagerung“ der Burg nach Steinheim bei Hanau ist für die Interpretation der letzten Nutzungsspuren in der Anlage von wesentlicher Bedeutung.

Die Klärung des Zeitpunkts der Aufgabe der Burg gelang archäologisch mit Hilfe eines Schuttbergs westlich des Wohnturms. Er enthielt unter anderem die Überreste eines um 1400 gesetzten Nischenkachelofens, wie er auch auf der im Jahre 1399 zerstörten Burg Tannenberg bei Seeheim-Jugenheim stand. Besondere Bedeutung kommt dem Fragment einer Heiligenfigur aus Pfeifenton zu, das um 1430 im Bodenseeraum, vermutlich in Konstanz, gefertigt worden sein dürfte.10

Die Bauhölzer der Burg Mole wurden 1437/38 nach Steinheim bei Hanau verbracht. Karte:Jürgen Jung, Spessart GIS

Die Bauhölzer der Burg Mole wurden 1437/38 nach Steinheim bei Hanau verbracht. Karte:Jürgen Jung, Spessart GIS

Eine Verlagerung von Baumaterial der Mole nach Steinheim am Main, wie für das Jahr 1437/38 archivalisch bezeugt ist, dürfte sich nicht nur auf das Mobiliar bezogen haben. Diese wird auch die hölzernen Konstruktionselemente der Wohnanlage selbst betroffen haben.11 Vor dem Abtragen der Balken warf man das Ziegeldach und die mit Lehm gefüllten Gefache in den Burghof, wo sich der Bauschutt dann als jüngste burgzeitliche Schicht bis in eine Höhe von einem halben Meter auftürmte.

Im Jahre 1443 wechselte die „Mole“ abermals den Besitzer. Andreas von Karbach erwarb sie am 23. Oktober von Hans von Hettendorf. Nach seinem Tod heiratete seine Witwe Else von Aulenbach erneut und die „Mole“ ging in den Besitz ihres neuen Ehegatten Leonhard Kottwitz über. Dieser verkaufte die Anlage bis zum Jahre 1459 an Hamann Echter von Mespelbrunn. Bis zum Aussterben der männlichen Linie der Echter im 18. Jahrhundert blieb die „Mole“ im Besitz dieser Familie.12 Die „Mole“ wird in den aufgeführten und ab 1443 nachweisbaren Urkunden lediglich als Lokalität erwähnt. Weitergehende Informationen über Baumaßnahmen, Steinentnahmen oder sonstigen Aktivitäten innerhalb des Bauwerks bzw. der Ruine sind darin nicht überliefert. Leider fehlen auch Hinweise darauf, wann die an der „Mole“ vorbeifließende Elsava reguliert wurde. Der Teich nördlich des „Höllhammers“ entstand anlässlich der zweiten mittelalterlichen Bebauung des Schwemmfächers des Kirschgrabens bald nach 1330. Eine Zeichnung aus dem Jahre 1795 informiert uns darüber, dass das Gelände bereits vor mehr als zweihundert Jahren jene wesentlichen Kulturlandschaftselemente aufwies, die sich bis heute unverändert erhalten haben.13

Auf dieser Ansicht des Höllhammers aus dem frühen 19. Jahrhundert ist die Runien der "Mole" als dunkler Schatten am rechten Bildrand gerade noch zu erahnen (aus: Schunder 1995, S. 19).

Auf dieser Ansicht des Höllhammers aus dem frühen 19. Jahrhundert sind die Ruinen der „Mole“ als dunkler Schatten am rechten Bildrand gerade noch zu erahnen.

Am 6. Dezember 1794 erwarb Johann Ludwig Rexroth den der „Mole“ südlich vorgelagerten „Höllhammer“ und baute ihn als eines von mehreren benachbarten Werken zur Aufbereitung von Eisenerz, insbesondere aber von Alteisen aus. Ein Schlussstein an einem Schmelzofen auf dem Gelände des „Höllhammers“ gibt mit der Jahreszahl 1702 eine Vorstellung davon, dass die neuzeitliche Eisenveredelung bereits früher eingesetzt hatte. Bereits im Jahre 1686 hatte man die Basis für diese Nutzung vorbereitet, als Maria Ottilie, Freifrau von Ingelheim, den „ruinirten Burgsitz, die Altmühl genannt, so nicht anderst als ein alt verfallenes, … im Thal gelegenes Gemäuer ist“ mit dem Erzbischof von Mainz gegen ein Grundstück in Wintersbach tauschte.14. In der Mitte des 18. Jahrhunderts ist von einem mit einem einzigen Wasserrad betriebenen Werk die Rede, welches Stabeisen für die Schmiede und Schlosser der Gegend lieferte. Als Georg Ludwig Rexroth die Anlage übernahm, stattete er den „Höllhammer“ mit einem neuen Betriebsgebäude, drei Wasserrädern und zahlreichen weiteren Gebäuden aus. Für die Ruine „Mole“ war wichtig, dass der bislang kaum befahrene Weg zum „Höllhammer“ nun zum Transport von Vormaterial und Fertigprodukten erheblich ausgebaut und an das Straßennetz angeschlossen werden musste.15

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts scheint die „Mole“ noch in der Landschaft sichtbar gewesen zu sein. Zwei Abbildungen geben uns eine vergleichsweise gute Vorstellung vom Aussehen der letzten Reste des Baudenkmals vor seiner endgültigen Niederlegung. Eine Zeichnung aus den Anfangsjahren des 19. Jahrhunderts zeigt den von Johann Ludwig Rexroth zum Eisenhammer mit mehreren Mühlrädern ausgebauten „Höllhammer“.16 Im Hintergrund (im Westen) erkennt man noch den im Jahre 1830 abgerissenen „Höllenhof“. Rechts im Bild steht die vom Bildrand angeschnittene Ruine des Wohnturms der Burg „Mole“. Auf der Darstellung wird deutlich, dass der auch heute noch bestehende Teich mit seiner kleinen mittigen Insel bereits vor 1830 existierte. Das gesamte Elavatal muss in jener Zeit einen uns heute völlig fremden Eindruck gemacht haben, waren doch die zum Heimatenhof weisenden Hänge weitgehend unbewaldet. Die Informationen über die „Mole“ auf dem Bild sind bescheiden. Demnach hatte sich zu diesem Zeitpunkt nur noch die steinerne Ruine des Wohnturms erhalten.

Biedermeierzeitlicher Pfeifenkopf mit der Ruine des Wohnturms der Burg "Mole" (Foto: Monika Schmitter, Aschaffenburg)Die zweite Darstellung der Burgruine „Mole“, auf einem zwischen 1820 und 1830 entstandenen Pfeifenkopf, ist in vielem informativer.17 Bei leicht geänderter Perspektive (man blickt nach NO in Richtung Heimbuchenthal) erkennt man, dass die Höhen westlich der „Mole“, oberhalb eines Waldgürtels, in Richtung Heimatenhof vollständig entwaldet waren. Zusammen mit der ersten Darstellung ergibt sich daraus, dass die Ruine noch bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts den Mittelpunkt einer weitgehend offenen Landschaft bildete. Trotz der begrenzten Möglichkeiten des Porzellanmalers und des nicht planen Bilduntergrunds zeigt die Malerei auf dem porzellanenen Pfeifenkopf, dass sich der Turmstumpf in einer Mächtigkeit von mehreren Geschossen erhalten hatte. Die dunklen Flecken auf der Fassade könnten unter Vorbehalt als Schießscharten bzw. Fenster gedeutet werden.

Ein wesentlich detailreicheres Bild über die „Mole“ liefert Mangold in seiner im Jahre 1833 erschienen Beschreibung: „Unweit des Hellhammers gegen Norden findet sich in der Mitte des Thales ein altes zum Theil verfallenes, viereckiges Gemäuer von 130 Schuh Umfang, mit 5 Fuß dicken Mauern, 3 Stockwerk hoch, welches von einem mit Mauern umgebenen Hofraume und einem Wassergraben, dessen Breite nicht mehr angegeben werden kann, eingeschlossen war.“18

Zu diesem Zeitpunkt scheint das Wissen um die Entstehungs- und Nutzungszeit der „Mole“ bereits vollständig verloren gewesen zu sein denn Mangold muss zugeben, dass „über den eigentlichen Zweck dieser Gebäude (…) nichts Bestimmtes angegeben werden (kann).“.19 Er vermutete die Anlage sei von den Römern erbaut und als Stützpunkt für die Versorgung der im Odenwald stationierten Truppen genutzt worden. Mangold erwähnt zudem, dass einige Jahre vor seinem Bericht „abergläubische Menschen“20 in der „Mole“ nach Schätzen gesucht hatten. Allerdings hätten sie außer „einige[n] Bündel[n] Pfeile[n] und viele[n] Menschenknochen von ungewöhnlicher Größe“ nichts gefunden. 21

Spätestens 1851, mit dem Ausbau der nördlich des „Höllhammers“ gelegenen Straße von Heimbuchenthal nach Obernburg wurden die letzten obertägigen Reste der auf Privatgrund liegenden „Mole“ beseitigt. Die letzen Spuren des Burggrabens wurden verfüllt, der Boden eben gezogen, verdichtet und die Fläche als Weideland genutzt. Nach vorläufiger Interpretation der Grabungsbefunde von 2008/2009 dürfte die Ringmauer bereits zu Beginn des 18. Jahrhunderts anlässlich der umfassenden Sanierungsarbeiten im „Höllhammer“ abgetragen worden sein. In den 1990er Jahren schließlich, schüttete man auf die Wiese, auf welcher sich die Burg „Mole“ befindet, die Sedimente des benachbarten, südlich anschließenden Teiches. Dadurch wurde das Niveau über der Ruine nochmals um bis zu 150cm angehoben. Bis dahin lagen die Fundamente des Wohnturms keine 10cm unter der Humusoberkante und waren in trockenen Sommern deutlich als Bewuchsmerkmale zu erkennen.

Weiterführende Literatur:

Manfred Aulbach, Von den Anfängen bis ins Hohe Mittelalter, in: Karlheinz Bachmann (Hg.), Heimbuchenthaler Geschichtsbuch 1282-1982, Goldbach 1982, S. 18-50.
Harald Rosmanitz, Der Burgstall Mole in Heimbuchenthal, in: Das Archäologische Jahr in Bayern (2008), S. 161–163.
Harald Rosmanitz, Die Niederungsburg „Mole“ bei Heimbuchenthal im Spessart, in: Georg Ulrich Großmann (Hg.), Die Burg zur Zeit der Renaissance (Forschungen zu Burgen und Schlössern Bd. 13), Berlin, München 2010, S. 227–240.
Friedrich Schunder, Die Rexroth-Geschichte. Hämmern, Gießen, Bewegen 1795-1995, Lohr a. Main 1995.


*Harald Rosmanitz, Die Niederungsburg „Mole“ bei Heimbuchenthal im Spessart, in: Georg Ulrich Großmann (Hg.), Die Burg zur Zeit der Renaissance. Forschungen zu Burgen und Schlössern 13 (Berlin/München 2010), S. 227–240. Überarbeitet und ergänzt 2010 u. 2015.

  1. Eine archivalische Aufarbeitung der „Mole“ steht derzeit noch aus. Erste Ansätze finden sich bei Aulbach 1982.
  2. Böhmer, Johann F., Regesta Archiepiscoporum Maguntinensium. Regesten zur Geschichte der Mainzer Erzbischöfe von Bonifatius bis Uriel von Gemmingen 742?-1514. II. Band. Von Konrad I. bis Heinrich II. 1161-1288, hrsg. von Cornelius Will (Innsbruck 1886, S. 416, Nr. 555).
  3. Aulbach 1982, S. 32; dazu auch Pfeifer, Valentin, Spessartsagen (Aschaffenburg 1948), S. 39.
  4. Rosmanitz 2009, S. 161.
  5. Harald Rosmanitz, Burgenforschung im Spessart: das „Alte Schloss“ in Kleinwallstadt. Beiträge zur Archäologie in Unterfranken 2009. Mainfränkische Studien Band 77, Büchenbach 2009, S. 273-275.
  6. Mittelstrass, Tilmann, Eschelbronn. Entstehung, Entwicklung und Ende eines Niederadelssitzes im Kraichgau (12. bis 18. Jahrhundert) (Stuttgart 1996).
  7. Aulbach 1982, S. 32 – 33.
  8. Aulbach 1982, S. 32.
  9. Voss, Wolfgang, Dietrich von Erbach. Erzbischof von Mainz (1434-1459). Studien zur Reichs-, Kirchen- und Landespolitik sowie zu den erzbischöflichen Räten. Quellen und Abhandlungen zur mittelrheinischen Kirchengeschichte 112 (Mainz 2004), S. 30.
  10. Nagel, Brigita/Oelze, Patrick/Röber, Ralph, Heilige vom Hinterhof. In: Röber, Ralph (Hrsg.), Glaube, Kunst und Spiel. ALManach 1 (Stuttgart 1996), S. 98-99. Bruchstücke der in Konstanz gefertigten, thronenden Madonna aus archäologischem Kontext stammen von der Mole bei Heimbuchenthal sowie von der Burg Hohenklingen bei Stein am Rhein (nach freundlicher Mitteilung von Andreas Heege, Zug)
  11. Mainzer Ingrossaturbuch 23, S. 107 (Staatsarchiv Würzburg). Ein vergleichbarer „Umzug“ einer Burg ist für das Ende des 12. Jahrhunderts für die Ketzelburg in Haibach archäologisch nachgewiesen (Rosmanitz, Harald, Die archäologischen Untersuchungen auf der Ketzelburg –Ein Überblick. In: Ders. (Hrsg.), Die Ketzelburg in Haibach. Eine archäologisch-historische Spurensuche (Neustadt a.d. Aisch 2006), S.61).
  12. Aulbach 1982, S. 33-35.
  13. Schunder, Friedrich, Die Rexroth-Geschichte. Hämmern, Gießen, Bewegen 1795-1995 (Lohr am Main 1995), S. 19.
  14. Ebenda, S. 21.
  15. Ebenda, S. 22.
  16. Schunder 1995, S. 19.
  17. Rosmanitz 2009, S. 161.
  18. Mangold, Kurze topographische Beschreibung des Hellhammers und dessen nächster Umgebung. Archiv des historischen Vereins für den Untermainkreis 1/3 (1833), S. 143.
  19. Ebenda.
  20. Ebenda, S. 144.
  21. Ebenda.