20 Burgen, Schlösser und Wehrkirchen im südwestlichen Mainviereck sollen mit Hilfe der Europäischen Union aus dem touristischen Dornröschenschlaf geweckt werden. Neben den positiven Effekten für Tourismus und Gastronomie erwarten die unterfränkischen Leader-Manager, dass sich die Bürger besser mit ihrer Heimatregion identifizieren. Die EU-Gemeinschaftsinitiative Leader (für »Liaison entre actions de développement de l’économie rurale«, deutsch »Verbindung zwischen Aktionen zur Entwicklung der ländlichen Wirtschaft«) fördert seit 1991 modellhaft innovative Aktionen im ländlichen Raum. Für die Jahre 2007 bis 2013 wurde das Programm Leader in Eler (für »Europäischer Landwirtschaftsfond für die Entwicklung des ländlichen Raums«) aufgelegt.
Das Thema „Burgen und Schlösser“ hat eine große kulturhistorische Bedeutung für die Region und besitzt zudem ein bisher kaum genutztes touristisches Potenzial. Die Region Main4Eck versucht sich, zunehmend erfolgreicher, touristisch im Bereich des inländischen Tagestourismus zu positionieren – die Hauptkomponenten des Standort-Marketings sind Natur, Genuss und kulturhistorische Sehenswürdigkeiten. Die Burgen und Schlösser fügen sich sehr gut in diese Strategie. Sie sind mancherorts, gemessen an ihrer Beliebtheit bei Gästen und Bewohnern, aber zu wenig zugänglich und erlebbar. Bislang fehlt ein gemeinsames, aufeinander abgestimmtes Konzept, um die Burgen und Schlösser der Region als Ganzes darzustellen und für den Tourismus zugänglich zu machen. Lediglich für einzelne, exponierte Objekte gibt es mitunter Informationsmaterial.
Träger dieser Maßnahmen ist das Archäologischen Spessartprojekt e.V. – Institut an der Universität Würzburg, das auch, für drei Jahre, den Netzwerkmanager einstellte. Dieser soll das Bindeglied für alle Akteure des Netzwerkes sein. Das Netzwerk, dem Vertreter einer Vielzahl von Heimatpflege- und Burgenvereine angehören kann wertvolle Unterstützung anbieten, um das historische Erbe zu bewahren und einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Ziel des Projektes ist es, die Burgenvielfalt in der Region spannend und fundiert aufzuarbeiten, als touristisches Produkt zu positionieren und zu vermarkten. Unabhängig von den unterschiedlichen Besitzverhältnissen wird eine einheitliche Außendarstellung erarbeitet und umgesetzt. Gemäß eines Beschlusses des ersten Netzwerktreffens am 30. Mai im Landratsamt von Miltenberg wurde als eine erste Maßnahme das Logo „Burglandschaft“ entwickelt und eine mit mehr als 3000 Besuchern erfolgreiche Auftaktveranstaltung auf der Clingenburg durchgeführt.
Als weitere Maßnahmen sind geplant: Das Erstellen von Informationsmaterialien, der Aufbau und die Pflege einer Internetplattform, das Erstellen und die Publikation eines Burgen- und Schlösserführers und Schulungen für die Netzwerkakteure. Kernstück des Netzwerks ist die Akteursbeteilung. Das Burgen- und Schlössernetzwerk „Burglandschaft“ bietet gemeindlichen und privaten Eigentümern eines historischen Baudenkmals erstmals die Möglichkeit, sich gemeinsam mit Touristikern, Gastronomen, ehrenamtlich Engagierten und Fachleuten aktiv in ein Vermarktungskonzept für die Burgen und Schlösser einzubringen. Die gemeinsame Teilnahme von fünf Objekten des Netzwerk am Tag des offenen Denkmals 2011 zeigte erneut die große Resonanz, die „konzertierte Aktionen“ hervorbringen: Weit über 1000 interessierte Bürger besuchten an diesem Tag den Gotthardsberg bei Amorbach/Weilbach, das Wasserschloss Eschau-Sommerau, die Kollenburg, die Freudenburg und die Henneburg.