Nur wenige originale mittelalterliche Textilien haben die Zeit überlebt. Die einfachen Wäschestücke wurden verbraucht und weggeworfen. Fundstücke belegen, dass man auf dem „Alten Schloss“ Textilien herstellte: Dabei handelt es sich um Spinnwirtel.

In seiner Form ähneltn die Objekte - das oben gezeigte ist nur 1,6 cm hoch und hat einen Durchmesser von 2,6 cm - einer großen Perle mit doppelkonischem Querschnitt. Wie die anderen drei auf dem "Alten Schloss" gefundenen Wirtel besteht er aus weißbrennendem Ton.

Ganz ähnliche Spinnwirtel konnten bei den Ausgrabungen auf der Ketzelburg bei Haibach zu Tage gebracht werden.


Geht man davon aus, dass das „Alte Schloss“ mit seiner großen Vorburg einen weitgehend autarken Wirtschaftsbetrieb darstellte, so wäre es nur logisch, wenn hier auch Textilien gefertigt wurden. Es ist sehr wahrscheinlich, dass auch die hier verarbeitete Wolle aus eigener Produktion stammte. Der Einkauf importierter Wolle dürfte auf Dauer zu teuer gewesen sein. Dies bedeutet, dass in der Nähe der Burg Schafe gehalten wurden. Die lößbedeckten Hänge um das „Alte Schloss“ waren entwaldet. Dadurch war die Burg weithin sichtbar, was sowohl der Manifestation des Gebietsanspruchs ihres Herren diente, als auch ihrer Verteidigung. Die Rodung der Burghänge schuf zugleich die benötigten Weideflächen für die Wolllieferanten. Die Herde verhinderte mit ihrer Beweidung ein Verbuschen und somit letztlich auch die Wiederbewaldung.

Bevor die Wolle zum Weben genutzt werden konnte, musste sie nach der Schur zunächst durch Zupfen und Kämmen entfettet und von Verschmutzungen befreit werden, so dass die einzelnen Stränge parallel zueinander lagen. Mittels einer Spindel wurde sie dann zu einem einzigen Faden verdreht.


Das Vorführen des Spinnens mit der Handspindel erfreut sich bei Mittelalterspektakeln großer Beliebtheit.


Diese einfachste Form des Spinnens mit Hilfe einer Handspindel ist seit dem Neolithikum bekannt. Zu einer solchen Handspindel gehört auch unser Spinnwirtel. Das doppelkonische Keramikobjekt hat in der Mitte eine Durchbohrung von etwa 0,6 cm Durchmesser. Der Wirtel diente – auf eine hölzerne Spindel gesteckt – zum einen als Streckgewicht, zum anderen zur Erhöhung des Drehmoments sowie zur Führung der ruhig und gleichmäßig kreisenden Spindel. Der Spinnwirtel ist vergleichsweise klein und leicht. Er taugte demnach nur für das Verspinnen von Wolle. Während diese an einem Stab, dem Rocken, befestigt war, der unter dem Arm gehalten oder aufgestellt wurde, konnte mit einer Hand die Spindel in Drehung versetzt werden, während die andere den Faden formte.

Aufwendige Verzierungen waren bei einem solch funktionalen Objekt nicht die Regel. Allenfalls war es, wie in unserem Fall, mit Rillen versehen. Eine genaue Datierung des Spinnwirtels ist nicht möglich, da sich dessen Form im Laufe der Jahrhunderte kaum wandelte .


In einem anderen Funktionszusammenhang ist das Webgewicht zu setzen. Es wurde aus einem sekundär abgerundeten und mittig mittels eines Drillbohrers konisch durchbohrten Hohlziegels gefertigt. Aufgrund seines Gewichtes ist es für die Einbindung in einen Standwebstuhl ungeeignet. Am ehesten überzeugt die Ansprache als Gewicht zum Spannen der Kettfäden eines Bortenwebstuhls für die Brettchenweberei.


Vom Kleinwallstädter Bortenwebstuhl hat sich nur noch das Webgewicht erhalten.