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Eine Auswahl von Tisch- und Kochgeschirr vom "Alten Schloss" bei Kleinwallstadt |
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Unter den in den Boden gelangten und dort erhaltenen Gegenständen stellt die Keramik die umfangreichste Fundgruppe dar, da sie im Gegensatz zu anderen Materialien wie Metall, Holz oder Textilien so gut wie unvergänglich ist. Bei der bislang auf dem "Alten Schloss" gefundenen Keramik handelt es sich in der Mehrzahl um uneinheitlich gebrannte Irdenware aus hell brennendem Ton. Diese findet sich im gesamten westlichen Spessartvorland und ist auch unter dem Begriff „Vorspessartware“ bekannt (01) . Da der Ton der Vorspessartware nur wenig natürliche Magerungsbestandteile enthält, wurden ihm künstlich Magerungszuschläge in Form von Granitgruß, Quarzkörnchen und Glimmerpartikel zugesetzt. Eine noch ausstehende Analyse dieser Zuschlagstoffe könnte dazu beitragen, das Herstellungsgebiet der Vorspessartware genauer einzugrenzen. Bei der Zerkleinerung des Magerungsmaterials wurde wenig Sorgfalt verwandt. Die Gefäßoberfläche hat daher, bedingt durch hervortretende und ausgefallene Magerungsbestandteile, einen rauen und körnigen Charakter. Fragmente aus den Töpfereien bei Alzenau und in Seligenstadt sprechen dafür, dass die Vorspessartware als lokale Produktion in erster Linie für den Eigenbedarf hergestellt wurde. Ihre Machart ist in der Regel recht grob, doch lassen sich dieser Keramik auch fein gearbeitete Stücke zur Seite stellen. |
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Die Kartierung der "Vorspessartware" belegt die Abhängigkeit der Verbreitung der Keramik vom Transport auf dem Main. Die beiden bislang belegten Produktionsorte Dörsthöfe und Seligenstadt hatten unmittelbaren Zugang zu diesem Flussystem. |
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Die Übernahmen von Formen von Keramik aus dem rheinländischen Pingsdorf, die in jener Zeit mit großem Gewinn entlang des Rheins und des Mains gehandelt wurde, spricht dafür, dass man sich – wenn man sich schon nicht das teure Original leisten konnte – zumindest auf den ersten Blick identische „Raubkopien“ auf die heimische Anrichte stellen wollte. Noch wissen wir nicht, wo die Keramik gefertigt wurde, die auf dem „Alten Schloss“ in Gebrauch war. Die Keramiken aus dem Töpferabwurf einer Töpferei aus der Mitte des 13. Jahrhunderts von den Dörsthöfen bei Alzenau weisen zwar auffällige Übereinstimmungen in Form und Proportion auf (02) . Die Töpferei dürfte jedoch zu klein und zu weit entfernt gewesen sein, um für die Versorgung des Untermains zwischen Miltenberg und Aschaffenburg in Frage zu kommen. |
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Spätestens in der Mitte des 13. Jahrhunderts änderten sich im westlichen Spessart die Gefäßformen grundlegend. Sie lassen sich vergleichsweise leicht von der älteren Vorspessartware unterscheiden. Besonders augenfällig ist dieser Wandel in den nun umgeschlagenen, scharf profilierten Rändern. Die bis dahin gebräuchlichen linsenförmigen Böden werden durch glatt abgestrichene Böden ersetzt (04) . Der weiß brennende Scherben erhält im reduzierenden Brand eine grau schimmernde Oberfläche. Hinzukommen des Weiteren auch im Scherben gräulich bis schwarze Keramiken sowie Töpfe bei denen ein orangerot bis dunkelrot brennender Ton zum Einsatz kam. Dass auch im „Alten Schloss“ bei Kleinwallstadt in annähernd allen Befundzusammenhängen solche Scherben „neuer Machart“ vorkommen, lässt Rückschlüsse auf den Zeitpunkt der Besiedlung der Burgstelle zu. Er kann in das zweite Drittel des 13. Jahrhunderts gelegt werden. |
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Weiterführende Literatur: Isenberg/Peine 1998: Krauskopf 1995: Rosmanitz 2006: Van der Leeuw 1975:S. E. van der Leeuw, Medieval Pottery from Haarlem: a Model, in: Rotterdam Papers II. A Contribution to Medieval Archaeology (Rotterdam 1975), S. 67ff. Wamser 1991:L. Wamser, Befestigte Anlagen des frühen bis späten Mittelalters in den Ruinen des Römerkastells Miltenberg-Altstadt, in: Burgen der Salierzeit, Teil 2. In den südlichen Landschaften des Reiches, hg. von Horst Wolfgang Böhme, (Sigmaringen 1991), S. 235ff. Wintergerst 2002: |
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