Das ganz besondere Schuhwerk

Von dem auf der Burg Bartenstein getragenen Schuhwerk zeugt ein eiserner Trippenbeschlag aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts


Das nicht alltägliches Fundstück vermittelt uns einen Einblick in das Modebewußtsein des späten Mittelalters, das auch auf der Burg Bartenstein gepflegt wurde. Das Eisenband mit aufgebogenen Enden weist vier Nagellöcher auf. In einem steckt sogar noch der Nagel. Das Fundstück hat eine Höhe von 1,3 cm. Es ist 8,2 cm breit und 2,8 cm tief. Eine Anbringung unter dem Ballen- oder Fersenbuckel einer Trippe kann durch Vergleiche mit ähnlichen Eisenbeschägen aus Einbeck und Warburg als gesichert gelten.

Eine solche hölzerne Trippe besaß die Form einer vorne spitz zulaufenden hölzernen Sohle, deren Unterseite mit zwei quer zur Längsachse verlaufenden Stegen unter Ferse und Ballen gearbeitet ist. Seitlich und unten waren diese Stege mit aufgenagelten Beschlägen aus flachen Eisenbändern, den Trippenbeschlägen, geschützt.

Nachbau hölzerner Trippen ind der Art des 15. Jahrhunderts


Hölzerne Unterschuhe dienten in erster Linie dem Schutz des Lederschuhs und ermöglichten es ihrem Träger, auf schlammigem Untergrund trockenen und sauberen Fußes sein Ziel zu erreichen. Sie sind möglicherweise orientalischen Ursprungs und traten bereits im koptischen Kulturkreis des 4. bis 9. Jahrhunderts n. Chr. auf. Es wird angenommen, daß sie mit den Kreuzfahrern ihren Weg nach Mitteleuropa fanden, wo sie erstmals im 12./13. Jahrhundert belegt sind, besonders jedoch im 14. und 15. Jahrhundert zur modischen Fußbekleidung gehörten. Die belegen auch zahlreiche zeitgenössische Abbildungen

Trippen waren in erster Linie Schuhschoner, die nur außerhalb des Hauses getragen wurden. Doch gibt es auch Außnahme: So eigneten sich Trippen ganz besonders für die Schnabelschuhe des 14. Jahrhunderts.


Der Trippenbeschlag von der Burg Bartenstein gibt uns wertvolle Informationen über die Kleidung der vornehmen Gesellschaft. Er ergänzt unsere Kenntnisse mittelalterlicher Mode, die wir aus dem Studium von Wandfresken, Plastiken und vor allem auch Miniaturen in mittelalterlichen Handschriften beziehen. Aussagen in Chroniken, Epen und Gedichten sowie eine Reihe von Kleiderordnungen, die in einigen Städten des Spätmittelalters erlassen wurden, fügen weitere Informationen hinzu. Wie bei vielen Moden waren Trippen keinesfalls trittfest oder bequem. Dies wurde der damals herrschenden Mode geopfert. Einen entschiedenen Vorteil hatten diese Schohschoner: Sie verhinderten, dass die teueren Schuhe vom allgegewärtigen Schweine- und Pferdemist besudelt wurden. Die Trippenbeschläge verhinderten, dass der Adelige ausglitt und all zu direkte Bekanntschaft mit dem Straßendreck machte.

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