
Dort die Universität in ihrem vermeintlichen Elfenbeinturm, hier die Archäologen, die in der Spessart-Erde wühlen: Damit diese zwei Extreme enger zusammenwachsen, kooperieren seit zwei Jahren das Archäologische Spessartprojekt (ASP) und der Lehrstuhl für fränkische Landesgeschichte an der Universität Würzburg. Offiziell besiegelt wurde diese Partnerschaft am Mittwochabend mit der Unterzeichnung eines Kooperationsvertrags.
Der Kanzler der Universität, Bruno Forster, war eigens nach Aschaffenburg gereist, um im Kapitelsaal des Stiftsmuseums seine Unterschrift unter den Vertrag zu setzen, der die wissenschaftliche Erforschung der Kulturlandschaft Spessart voranbringen soll.
Schirmherr und Oberbürgermeister Klaus Herzog nahm den Termin denn gleich als Zeichen der Hoffnung dafür, dass auf den Ortsschildern Aschaffenburgs eines Tages »Hochschulstadt« stehen werde.
Forster verfolgt mit der Kooperation zunächst andere Ziele: »Wir möchten einen eigenen Studiengang Kulturlandschaft einrichten, Aus- und Weiterbildungsseminare anbieten und verstärkt Drittmittel beschaffen.«
Natürlich sei es in Zeiten knapper Kassen dringend nötig, Geld anzuwerben, gibt Professor Helmut Flachenecker vom Lehrstuhl für fränkische Landesgeschichte unumwunden zu. »Ein starkes Team ist dafür die beste Voraussetzung«, und das sei jetzt auch formal gebildet. Er habe ja fast keine Wahl gehabt, fügt Flachenecker schmunzelnd hinzu: Der Projektleiter des Spessart-Projekts, Gerrit Himmelsbach, sei vor zwei Jahren mit solch einem Enthusiasmus in seinem Büro aufgetaucht, dass der gebürtige Nürnberger am Ende des Gesprächs selbst überzeugt war: »Der Spessart muss die wichtigste Region Frankens sein.«
Gemeinsame Seminare und Exkursionen haben seither die Erforschung der Kulturlandschaft Spessart vorangebracht. Archäologen, Geologen, Sprach- und Volkswissenschaftler, Geographen und Vereine arbeiten gemeinsam daran, nach und nach die Geschichte des Mittelgebirges aufzudecken.
Der größte Erfolg sind die Kulturpfade um Dörfer und Gemeinden, die jeweils einem bestimmten Thema gewidmet sind, wie in Wörth der Schifffahrt und in Großostheim-Ringheim dem ehemaligen Fliegerhorst. Spessartprojektleiter Dr. Gerhard Ermischer ist nicht nur stolz auf die 5000 Menschen, die seit fünf Jahren in den Spessartgemeinden ihren Beitrag zum ASP leisten, sondern auch auf das Tempo: »Als wir im Jahr 2000 mit dem Projekt begonnen haben, hatte ich mir bis zum Jahr 2010 rund 30 Wege als Ziel gesetzt, jetzt sind es schon 48.« Die Gemeinden und Vereine stünden Schlange, um das Spessartprojekt zum Erforschen ihrer Kohlenmeiler, Glashütten, Backhäuser, gespaltenen Bäume oder Grenzsteine zu gewinnen.
Künftig sollen Studenten eine Woche im Semester der Bibliothek fernbleiben und beim Graben helfen: »Das Studium soll dank des Projekts praktischer werden«, sagt Professor Flachenecker. Damit auch die Jungen merken: »Der Spessart ist mehr als Lieselotte Pulver und Räuberbanden.« An erster Stelle sollen das allerdings die Bewohner des Spessarts begreifen. »Schließlich leben wir in einer Zeit, in der die wenigsten Menschen in dem Ort geboren sind, in dem sie leben.« Bequemer als auf einem Wanderpfad könnten sie die Geschichte ihrer Region kaum erlernen.
Simone Weißkopf (MainEcho vom 20.01.2006)
| zurück |
