Kühlendes Naß

Der Brunnen in Rodenbach bei Lohr am Main ist ein Überbleibsel aus jener Zeit, als man für den Holztransport vor allem auf Pferdegespanne angewiesen war. Auf ihren Wegen von und in die Wälder wurde hier nochmals aufgetankt. Gleichzeitig diente die Quelle der Bevölkerung des Dorfes zur Deckung ihres täglichen Wasserbedarfs.

Natürlich gibt es heute keine Pferdefuhrwerke mehr und die Bewohner unserer Dörfer holen ihr Wasser auch schon lange nicht mehr am Brunnen. Nur noch selten hat sich daher ein so schönes Ensemble, eingebettet in ein ebenfalls historisches Katzenkopfpflaster, erhalten. Solchen Kleindenkmälern kommt in unserer sich immer schneller wandelnden Gesellschaft eine bedeutende – neue – Funktion zu: sie erinnern an eine gar nicht so ferne Zeit, die uns doch schon so fern ist. Sie tragen zur Identität und zum besonderen Charakter eines Ortes bei. Oft wurden solche Denkmale zerstört oder gänzlich aus ihrem ursprünglichen Zusammenhang gerissen. Heute sind sie beliebig austauschbare Versatzstücke der Dorferneuerung oder dienen zur Zierde privater Vorgärten. Diese Sinnentleerung historischer Strukturen ist eine der größten Herausforderungen für die Denkmalpflege, vor allem aber für eine lebendige, mitdenkende (Dorf)Gemeinschaft.

 

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