Geschichten in Schichten


Diese Darstellung Burg Bartenstein in dem im Jahre 1623 erschienenen und von Daniel Meisner herausgegebenen "Sciographia cosmica" stammt von dem Kupferstecher Johann Eckard Löffler.

Die Burg Bartenstein bei Partenstein erhebt sich als vorgeschobener Sporn südlich des heutigen Ortes Partenstein im Zusammenfluss der Bäche Lohr und Au. Damit kontrollierten die Burgherren von der Anhöhe aus ein Tal, in dem spätestens seit dem 15. Jahrhundert eine Vielzahl von gewinnträchtigen Glashütten aktiv war. Zudem hatten sie jederzeit Zugriff auf die stark frequentierte und gut ausgebaute Handelsstraße zwischen den Salinen in Bad Orb und dem für den Weinhandel wichtigen Mainhafen in Lohr am Main.

Die Burg ist eine Gründung der Grafen von Rieneck, einem Hochadelsgeschlecht vom Niederrhein, die ihren Stammsitz am Ende des Hochmittelalters auf die unweit von Partenstein gelegene Burg Rieneck übertragen hatten. Die Burg Bartenstein wurde bald vor der ersten urkundlichen Erwähnung des benachbarten Partensteins im Jahre 1233 erbaut. Sie zählt zu den bedeutenderen Anlagen ihrer Art im Spessart. Bereits im Jahr 1271 kam es zwischen dem Burgherren, dem Grafen von Rieneck und dem Erzbistum Mainz zu einer bewaffneten Auseinandersetzung, bei der die Rienecker unterlagen. In der Folge mussten sich die Rienecker bereit erklären, einige bestehende Burgen zu schleifen und fortan keine neuen Burgen mehr im Spessart zu errichten. Dies würde das Fehlen vergleichbarer, stark befestigter Schutzburgen in den umliegenden Gemeinden erklären.


Blick nach Westen auf das freigelegte äußere Tor, Zustand Herbst 2004 und im Frühjahr 2007

Im Jahr 1333 fiel die Burganlage an die Grafen von Hanau, 1339 wurde sie zwischen Hanau und Mainz geteilt und als Ganerbenburg verwaltet, wobei beide Adelshäuser ihre Ansprüche durch Amtmänner vertreten ließen. Der Aufteilung der Anlage zwischen den beiden Herren und den daraus resultierenden Streitigkeiten verdankt die Burg für die Folgezeit einen reichen Aktenbestand. Dadurch wird die Burganlage von Partenstein zu einem ungewöhnlich gut dokumentierten Ausnahmefall in der Burgenlandschaft Unterfrankens.

Am Ende des 15. Jahrhunderts verlor die Burg Bartenstein mit dem Aufkommen von Kanonen mehr und mehr ihre Bedeutung. Die nun nutzlos gewordenen, kosten- und pflegeintensiven Verteidigungsanlagen, insbesondere die hohe Ringmauer wurden teilweise aufgegeben, die Burggräben verwandelten sich in Müllhalden. Die Burg und Teile der nicht befestigten Außenbereiche dienten fortan in erster Line zur Lagerung der Steuerabgaben der ländlichen Bevölkerung. Im Jahr 1579 wohnte der Amtmann von Mainz bereits am Fuße der Burg, die in einer Urkunde von 1618 als „ziemlich baufällig“ beschrieben wird. Die Eroberung der Burg durch schwedische Truppen im Jahre 1626 bot einen willkommenen Anlass, die Burg Bartenstein vollständig dem Verfall zu überlassen. Spätestens ab diesem Zeitpunkt diente sie den Partensteinern als Steinbruch zum Bau ihrer Hausfundamente im Dorf. Zeigt eine 1790 entstandene Zeichnung noch zahlreiche Reste der ehemaligen Bebauung, so hat sich auf den ersten Fotografien der Ruine um 1900 nur noch ein letzter Rest der Ringmauer im Südwesten der Anlage obertägig erhalten. Alles Übrige verschwindet unter Schuttbergen. Mit der Nutzung als Schießplatz für den örtlichen Schützenverein und der Umgestaltung in einen Festplatz durch die Nationalsozialisten gingen weitere, großflächige Erdbewegungen einher. Jetzt erst erhielt das Burgplateau seine heutige Gestalt.


Blick nach Nordwesten auf den freigelegten Burggraben äußere Tor, Zustand Herbst 2005 und im Frühjahr 2007

Nichts sprach vor Beginn der archäologischen Untersuchungen durch das Archäologische Spessartprojekt in Zusammenarbeit mit dem Institut für Vor- und Frühgeschichte der Justus-Liebig-Universität Giessen im Spätjahr 2003 dafür, dass mit der ersten systematischen archäologischen Untersuchung einer Spessartburg ein stark verändertes Bild der Burgentwicklung sowie der gesamten Wirtschafts- und Kulturgeschichte des südlichen Spessarts entworfen werden muss. Doch machen gerade dies inzwischen zutage getretenen Befunde und Funde notwendig. Angeregt durch die in Partenstein gewonnenen Erkenntnisse befasst sich das Archäologische Spessartprojekt gemeinsam mit dem Lehrstuhl für Fränkische Landesgeschichte an der Julius-Maximiliansuniversität Würzburg mit Unterstützung des Bezirks Unterfranken fächerübergreifend mit den Spessartburgen. Im Mittelpunkt steht die archivalische Forschung sowie die Prospektion, Vermessung und Kartierung solcher Anlagen mithilfe des Spessart-GIS. Damit lassen sich die Burgen als herausragende historische Quellen für die Erforschung der Kulturlandschaft Spessart erschließen und Konzepte zu einem nachhaltigen, bewahrenden Umgang mit diesen Bodendenkmälern erarbeiten.

Die Ausgrabungen selbst nahmen ihren Anfang in ersten Sondagen durch den Heimatforscher Reinhold Scherg (Partenstein) im Frühsommer 2003. Sie mündeten schließlich in der mit starkem persönlichem Engagement vorangetriebenen Aufdeckung der südöstlichen Ecke der Ringmauer. Die folgenden Ausgrabungen fanden auf Anregung und mit tatkräftiger und finanzieller Unterstützung durch die Gemeinde Partenstein und den Geschichts- und Förderverein „Burg Bartenstein“ statt. Der jüngste Versuch, fassbare Relikte aus der Vergangenheit der Burg Bartenstein ans Tageslicht zu fördern, steht in einer langen Reihe ähnlicher Unternehmungen. Dies zeigten zahlreiche, bei den Ausgrabungen aufgedeckte, meist jedoch nur oberflächliche Gruben. Sie bestätigen die dörfliche Fama, wonach am Burgberg – bislang jedoch ergebnislos - schon seit mehreren Generationen nach sagenumwobenen Schätzen gegraben wird. Nach dem Ersten Weltkrieg trieb man sogar einen Stollen in den anstehenden Felsen, um so zu einem legendären, bislang jedoch noch nicht nachgewiesenen Burggewölbe vorzustoßen. Als die dafür notwendigen Sprengungen schließlich die Dachziegel des benachbarten Dorfes zum Klappern brachten, wurde die Weiterführung dieses Unternehmens untersagt. Übrig blieb ein fünf Meter tiefer Stollen, der vom Halsgraben der Burg nach Westen unter den ehemaligen Pallas führt.


In der Nordostecke der Ringmauer ist die tiefgreifende Entnahme des Mauerwerks erkennbar. Die massiven Störungen durch die Steinentnahme traten besonders deutlich nach der vollständigen Freilegung der Ringmauer im Frühjahr 2007 zu Tage.

Schon der erste Aufschluss südlich der Ringmauer mit seinen bis zu vier Meter hohen Kulturschichten ließ erkennen, dass zur weiteren Erforschung der Anlage eine längere Grabung erforderlich sein würde. In Absprache mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege wurden vor der südlich anschließenden Zwingermauer, im östlich der Burg liegenden Halsgraben und im Bereich des ehemaligen äußeren Burgtores in der Nordostecke der Ringmauer Schnitte angelegt. Von den Untersuchungen versprach man sich neue Erkenntnisse zur Geschichte der Anlage. In erster Linie ging es jedoch darum, mit Hilfe der Aufschlüsse weitere Schutzmaßnahmen für den untertägigen Baubestand entwickeln zu können. Eine Sondage im Mauerinnern unmittelbar hinter der Südostecke der Ringmauer erbrachte Aufschlüsse über den Erhaltungszustand der umschließenden Mauer und lieferte die notwendigen Informationen im Hinblick auf eine fachgerechte Sanierung der freigelegten Baustruktur.

Die bisher aufgrund archivalischer Studien bekannte Nutzungszeit der Burg konnte durch die Analyse der Befunde und der Funde bestätigt werden. Demnach wurde die Anlage zu Beginn des 13. Jahrhunderts in einem Zuge errichtet. Lesefunde lassen darauf schließen, dass der Burghügel bereits vor Errichtung dieser Anlage besiedelt war. Die tiefgreifenden Planierungen des 13. Jahrhundert und zahlreiche Ein- und Umbauten bis ins 20. Jahrhundert haben jedoch sämtliche Bebauungsspuren aus dieser Zeit vernichtet. Im Gegensatz zur archivalischen Überlieferung sind Befunde aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts überrepräsentiert. Dagegen fehlen Nachweise einer Besiedelung im 17. Jahrhundert völlig, was die endgültige Zerstörung der Anlage im Dreißigjährigen Krieg bestätigt.


Unter den Aufschüttungen des 18. Jahrhunderts hat sich eine mehrphasige Toranlage erhalten.

Überraschend war die Aufdeckung eines unerwartet guten Bestandes an noch erhaltenen Mauerzügen und eines sehr breiten, reichhaltigen Fundspektrums inklusive des Nachweises der Tätigkeit qualifizierter, ortsansässiger Handwerker wie Knochenschneider, Schmiede, Feinbäcker und Glasmacher. Die Entdeckung eines vergleichsweise aufwendigen Lebensstils auf der Burg, bei dem der Einsatz von aufwendig verzierten Kachelöfen ebenso selbstverständlich war wie der Gebrauch von rheinländischem Steinzeug, verändert grundlegend die bisherigen Vorstellungen vom Spessart als im Mittelalter und der frühen Neuzeit weitgehend geschlossenem Waldgebiet, in dem lediglich die Glasmacher aufgrund des Holzreichtums ihrem Gewerbe nachgingen. Demnach war der Spessart in jener Zeit nicht nur Transitregion für den Warenaustausch zwischen Antwerpen und Nürnberg. Das Mittelgebirge zwischen Frankfurt am Main und Würzburg war mit seinen Anbindungen an die Flusssysteme Main und Kinzig vielmehr fester Bestandteil einer boomenden Wirtschaftsregion, in der die Glasherstellung einen ebenso festen Platz einnahm wie die Verarbeitung von Holz und Eisen, die Salzgewinnung und die Nutzung der Wasserkraft zur Verarbeitung unterschiedlichster Rohstoffe.

Die archäologischen Untersuchungen auf der Burg Bartenstein ermöglichen erstmals eine Präzisierung der Baugeschichte und eine Einteilung mithilfe der archäologischen Befunde und Funde in sechs Phasen. Deutlich sichtbares Zeichen der ersten fassbaren Bauphase ist der Halsgraben und die bis zu 160 cm mächtige Ringmauer. Sie umschloss ein dicht bebautes Areal von annähernd 600 Quadratmetern. Die Masse der für die Ringmauer benötigten Steine wurde unmittelbar davor aus dem anstehenden Sandsteinplateau gebrochen. Allerdings erwies sich der stark wasserhaltige, rote Sandstein als vergleichsweise mürbe. So mussten die aufgeführten Mauern unmittelbar nach ihrer Errichtung mit einem weiß getünchten Verputz versehen werden. Die mächtigen Buckelquader in den neuralgischen Ecken der Ringmauer wurden von umliegenden, kleinen Steinbrüchen herangekarrt. Logistisches Geschick war auch bei der Vermörtelung der Ringmauer vonnöten. Zwei Mörtelmischgruben im Süden bzw. unmittelbar neben dem äußeren Tor im Osten der Anlage zeigen, dass die wahrscheinlich aus Steinbrüchen aus dem heute hessischen Bieber angefahrenen Kalkbrocken vor Ort gebrannt und mit ortsansässigem Sand zu Mörtel gemischt wurden. Eine Mörtelanalyse erbrachte darüber hinaus den Nachweis, dass der Mörtel zusätzlich zum schnelleren Abbinden mit Eierschalen und Eiweiß angereichert worden war. Ebenfalls aus der ersten Phase der Burg stammt eine der Ringmauer vorgelagerte Zwingermauer. Mit ihrer Hilfe entstand vor der Ringmauer ein zwei Meter hoch gelegenes, annähernd fünf Meter breites Plateau. Im Nordosten fügte man in diese Zwingermauer ein äußeres Burgtor ein. Es konnte in den Grabungskampagnen 2004/2005 genauer untersucht werden. Ein zwei Meter in den Felsen eingetiefter, 4,60 m breiter Burggraben unterstreicht an dieser Stelle die Wehrhaftigkeit der Zwingermauer. Eine Trockensteinmauer an seiner Ostwange verhinderte ein allzu schnelles Zufüllen. Zur Vermeidung der Absandung der Sandsteinsohle wurde der Graben mit einer etwa 20 cm starken, festgestampften Humusschicht ausgekleidet. Mörtelbrocken und zerbrochene Ziegel verliehen dieser Mischung zusätzlich Stabilität. Von dem Tor selbst haben sich lediglich die beiden Torwangen erhalten. Sie umschlossen einen 2,30 m breiten Tordurchlass. Alle obertägigen Bebauungsspuren sind hier dem Steinraub und der Erosion zum Opfer gefallen. Vergleichbare Anlagen weisen an dieser Stelle ein Torhaus auf, zu dem man ursprünglich über eine hölzerne Rampe gelangte. Alten Ansichten zufolge führte der Weg in die Burg von diesem Torhaus noch etwa 15 Meter an der dorfseitigen Nordflanke der Ringmauer entlang, bis man schließlich durch zwei weitere Tore in den Innenhof der Anlage gelangte.


Unmittelbar vor der Ringmauer konnten die Reste einer zweiteiligen Mörtelmischgrube dokumentiert werden

Der Weg zur Burg führte vom Dorf her über einen steil ansteigenden, gewundenen Pfad hinauf auf den Höhenrücken. Dieser Hohlweg, der „Alte Weg“, bildet heute noch einen von zwei Zugängen zum Burgplateau. Er führt direkt auf das nun sichtbar gewordene, äußere Burgtor. Zusammen mit der Sicherung und Neugestaltung der Freifläche um das freigelegte Tor wird der alte Zugangsweg künftig den Besuchern ein eindrucksvolles Bild von der einstigen Bedeutung der Burg Bartenstein vermitteln.

Die zweite Bauphase der Burg Partenstein lässt sich bislang lediglich anhand von Auffüllschichten und Planierungshorizonten dingfest machen. Auffallendes Merkmal ist Protosteinzeug Talheimer Art sowie frühe, reliefierte Napfkacheln mit durchbrochenen Vorsatzblättern, wie man sie sonst nur aus der Nordschweiz kennt. Zeitlich lässt sich das Fundmaterial in die Nähe des Jahres 1333 bringen, als die Grafen von Hanau die Burg übernahmen: Vielleicht resultieren die Schuttschichten der Phase 2 aus einem bald darauf erfolgten Umbau. Weitere Auffüllungen lassen sich der Phase 3 zuweisen. Keramik und Nischenkachel aus Dieburg datieren diese Schichten in die zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts. Die Einbettung von Holzkohlstückchen sowie blasige Aufwerfungen der Glasuren sprechen für Zerstörungen durch Schadensfeuer, das – wie entsprechende Brandhorizonte verdeutlichten - zumindest auch den Burgfried der Burg und die daran angrenzende, nicht unterkellerte Bebauung in Mitleidenschaft zog.


Blick in den Burggraben. Am Ende des 15. Jahrhunderts ersetzte man die hölzerne Rampe über den Burggraben durch einen von zwei Seitenmauern flankierten, aufgeschütteten Weg.

Einschneidend waren der Umbau und die teilweise Auflassung der Burg am Ende des 15. Jahrhunderts (Phase 4). Reste prächtiger Kachelöfen mit Diamantschnittdekor und religiösen Bildinhalten sowie zahlreiche Fragmente von Siegburger Steinzeug belegen den hohen Lebensstandard der Burgbewohner. Das Verfüllen des dem Burgtor vorgelagerten Grabens sowie des Halsgrabens verdeutlicht den grundlegenden Wandel, der mit diesem Umbau einher ging: So gab man den bis dahin stets gründlich von Unrat gereinigten Burggraben vor dem äußeren Tor auf und schuf mit einer dicht gelegten Steinpackung, die im oberen Bereich von zwei einschaligen Sandsteinmauern flankiert ist, einen auch von schwer beladenen Karren befahrbaren Zugangsweg zur Burg. Der damals noch bis in eine Tiefe von 150 cm zumindest andeutungsweise erkennbare Graben setzte sich von da an bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts komplett mit Schutt zu.

Eine Vorstellung vom ursprünglichen Aussehen des äußeren Tores gibt ein Kupferstich von Johann Eckard Löffler in der im Jahre 1623 von Daniel Meißner herausgegebenen „Sciographica cosmica“. Zahlreiche Bauteile der Burg lassen sich mit den aufgedeckten Befunden in Einklang bringen. Allerdings lassen sich auch eklatante Abweichungen feststellen. Vieles spricht dafür, dass der Künstler seinen Kupferstich nach einer weit älteren Vorlage gearbeitet hat und uns die Burg in einem Zustand vor Augen führt,der zum Zeitpunkt der Anfertigung des Kupferstichs schon gar nicht mehr bestand.


Der Blick auf das äußere Tormit einem zum Burggraben ausgebauten Steinbruch vor und nach dem Ausräumen des Burggrabens.

In der Mitte des 16. Jahrhunderts (Phase 5) schoss man die Verfüllung des Burggrabens vor dem äußeren Tor. Dicke Pakete zerbrochener Ziegel, vermengt mit abgeschlagenem, teilweise bemaltem Wandverputz geben einen Hinweis darauf, dass auch in diese Phase, die mit der archivalisch fassbaren Auflassung von Teilen der Burganlage einherging, mit zahlreichen Umbaumaßnahmen im Burginnern zu rechnen ist.

Spätestens in der Mitte des 17. Jahrhunderts begann der mehr als zweihundertjährige Abbruch der Burg (Phase 6). Dabei befreite man die aus den umgelegten Mauern gebrochenen Steine vor Ort vom Mörtel und verkleinerte sie mit Hilfe von Eisenkeilen, die man mit schweren Vorschlaghämmern in das Gestein trieb. Allmählich türmte sich vor der Ringmauer der Abbruchschutt auf einer Höhe von bis zu vier Metern. Darin enthalten waren auch nicht weiter verwertbare Hausteine wie beispielsweise Fenstergewände. Die Schuttschicht verhinderte das komplette Ausräumen der Mauern. Auf dem Burgplateau selbst und an der steil abfallenden Nordflanke der Burg konnte sich keine solche Schuttschicht anlagern. Hier wurden die Mauern bis auf die Fundamentlagen ausgebrochen. Eine der zahlreichen Abrissaktionen führte eindeutig nicht zu dem erwarteten Ergebnis: Als man sicher mit viel Aufwand die untersten Lagen der dorfseitigen Nordostecke der Ringmauer niederlegte, verkeilten sich die bossierten Eckquader dermaßen ineinander, dass sie einerseits den weiteren Zugang zur Burg blockierten und andererseits ein Spalten der Blöcke in weiter verwertbare Steine unmöglich wurde.


Beim Abgraben der Torrampe zeigte sich, dass die Torrampe aus einer dichten Steinpackung bestand.

Nach dem Fundgut zu schließen, das hauptsächlich aus den Aufschüttungen aus dem Burggraben und vor der Ring- bzw. Zwingermauer stammt, war die Burg Bartenstein vom Beginn des 13. Jahrhunderts bis in die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts von Menschen bewohnt, die einen vergleichsweise hohen Lebensstil pflegten. Bemerkenswert ist, dass man sich zahlreiche, zum Teil sehr aufwendige Importe leistete. So bezog man am Ende des 14. Jahrhunderts von den Töpfern im hessischen Dieburg mindestens drei verschiedene Nischenkachelöfen. Beispiellos ist auch die Ausstattung mit Flach- und Hohlgläsern. Schon in der ersten Bauphase war die Burg demnach mit bleigefassten Fensterscheiben bestückt. Um 1400 darf man geradezu von einem Überfluss an Glas sprechen. Mit aufwendigen Fadenauflagen oder mit Nuppen besetzte Flaschen und Becher gehörten dabei ebenso zum Inventar wie gestauchte Flaschen oder Kuttrolfe. Die Variationsbreite der Keramiktypen ist erheblich. Es gibt große Henkeltöpfe, Grapen, Schüsseln, Kannen, Kreussen und Becher. Hinzu kommen Sonderformen wie Destillierkolben, Backformen und Blumentöpfe.

Aufgrund des kleinräumig geprägten Produktions- und Verbrauchsgebietes sind Form und Dekor der Ware weitgehend regional geprägt. Dies gilt insbesondere für die Gebrauchskeramik. Die anteilmäßige Zusammensetzung des Tisch-, Küchen- und Vorratsgeschirrs und ihre Untergliederung in heimische bzw. fremde Produktion kann bei der Burg Bartenstein als Indikator für den sozialen Stand gelten. Sie ist bei weitem nicht nur eine Frage der Funktion und des Geschmacks. Besonders auffallend ist der vergleichsweise hohe Anteil an repräsentativer Tischkeramik. Importe aus dem Rheinland, aus Dieburg und eine Vielzahl von Messinggerätschaften aus Nürnberg sprechen hier eine deutliche Sprache. Die bereits erwähnten Ofenkacheln unterstreichen die Bedeutung, die man auf der Burg der Repräsentation zumaß. Hier reichte eine Ausstattung mit Becher- und Napfkachelöfen bei weitem nicht aus. Die Reste von mehr als zwanzig unterschiedlichen Kachelöfen vom 13. bis ins 16. Jahrhundert sind fast durchwegs von hoher Qualität. In diesem Zusammenhang verwundert nicht, dass man sich auf der Burg Partenstein einen der ältesten reliefverzierten Kachelöfen Süddeutschlands leistete. Aus dem Fundgut geht weiterhin hervor, dass im unmittelbaren Umfeld der Burg seit dem 13. Jahrhunderts spezialisierte Handwerker ihrem Gewerbe nachgingen. Dazu zählen Knochenschnitzer und Kammmacher ebenso wie ein Glasbläser.


Zwei Schnitte durch die nach Norden dorfseitig steil abfallende Böschung zeigten, dass sich an der dorfseitigen Böschung nur wenig Schutt anlagern konnte. Entsprechend tiefgründig erfolgte die Entnahme des Mauerwerks

Mit den Grabungen auf der Burg Bartenstein wird der für das Spätmittelalter und für die frühe Neuzeit wissenschaftlich wenig erschlossene Spessart in ein neues Licht gerückt. Die Frage nach dem Sinn und Zweck einer solchen Wehranlage mit ihren bis zu 160 cm dicken Mauern stellt sich nun nicht mehr. Vergleichende Untersuchungen in den alten Dorfkernen sind nötig, um die wirtschaftliche Grundlage für diesen Wohlstand im holz- und metallreichen Spessart mit seinen zahlreichen verarbeitenden Werkstätten und Mühlen besser zu verstehen. So erbrachte eine kleine Baubeobachtung im nahen Frammersbach nicht nur reiche Funde verschiedener Handwerksbetriebe, sondern auch Spuren einer intensiven Waldnutzung, die zu massiven Überschwemmungen und Hangrutschungen führte. Eines zeigen die Resultate der archäologischen Untersuchungen auf der Burg Bartenstein schon jetzt: Die viel beschriebene Armut im Spessart ist weniger das Resultat der Verelendung einer schon immer unterstrukturierten Region. Vielmehr wird mit der Armutsdiskussion im 18. und vor allem im 19. Jahrhundert letztlich der Verfall bzw. der Verlust des ehemaligen Reichtums und der ehemaligen Bedeutung als Wirtschaftsraum beklagt - der Rückfall einer facettenreichen Kulturlandschaft in die absolute Bedeutungslosigkeit.


Die verstürzten Eckquader der Nordostecke der Ringmauer haben sich dermaßen ineinander verkeilt, das sie beim Abräumen der Mauern an Ort und Stelle belassen wurden.


* überarbeitete und stark erweiteret Fassung des Beitrags "Neues von der Burg Bartenstein im Spessart" in: Das Archäologische Jahr in Bayern 2005, 131-133.

Weiterführende Literatur:

Herbert Bald, Münzfunde aus Partenstein. Spessart 99, 2005, 3-19;

Werner Loibl, Burg Partenstein. In: Gemeinde Partenstein (Hg.), 750 Jahre Partenstein. Ein Dorf im Wandel der Zeit, Gemünden/Main 1985, 29-36.