Der Knochenkamm hat eine Höhe von 12,1cm, eine Breite von 3,6 cm und eine Tiefe von bis zu 9,0 cm.


Im Inneren der Oberburg konnte im Jahre 2007 ein fragmentierter Langzinkenkamm geborgen werden.

Diese Art von Kämmen wurden so hergestellt, daß man bei den gereinigten und gekochten Mittelfußknochen von Rindern eines der Gelenkenden abtrennte. Der Knochen wurde dann in Längsrichtung aufgesägt, die flachere Hälfte dann mit Hilfe eines Ziehmessers und einer Säge zu einem Kamm gearbeitet. Das Griffstück konnte noch durchbohrt werden, wie dies bei dem einen Exemplar geschehen ist.

Um einen Langzinkenkamm herzustellen, musste der Knochen um die Gelenkenden des Mittelfuß- bzw. Mittelhandknochens eines Rindes von Fleisch und Sehnen befreit werden. Danach wurde er durch Kochen entfettet, ein Gelenkende abgeschlagen und in Längsrichtung aufgesägt. Die verbliebene äußere Rundung wurde mit dem Ziehmesser geglättet. Nach der Politur konnte man die langen Zinken einsägen.


Die Säuberung der Haare von Ungeziefer war im Mittelalter eine notwendige Tätigkeit. Neben Bürsten kamen dabei vor allem Kämme zum Einsatz.


Bislang ist die Forschung uneins, welchen Zweck die Langzinkenkämme ursprünglich hatten. Die Vermutung, dass Langzinkenkämme bei der Textilverarbeitung zum Anschlagen und Auskämmen der Fäden zum Einsatz kamen, erweist sich aufgrund der rauen Zwischenräume zwischen den Zinken als kaum praktikabel. Am ehesten könnten sie als Haarkamm oder zum Aufstecken der Haartracht gedient haben.

In jedem Fall waren sie leicht herzustellen, und das Rohmaterial fiel in größeren Mengen an. Dass sogar auf Burgen Knochen verarbeitet wurden, zeigen die zahlreichen Halbfabrikate und Abfallstücke, die bei den Grabungen auf der Burg Bartenstein bei Partenstein im Spessart in den vergangenen Jahren geborgen werden konnten.

Die Mehrzahl der bislang publizierten Langzinkenkämme lassen sich in die zweite Hälfte des 12, und in die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts datieren.


Ein Kammacher beim Sägen von Dreilagenkämme (1568).


Weiterführende Literatur:

Betty Arndt u. Andreas Ströbl, Abfälle eines Knochenschnitzers im hochmittelalterlichen „gutingi“. Archäologie in Niedersachsen 8, 2005, 45-49;

Andreas König, Die archäologischen Funde der Rathausgrabung in Höxter aus den Jahren 1988 bis 1992. In: Georg Ulrich Großmann (Hg.), Das Rathaus in Höxter. Schriften des Weserrenaissance-Museums Schloß Brake 7 (München/Berlin 1994), 186-189;

Doris Mührenberg, Archäologische Belege für das Handwerk in Lübeck. In: Ralph Röber (Hg.), Von Schmieden, Würflern und Schreinern. Städtisches Handwerk im Mittelalter. ALManach 4 (Stuttgart 1999), 48f;

Stefan Teuber u. Andreas Heege, Knochenschnitzer und Kammacher. In: Andreas Heege, Einbeck im Mittelalter. Eine archäologisch-historische Spurensuche. Studien zur Einbecker Geschichte Bd. 17. (Oldenburg 2002), 300-303;

Ingrid Ulbricht, Die Verarbeitung von Knochen, Geweih und Horn im mittelalterlichen Schleswig. Ausgrabungen in Schleswig. Berichte und Studien 3 (Neumünster 1984), 17-36