Die künstliche Grenze

Der in der unteren Bildhälfte stehende Grenzstein wurde am Ende des 18. Jahrhunderts auf Anweisung des Erzbischofs von Mainz gesetzt. Sein Standort ist typisch für die künstliche Grenzziehung zwischen Staat und Gemeinde in der frühen Neuzeit.

Die damals einsetzende Grenzziehung sollte den Landhunger der Dorfbevölkerung stoppen. Die Wiesen (hier am rechten Bildrand), die sich zur Beweidung von Vieh von der Mitte der Spessarttäler nach außen immer weiter ausdehnten, durften nicht über die Marksteine hinwegreichen. Der Erzbischof ließ seine Grenzen durch Reiterpatrouillen kontrollieren und setzte als Schlichtungsstelle bei Grenzstreitigkeiten Feldgeschworene ein, die unter anderem darüber zu befinden hatten, ob Grenzsteine umgesetzt worden sind und damit ein - im übrigen schwer geahndeter - Gesetzesbruch vorlag. Dass diese Regelungen von Dauer waren, kann man alleine schon daran erkennen, dass der Wechsel von Wald zur Wiese an vielen Stellen im Spessart noch heute entlang solcher Grenzsteine verläuft.

 

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