Einst war der der Spessart von einem dichten Netz kleiner Niederadelsburgen erschlossen. Fast alle diese Burgen sind am Ende des Hochmittelalters wieder verschwunden. Sie waren aus Holz gebaut und entsprachen in ihren Abmessungen und ihrer Funktionsweise eher befestigten Bauernhöfen. Solche Anlagen haben nur wenig Spuren in der Landschaft hinterlassen. Ihre hohe Dichte verdeutlicht, dass der Spessart bereits im 12. Jahrhundert eine erschlossene Kulturlandschaft war - dazu imstande, eine so große Zahl von Niederadelssitzen wirtschaftlich zu tragen. Die Ketzelburg in Haibach stellt ein geradezu ideales Forschungsobjekt dar. Nahe bei Aschaffenburg gelegen, haben sich von ihr außergewöhnlich eindrucksvolle Spuren erhalten. Zugleich ranken sich um die Ketzelburg verschiedene Legenden, die sie mit historischen Ereignissen im Erzstift Mainz in Verbindung bringen. Das vorliegende Buch ist die Frucht der Partnerschaft des jungen und überaus regen Heimat- und Geschichtsverein Haibach - Grünmorsbach - Dörrmorsbach, dem Archäologischen Spessartprojekt und der Universität Würzburg. Durch Ausgrabungen und begleitende Forschungsarbeiten konnten wir einen einzigartigen Eindruck von der Entstehung und den Lebensumständen einer hochmittelalterlichen Niederadelsburg gewinnen. Das Buch soll den Leser mitnehmen auf eine Zeitreise, ihn mit den Ausgrabungen auf der Ketzelburg ebenso vertraut machen, wie mit den Legenden um die Burg und mit ihrer Bedeutung für Haibach und seine Bürger bis zum heutigen Tag. Die Befunde und Funde von der Ketzelburg werden vorgestellt und in ihren historischen Kontext gesetzt. Die faszinierenden Rekonstruktionszeichnungen, die in enger Zusammenarbeit zwischen Forschern und Zeichner entstanden sind, lassen die Ketzelburg vor unseren Augen wieder entstehen. |
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Gesamtansicht der Ketzelburg mit einer Bebauung aus der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts |
Da die Ketzelburg nur sehr kurze Zeit bestand, bietet sie den Archäologen eine seltene Chance, Einblicke in die Gründungsphase einer kleinen Burganlage zu gewinnen. Das Bodendenkmal hat sich diesbezüglich als wahre Fundgrube erwiesen. Wie in einer Reihe von Momentaufnahmen ließen sich die Anlage der Burg, der Bau des ersten Wohnturms, einer repräsentativen Toranlage und sogar Umplanungen und Rückbauten erkennen. Obwohl die Burg systematisch abgebaut wurde und daher keine fundreiche Zerstörungsschicht zurück blieb, lassen die einzelnen Fundstücke, wie Kacheln, Geschirr, ein Webgewicht oder eine Bodenfliese Rückschlüsse auf die Ausstattung, die Lebensbedingungen und den Alltag auf der Burg zu.
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| Das Burgfest am 10. und 11. Juni 2006 bildete den krönenden Abschluss der jahrelangen Forschungen über und auf dem Burghügel |
ISBN 3-87707-676-9, 221 Seiten, Hardcover, 30 x 21,5 cm, 221 Seiten, über 200 Farb- und s/w-Abb. 16.- € (zzgl. Versandkkosten) |



