"... Wie oft weilte ich sinnend an der Stelle, wo ehemals das Kleinwallstadter Waldschloß gestanden. Keinen Stein hat man hier von dem ehemals prächtigen Bau, welcher vom Hochplateau weit ins Maintal hinausblickte, gelassen. Jede Erinnerung an die ehemalige Herrlichkeit haben die Nachkommen verwischt; gewiß ein grober Undank gegen die ehemals durch Jahrhunderte berühmte Adelsfamilie von Kleinwallstadt, welche da gesessen..." (1). |
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Mit diesen Worten beginnt die Ortschronik des Benefiziaten Heinrich Kilian und weist dabei auf die Zerstörungen hin, welche die Überreste des „Alten Schlosses“ in Kleinwallstadt durch Raubgrabungen und systematischen Steinabbau erfahren hatten. Wie andere Burgen im Spessart war auch das „Alte Schloss“ Forschungsobjekt für Heimatforscher, Historiker und Hobbyarchäologen. Anhand von Zeitungsartikeln und Archivdokumenten soll im Folgenden versucht werden, die Forschungsgeschichte des 20. Jahrhunderts nachzuvollziehen (2). Der Obernburger / Klingenberger Bote vom 19. Januar 1893 berichtet, dass der damalige Bahnmeister und einige Einwohner Kleinwallstadts Grabungen „nach den Überresten einer Römerbefestigung oder einer alten Raubritterburg“ durchgeführt haben.Dabei sei ein „mächtiges Kellergewölbe“ gefunden worden (03). Einen weiteren nicht näher beschriebenen Hinweis auf Grabungstätigkeit im 19. Jahrhundert enthält das Werk von Björn-Uwe Abels. Bei den Bodendenkmälern Kleinwallstadts ist auch der Burgstall „Altes Schloss“ aufgeführt. Hier ist von einer Grabung die Rede, die im 19. Jahrhundert von E. v. Haxthausen durchgeführt worden sein soll. Wann genau dies war und welche Ergebnisse die Grabung brachte, wird nicht erwähnt. Abels gibt an, dass die Funde in die Prähistorische Staatssammlung in München gelangten (04). Nach Auskunft der PStslg. München ist diese Angabe jedoch nicht korrekt (05). 1905 wird im Briefwechsel zwischen dem Bezirksamt Obernburg und der Regierung von Unterfranken bzw. dem Generalkonservator von Franken und Unterfranken ein „Reliefdenkstein“ aus Kleinwallstadt erwähnt (06). Dieser Stein wurde in die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts datiert. Nach dem Willen des Generalkonservators sollte er, falls er an seinem derzeitigen Platz gefährdet sein sollte, in ein Museum verlagert werden (07). Im Januar 1932 wurden von dem damaligen Benefiziaten Heinrich Kilian Ausgrabungen an den Überresten des „Alten Schlosses“ durchgeführt. Kilian war kein Archäologe, sondern hatte lediglich „4 Semester Archäologie und Kunstwissenschaft an der Hochschule mit Eifer“ studiert (08). Er war zudem Verfasser zweier heimatgeschichtlicher Werke und sah seine „prähistorischen, archeologischen sowie allgemeinen Kunstkenntnisse“ dadurch als „lobend anerkannt“ an(09). Kilian beschrieb sein Vorhaben auf folgende Weise: |
"... Unser altes Waldschloss-Falkenburg haben unsere Vorfahren dem Untergang geweiht und um ihre Sünde zu verdecken den Schlossplatz mit Waldpflanzung angelegt. Der Unterzeichnete mit einer Schar Gleichgesinnter, ausser anderen Herr Bürgermeister, Herr Oberforstmeister, der Verein Spessart möchten nun den alten Schlossplatz von Gehölz säubern und noch retten was zu retten wäre. Der Unterzeichnete hat bereits den Schlossplatz nach Möglichkeit ausgeforstet und dabei noch Riesenmauerreste […] festgestellt. Diese Mauerreste sollen nun freigelegt, der ganze Schlossplatz nach der Säuberung in eine Gartenanlage verwandelt und aus den noch frei umherliegenden Steinen ein bescheidener Aussichtsturm gebaut werden ..." (10). |
Am 13. Januar 1932 wurde der Würzburger Hauptkonservator Georg Hock über die bereits laufenden Grabungen informiert (11). Hock gab sofort seine ablehnende Haltung zur Kenntnis: |
"... Grabungen an derartigen Objekten, von Laien unternommen, endigen fast immer resultatlos und verursachen nur unnütze Kosten und Mühen, abgesehen davon, dass die dabei ausgegrabenen und freigelegten Bauteile in kurzer Zeit der Vernichtung anheimfallen. Materiell wertvolle Funde sind nach aller Ansicht nicht zu erwarten. Eine Untersuchung durch einen wirklichen Fachmann, der über die nötige praktische Erfahrung verfügt, könnte im besten Falle gewisse baugeschichtliche Aufschlüsse zeitigen, deren Bedeutung jedoch wahrscheinlich in keinem Verhältnis stünde zu den erheblichen Mitteln, welche dabei benötigt werden..." (12). |
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Hock empfahl daher „dringend, den Kleinwallstädter Burgstall möglichst in Ruhe zu lassen“, um eine bestmögliche Erhaltung für die Nachwelt zu gewährleisten (13). Er fügte hinzu, dass er nur dann bereit sei, weitere Grabungen zu genehmigen, wenn ein Archäologe mit der Leitung beauftragt würde. Dies sei auch im Denkmalschutzgesetz von 1908 so vorgesehen (14). Kilian versuchte daraufhin Hock zu besänftigen und teilte ihm mit, dass nur so viel gegraben worden sei, wie es für eine fachliche Beurteilung von Seiten des Hauptkonservators nötig sei. Dabei habe man eine Grundmauer freigelegt, die Kilian korrekterweise als Umfassungsmauer interpretierte. Diese Mauer habe eine vieleckige Form mit einem Umfang von 69 m gehabt. Ihr seien zu beiden Seiten „Geröllmassen“ vorgelagert gewesen, die „zu 2/3 [aus] Steine[n], 1/3 gewachsene[r] Erde“ bestanden haben (15). Unter den gefundenen Gegenständen seien „Knochenreste, Ziegelstücke, Scherben, ein alter eiserner Löffel, usw.“(16) gewesen. Zudem habe man „an der nordwestlichen Seite der Umfassung statt regelrechtem Mauerwerk ein Steindach“ mit einer Breite von 1,4 m gefunden (17). Die Länge des bis dahin freigelegten Dachfirstes habe drei Meter betragen. Kilian betonte, dass er bei den Grabungen „mit äußerster Vorsicht“ vorgegangen sei und auch die beteiligten Arbeiter „zum ruhigen umsichtigen Vorgehen“ ermahnt habe (18). Außerdem habe er Zeichnungen und Messungen der Befunde angefertigt (19). Zugleich bat er den Hauptkonservator Hock um eine Begutachtung der Resultate der Grabung (20). In einem weiteren Brief an das Bezirksamt Obernburg verteidigte Kilian zudem seine Grabung: |
"... Die nach kurzer Grabung freigelegte grosse Mauer zeitigte ein Resultat, wozu die Mitwelt durch Oeffnen der Erde ein volles Anrecht, sowie Konservierungspflicht hat und nicht der Nachwelt durch Erdruhe aufbewahrt zu werden braucht ..." (21). |
Am 20. Januar 1932 besichtigte der Regierungsbaurat Oppenländer vom Landbauamt Aschaffenburg die Grabungsarbeiten. Er beschreibt die Überreste der Burg als „verfallenen Ringwall mit einem Durchmesser von 50 m“ (22). Zum Zeitpunkt seines Besuches seien einige Mauerreste bereits komplett freigelegt gewesen, andere nur im oberen Bereich. Die Mauern haben aus 18-20 cm breiten, 25-30 cm hohen und 40 cm tiefen roten und weißen Sandbruchsteinen bestanden und haben an vier Stellen Mauerpfeiler als Verstärkung aufgewiesen (23). Oppenländer vermutete zudem, den Eingang zur Anlage gefunden zu haben. Er datierte die Überreste der Burg in romanische Zeit. Der Regierungsbaurat fügt schließlich hinzu, dass „vor etwa 30 Jahren schon einmal von einem Förster nach einem Keller gegraben worden“ sei (24). Jedoch sei nichts gefunden worden. An der damaligen Grabungsstelle sei anschließend „ein Kranz von Fichten angepflanzt“ worden (25). Ende Februar 1932 intervenierte der Bezirksoberamtmann Richter bei Hock, indem er ihn bat, bei einer persönlichen Besichtigung der Ausgrabungen eine Kompromisslösung mit Kilian zu suchen. Richter lobte gleichzeitig die „ohne Zweifel hervorragende[n] Verdienste“ des Benefiziaten, welche dieser sich durch „die Erforschung der Heimatgeschichte in Kleinwallstadt“ erworben habe(26). Er pries den „Idealismus“ Kilians und dessen „Eifer und Begeisterung […], die vom vaterländischen und erzieherischen Standpunkt aus wärmste Förderung verdient“ (27). Zudem habe Kilian „schon erhebliche finanzielle Opfer bei der Verfolgung seiner Aufgabe gebracht“ (28). Nach dem hierauf erfolgten Besuch Hocks legte der Hauptkonservator einen Maßnahmenkatalog vor. So sollten „einige für das Verständnis des Burgberings und der Mauertechnik geeignete Mauerteile – besonders die […] im Osten – durch Abmauerung in Kalkmörtel konserviert werden“ (29). Die übrigen freigelegten Mauerreste sollten wieder mit Erde zugedeckt werden, um sie vor weiterem Verfall zu schützen. Zudem sollte die Ringmauer durch das Landbauamt Aschaffenburg vermessen werden (30). Hock plante außerdem den „Anschluss des viereckigen Innengebäudes an die Ringmauer“ festzustellen und „eine bis jetzt noch unverständliche Mauerpartie (Tor?) auf der Südostseite durch weitere Grabung“ zu klären (31). Der Hauptkonservator wollte einen Teil der Grabungen selbst leiten und auch die Konservierungsarbeiten dem Landbauamt unterstellen (32). Diese Pläne wurden nicht umgesetzt. Als weiteres Ergebnis der Grabungen Kilians beschreibt das von der Marktgemeinde Kleinwallstadt im Jahre 1983 herausgegebene Buch „Liebes altes Dorf“ den Fund eines Steines mit dem Wappen der Focke (33). Die Heimatforscherin Gudrun Berninger erwähnt ebenfalls einen Stein mit dem Wappen der Focke, den Kilian während seiner Grabungen auf dem „Alten Schloss“ gefunden haben soll. Berninger habe begonnen, nach diesem Stein zu suchen und habe von dem damaligen Bürgermeister Korb erfahren, der Stein stünde in einem Blumenbeet der Roheschen Pfründeanstalt in Kleinwallstadt. Berninger habe sich daraufhin zur Anstalt begeben und von der dortigen Oberschwester erfahren, dass der Stein schon vor einiger Zeit aus Unwissenheit auf der Müllkippe gelandet sei (34). Kilian habe während seiner Grabungen zudem auch „ein breites, einem Brunnenschacht ähnliches Loch“ gefunden (35). Dieser Schacht sei so tief gewesen, dass ein Fichtenstamm, den man hineingestoßen habe, erst nach einigen Sekunden auf dem Boden angekommen sei (36). |
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Interessant ist zudem, dass Kilian die Burg zunächst als „Ruine Falkenberg“ bzw. „Falkenburg bezeichnet (37). Erklärend fügt er hinzu, dass er diesen Namen „weder in Urkunden, noch in der lebendigen Tradition [habe] finden können“ (38). Zwei ehemalige Jagdpächter, ein Buchhändler und ein Justizrat, haben ihre Jagdhütte im Bereich des „Alten Schlosses“ so genannt, weil sie diesen Namen nach eigenen Angaben in alten Urkunden gelesen haben. So gibt auch Kilian zu, dass „sein geschichtlicher Hintergrund noch nicht ausreichend verbürgt“ sei (39). In den übrigen Dokumenten bezüglich des „Alten Schlosses“ in Kleinwallstadt wird die Bezeichnung Falkenberg bzw. Falkenburg stets nur von Kilian erwähnt (40). Es existiert zwar eine Burg Falkenberg, die heute nicht mehr genau zu lokalisieren ist, jedoch mit großer Wahrscheinlichkeit auf einer Erhebung bei Erlabrunn stand (41). Daher entbehrt die Bezeichnung Falkenberg bzw. Falkenburg für das „Alte Schloss“ in Kleinwallstadt jeder historischen Grundlage. 1990 wurden von Privatpersonen aus Kleinwallstadt erneut Grabungen am „Alten Schloss“ durchgeführt. Archäologisches Fachpersonal nahm an den Arbeiten nicht teil, eine Genehmigung vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege (LfD) lag ebenfalls nicht vor. Die Grabungen wurden nach einem Ortstermin durch das LfD unter Androhung von strafrechtlichen Konsequenzen eingestellt. Eine Wiederverfüllung der großflächigen Schlurfe unterblieb jedoch. Wie aus einem Schreiben des LfD an den Landrat Roland Schwing im Jahre 1991 hervorgeht, wurden bei den Grabungen Mauerreste freigelegt. Ob darüber hinaus Funde gemacht wurden, geht aus dem Schreiben nicht hervor (42). |
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Von Räubern, Glöckchen und Geheimgängen
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Wie um viele Ruinen ranken sich auch um die Überreste des „Alten Schlosses“ Sagen und Legenden. Eine von ihnen handelt von Räubern. Dieser Sage nach wurden die ursprünglichen Herren der Burg von ihrem Sitz vertrieben. Wenig später zogen Räuber in die Gemäuer. Sie spannten Schnüre, die mit Glöckchen besetzt waren, über die Straße. Wenn Wandernde vorüberzogen, brachten sie die Glöckchen zum Klingen und die in der Nähe lauernden Räuber stürmten zur Straße, um die Reisenden auszurauben. Eines Tages überfielen die Einwohner der umliegenden Orte den Unterschlupf der Räuber und zerstörten ihn. Seitdem soll man im Wald um Mitternacht die Glöckchen noch immer klingen hören (43) Wolfgang Hartmann sieht einen Kern Wahrheit in dieser Legende: |
"... Es gibt auch sonst keine kartografischen Hinweise dafür, daß das „Alte Schloß“ bei Kleinwallstadt im 16. Jahrhundert mehr war als ein längst mit Wald überwachsener Burgstall, von dem – hier durchaus glaubwürdig – die Sage berichtet, daß er räuberischem Gesindel als Unterschlupf gedient habe ..." (44). |
Hartmann weist in diesem Zusammenhang auf spätmittelalterliche Scherben hin, die während Raubgrabungen 1991 entdeckt worden sein sollen (45). Eine weitere Sage beschreibt einen unterirdischen Gang, der von der Burg zum sogenannten Templerhaus(46) in Kleinwallstadt führen soll. Fahrer von Fuhrwerken berichteten bis in die 1920er Jahre von einem dumpfen Geräusch, wenn sie über eine bestimmte Stelle am Hausener Weg fuhren. Dies soll durch den Geheimgang verursacht worden sein. Zwar gab es einen unterirdischen Gang vom Templerhaus aus, doch dürfte es sich dabei um einen zur Kirche weisenden Keller handeln (47). |
Die Fockes und die Waldenberger
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Auf die mangelnde Sachkenntnis des Benefiziaten ist bereits hingewiesen worden. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass die heutige Geschichtsforschung seine Zuweisung der Burg zum Geschlecht der Focke ablehnt, da sie urkundlich nicht belegbar ist. Verbindungen der Focke zu Kleinwallstadt sind erst ab dem 15. Jahrhundert nachweisbar. Den Namen Wallstadt nahmen die Focke gar erst im 16. Jahrhundert an (52). Da die Grabungen von 2006 und 2007 eindeutig zeigten, dass die Burg im zweiten Drittel des 13. Jahrhunderts niedergelegt wurde, kann man das Geschlecht der Focke als Besitzer der Burg archäologisch ausschließen. Es sind zwei Urkunden bekannt, die eine Burg Waldenberc oder Waleberc erwähnen (53). Nach Wolfgang Hartmann werden diese Bezeichnungen seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in der Forschungsliteratur häufig dem „Alten Schloss“ in Kleinwallstadt zugeordnet (54). Wann und von wem die Burg tatsächlich erbaut wurde, ist aus den Urkunden nicht ersichtlich. Hartmann geht davon aus, dass die Anlage „in den Jahren nach 1183“ entstand(55). Als Auftraggeber benennt er den Mainzer Erzbischof Konrad von Wittelsbach, der die Burg nach Beginn seiner zweiten Amtszeit 1183 durch den Aschaffenburger Vizedom Konrad von Wallstadt errichten ließ, der sich fortan als Konrad von Waldenberg bezeichnete. Nach Hartmann wurde die Burg als „erzstiftische Trutzveste“ gegen staufische Stützpunkte in der Umgebung gebaut (56). Als Grundlage für seine These sieht Hartmann die Urkunde aus dem Jahre 1227, in der erwähnt wird, der Mainzer Erzbischof Siegfried II. von Eppstein habe die Burg von seinem Vorgänger Konrad von Wittelsbach bekommen, dessen zweites Episkopat 1183-1200 dauerte (57). Grathoff hingegen vermutet die Gründung der Burg während des Episkopats von Christian I. von Buch (1165-1183). Als Erbauer sieht auch Grathoff Konrad von Waldenberg, der allerdings nicht im Auftrag des Mainzer Erzbischofs sondern auf eigene Faust gehandelt haben soll (58). Als Erzbischof Konrad von Wittelsbach nach dem Rückkehr aus seinem Exil seine zweite Amtszeit 1183 begann, konnte er die eigenmächtig errichtete Burg nur akzeptieren, indem sie in seine Lehnsherrschaft überging, Konrad von Waldenberg erhielt sie jedoch als Amtslehen zurück (59). Nach dem Tod Konrads von Waldenberg wurde die Burg zur Hälfte dem Aschaffenburger Viztum unterstellt. Die andere Hälfte wurde zunächst weiterhin als Lehen an die Familie der Waldenberger vergeben (60). Grathoff basiert seine Theorie, demnach Konrad von Waldenberg die Burg vor 1183 auf eigene Faust errichtet habe, auf eine Urkunde, in der Erzbischof Konrad Bilanz über die Güter zieht, die während seines Exils 1165-1183 verloren gegangen waren und über den Besitz, den er nach 1183 zurück- oder hinzuerwerben konnte. In dieser Urkunde wird die Burg Waldenberg nicht namentlich erwähnt. Es ist lediglich von einer Anlage in portis Aschafinburc die Rede, die Vizedom Konrad errichtet habe (61). Da Kleinwallstadt etwa 10 km von Aschaffenburg entfernt liegt, sieht es Thomas Steinmetz als unwahrscheinlich an, dass es sich hierbei um die Burg Waldenberg handelt. Steinmetz vermutet, und dabei schließt er sich der Auffassung Hartmanns an, dass die erwähnte Passage der Urkunde sich auf die Burg Kugelberg bei Aschaffenburg bezieht. Beide gehen davon aus, dass allein schon die räumliche Nähe der Burg Kugelberg zu Aschaffenburg den Ausdruck in portis Aschafinburc gerechtfertigt (62). Hartmann sieht in Konrad, dem Erbauer der Burg Kugelberg, den Vater des Konrads, der später die Burg Waldenberg errichten sollte (63). Eine Urkunde aus dem Jahre 1227 überliefert, dass Friedrich von Kälberau die Burg Waldenberg als Lehen erhielt. Zuvor hatte die Burg, wie bereits erwähnt, dem Aschaffenburger Vizedom Konrad von Waldenberg gehört, der in den Quellen letztmals 1225 genannt wird (64). Möglicherweise starb er zwischen 1225 und 1227 oder verlor sein Lehen auf eine andere nicht überlieferte Weise, so dass es wieder an das Bistum Mainz zurückfiel. Die Waldenberger büßten ohnehin zu Beginn des 13. Jahrhunderts stark an Einfluss und Macht ein. So verloren sie zwischen 1200 und 1225 das Amt des Vizedoms, Lehen des Aschaffenburger Kollegialstifts und schließlich die Burg Waldenberg (65). Hartmann sieht eine mögliche Ursache für diesen Machtverlust in der Nähe der Waldenberger zu den Grafen von Rieneck, mit denen das Bistum Mainz in einem erbitterten Machtkampf lag (66) |
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Mainz gegen Rieneck |
Die Grafen von Rieneck werden von Gerhard, Burggraf von Mainz am Ende des 11. Jahrhunderts, abgeleitet. Dieser hatte eine Tochter, die den Grafen Arnold von Loon heiratete. Die Grafen von Loon-Rieneck bildeten einen Zweig der Nachkommen aus dieser Verbindung (67). Die Bezeichnung Graf von Rieneck ist zum ersten Mal für Ludwig I. von Loon in einer auf das Jahr 1157 datierten Urkunde bezeugt (68). Die Bezeichnung „Rieneck“ stammt von der Pfalzgrafschaft Rheineck am Rhein und sollte vermutlich das Bestreben der Grafen von Loon-Rieneck verdeutlichen, diese Pfalzgrafschaft für sich zu beanspruchen. Zwischen den Geschlechtern Loon und Rheineck ist eine entfernte Verwandtschaft belegt. Dies ist jedoch noch keine ausreichende Grundlage für einen Besitzanspruch oder für die Namensänderung. Daher vermutet die Forschung, dass es engere Verbindungen in Form von Ehen zwischen den beiden Häusern gegeben haben muss, die jedoch archivalisch nicht nachweisbar sind (69). Bis 1197 bauten die Grafen von Loon-Rieneck ihre Herrschaft am Main aus. Nach dem Tod Gerhards II. 1197 teilten seine beiden Söhne Gerhard III. und Ludwig die Grafschaftsteile Loon und Rieneck untereinander auf und nannten sich dementsprechend Gerhard von Rieneck und Ludwig von Loon. Das Kerngebiet des Grafschaftsteiles Rieneck war die Region zwischen Neustadt und Gemünden, dessen Zentrum bildete Lohr. Bis zum Ende der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts konnten die Rienecker ihr Herrschaftsgebiet im Spessart durch eine geschickte Heirats- und Expansionspolitik erweitern. Grundlage der territorialen Expansion waren befestigte Burgen. So errichtete man die erstmals 1179 erwähnte Burg Rieneck an der Sinn im heutigen Unterfranken zur Kontrolle der Birkenhainer Straße. Dieses Gebiet gehörte auch zur Interessensphäre von Würzburg und Fulda. Die Burg Rieneck markiert somit einen deutlichen Anspruch der Rienecker in dieser Region gegenüber ihren Konkurrenten. Weitere Siedlungs- und Burggründungen an strategisch wichtigen Punkten des Spessarts folgten. Wirtschaftliche Grundlage dieser Expansionspolitik bildeten die bäuerlichen Abgaben, die florierenden Siedlungen, Zölle, Einnahmen aus Forst- und Landwirtschaft, Bergbau und nicht zuletzt die Einnahmen aus der Eisen- und Glasproduktion (70). Die Expansionsbestrebungen der Rienecker führten schließlich zum Konflikt mit dem Bistum Mainz, das ebenfalls am Spessart interessiert war. Besonders Rodungen und der bereits erwähnte Bau von Befestigungsanlagen durch die Rienecker auf Territorien, die das Bistum für sich beanspruchte, war den Mainzern ein Dorn im Auge (71). Weiteres Konfliktpotenzial barg die Tatsache, dass die Grafen von Rieneck dem Bistum Mainz vermutlich bereits seit dem 12. Jahrhundert lehenspflichtig waren. Nach der Trennung der Grafschaftsteile Loon und Rieneck versuchte man, sich so weit wie möglich aus der Lehnshoheit der Mainzer zu lösen (72). Wie die nun folgenden Urkunden belegen, konnte sich Mainz schließlich gegen die Grafen durchsetzen. Im Jahre 1260 wurde ein Vertrag zwischen dem Bistum Mainz und den Grafen von Rieneck geschlossen, in dem sich die Rienecker verpflichten mussten, keine Befestigungsanlagen außerhalb ihres Territoriums zu errichten (73). In einer zweiten, auf den Juli 1261 datierten Urkunde wird dieses Bauverbot auch auf rieneckisches Gebiet ausgeweitet. Die Urkunde deutet darauf hin, dass das Bistum nun nicht nur die Errichtung weiterer Burgen verbot, sondern dass es auch nicht bereit war, schon existierende Anlagen der Rienecker außerhalb von deren Gebieten hinzunehmen. In diesem Zusammenhang wird die zu dem Zeitpunkt bereits erfolgte Schleifung der Burg Landesehre erwähnt, die wir zumindest aus archäologischer Sicht nach den Grabungen 2007 auf dem Gräfenberg bei Hösbach-Rottenberg vermuten (74). |
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Im Spätjahr 2007 wurden vom Archäologischen Spessartprojekt die Reste der Burg auf dem Gräfenberg ergraben. Möglicherweise handelt es sich hierbei um die Rieneckische Festung Landesehre. |
Wie bereits erwähnt, erhielt Friedrich von Kälberau die Burg Waldenberg 1227 als Lehen. Theodor Ruf vermutet, dass die Kälberauer ursprünglich Vasallen der Grafen von Rieneck waren, sich jedoch gegen ihre Lehnsherren wandten und versuchten, ihr Territorium auf deren Kosten auszuweiten, wobei sie vom Bistum Mainz unterstützt wurden (76). Hartmann leitet aus dieser Vermutung Rufs eventuelle Ansprüche der Rienecker auf das Erbe Friedrichs von Kälberau, wozu auch die Burg Waldenberg gehörte. Hartmann sieht zum Zeitpunkt der Belehnung Friedrichs von Kälberau mit der Burg Waldenberg einen Wendepunkt ihrer Politik gegenüber den Grafen von Rieneck. Da die Rienecker in der Umgebung von Kleinwallstadt zahlreiche Besitzungen hatten und sich durch die Gründung des Klosters Himmelthal (1232) und der Burg Wildenstein (77) ein Machtzentrum in der Region erschaffen hatten, hatte nach Hartmann die Burg Waldenberg einen großen strategischen Wert im Kampf des Mainzer Erzbischofs gegen die Grafen von Rieneck (78). Die Auseinandersetzungen zwischen den Grafen von Rieneck und der Familie Kälberau führten wohl zu kriegerischen Auseinandersetzungen, in deren Zuge die Burg Rannenberg, die sich im Besitz der Kälberauer befunden hatte, von den Rieneckern erobert wurde. 1266 mussten sich die Rienecker in einem Vertrag mit dem Bistum Mainz verpflichten, diese Burg aufzugeben und niederlegen zu lassen. Ob dies tatsächlich erfolgte, ist heute nicht mehr nachvollziehbar (79). Die letzte Nennung der Burg Waldenberg ist im Jahre 1230. Der Mainzer Erzbischof Siegfried erwähnt, er habe die Burg einst zur Stärkung des Bistums Mainz erworben (80). Diese Episode des Machtkampfes der Grafen von Rieneck mit den Kälberauern bzw. dem Bistum Mainz könnte wertvolle Hinweise auf das Schicksal aber auch auf die Diskussion um den Standort der Burg Waldenberg liefern. Möglicherweise teilte sie ihr Schicksal mit der Burg Rannenberg und wurde von den Rieneckern erobert, musste dann jedoch wie die Burg Rannenberg aufgegeben und geschleift werden. |
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Fazit |
Die Theorie Grathoffs ist aus historischer Sicht eher unwahrscheinlich. Bei der Burg in der Urkunde, auf die er sich bezieht, handelt es sich vermutlich nicht um das „Alte Schloss“ bei Kleinwallstadt sondern um die Burg Kugelberg. Der archäologische Befund in Kleinwallstadt bestätigt diese Annahme. Die Datierung der Funde weist die Anlage in die Mitte des 13. Jahrhunderts. Nach der Theorie Grathoffs hätte die Anlage etwa 80 Jahre bestehen müssen. Es gibt keinerlei archäologische Hinweise darauf, dass dies tatsächlich der Fall war. Somit ist die Annahme Grathoffs sowohl von historischer als auch von archäologischer Seite auszuschließen. Hartmanns Thesen lassen sich folgendermaßen zusammenfassen: Die Burg Waldenberg wurde während des Episkopats Konrads von Wittelsbach (1183-1200) auf dessen Geheiß vom Aschaffenburger Vizedom Konrad als Gegenburg zu staufischen Besitzungen errichtet. 1227 wurde die Anlage Friedrich von Kälberau als Lehen vergeben. Friedrich von Kälberau wandte sich zu diesem Zeitpunkt gegen die Rienecker. Die Burg Waldenberg wurde daher als mainzischer Stützpunkt gegen die rieneckischen Besitzungen in der Umgebung genutzt und wurde im Zuge dieser Streitigkeiten von den Rieneckern zerstört (81). Kemethmüller folgt vorsichtig der Argumentation Hartmanns und geht ebenfalls davon aus, dass die Anlage in dem Zeitraum 1183-1200 bereits existiert haben muss. Hartmanns Überlegungen über die Erbauer der Burg bezeichnet Kemethmüller jedoch als „zwar schlüssig, aber letztlich auch spekulativ.“(82). Anhand der während der Grabungskampagnen 2006 und 2007 festgestellten Befunden lässt sich von archäologischer Seite Folgendes feststellen: Das „Alte Schloss“ war keine gewachsene Burg, die sich aus einer Niederadelsburg in der Art der Ketzelburg in Haibach entwickelte. Eine Vorgängeranlage ist nicht nachweisbar. Wie aus dem homogenen Fundmaterial und der einheitlichen Gestalt der Befunde, insbesondere der Ringmauer, ersichtlich ist, wurde die Burg in einem Zug erbaut. Die Errichtung erfolgte sehr effektiv und dürfte auch sehr schnell vor sich gegangen sein. Der Bau des „Alten Schlosses“ erforderte enormes Kapital, mussten doch Baumaterialen wie Mauersteine, Mörtel und Ziegel über vergleichsweise weite Entfernungen herantransportiert werden. Zudem konnte die Bauleistung nicht im Rahmen der Lehenspflicht der ortsansässigen Untertanen geleistet werden. Somit mussten also Fachkräfte wie Transportunternehmer, Steinmetze, Ziegler, Steinbruchbetreiber zumindest befristet „eingekauft“ werden. Für ein solches Gewerk kommen als Investoren am ehesten der Erzbischof von Mainz, die Grafen vor Rieneck oder beider Gefolgsleute in Frage. Dennoch war die Burg nur eine kurze Zeit im Betrieb. Hierfür sprechen sowohl die Befunde als auch das Fundmaterial. Nach der Errichtung der Ringmauer haben wir lediglich an zwei Stellen eine zweite Phase feststellen können. Zum einen konnte in Schnitt 2 die Errichtung eines Fachwerkhauses anstelle eines ursprünglich geplanten Wohnturms nachgewiesen werden (Periode 2a). Aller Wahrscheinlichkeit nach kann man hierbei von einem Konzeptionswechsel während des Baus sprechen, die eine statische Ursache hatte. Möglicherweise musste man an dieser Stelle dem Lössboden Rechnung tragen und gab die Errichtung eines massiven Steinbaus zu Gunsten einer vergleichsweise leichten Holz-Lehm-Konstruktion auf. Zum anderen konnte eine Zweiphasigkeit bei einem der Ringmauer östlich vorgelagerten Graben in Schnitt 3 nachgewiesen werden (Periode 2b). Auch die Funde sprechen für eine kurzfristige Belegung der Anlage. Das Material erweist sich als erstaunlich homogen. Im Allgemeinen sind die Rand- und Bodenausprägungen der Keramik extrem homogen. Vergleicht man diese Funde mit entsprechenden Keramiken aus Seligenstadt (83), vom Theaterplatz in Aschaffenburg oder von der Ketzelburg in Haibach (84), kann eine Datierung der Keramikfunde vom „Alten Schloss“ in Kleinwallstadt in das 12. Jahrhundert ausgeschlossen werden. Dies wird ebenfalls bei den Becherkacheln deutlich. Sie weisen durchweg eine tütenartige Form mit gekniffenem Fuß auf und reagieren damit typologisch nicht auf die im 13. Jahrhundert für den Rhein-Main-Raum nachgewiesene kontinuierliche Formenentwicklung hin zu zylindrischen Becherkacheln mit breitem, mit einem Schneidedraht abgeschnittenem Fuß. Auch weiteres Fundmaterial wie ein Stachelsporn, Schnallen und Messingappliken datieren die Erbauungs-, Nutzungs-, und Zerstörungszeit der Burg relativ exakt in das zweite Drittel des 13. Jahrhunderts. Diese Datierung steht in Widerspruch zu den Überlegungen von Wolfgang Hartmann, der eine Nutzungszeit von etwa 1180-1260 vermutet (85) . Einen weiteren Hinweis für die kurzfristige Laufzeit der Burg liefert die Beobachtung, dass zum Zeitpunkt ihrer Zerstörung die Anlage zwar von außen gesehen vollendet war, im Inneren jedoch die Bautätigkeiten noch längst nicht abgeschlossen waren. Die Wehrhaftigkeit der Burg war vollständig gewährleistet. Sie besaß bereits sämtliche Elemente einer uneinnehmbaren Festung: eine hohe Ringmauer mit einem ziegelgedeckten Wehrgang und eine Zugangssituation in Form der korridorartigen Rampe. Andererseits war im Inneren der Burg durchaus sichtbar, dass die Anlage noch in der Aufbauphase war. Lediglich in Schnitt 1d war der Untergrund durch ein Pflaster befestigt, ansonsten bestand die Innenbebauung aus auf schwachen Fundamenten errichteten Fachwerkbauten, die zwar luxuriös ausgestattet waren (Glasscheiben, Kachelöfen), aber auch damals keinesfalls dem „burgentypischen“ Standard jener Zeit entsprochen haben dürften, wie wir es beispielsweise von Schloss Rothenfels kennen (86). Im Innenbereich des „Alten Schlosses“ war die Phase der „Steinwerdung“ zum Zeitpunkt der Zerstörung noch nicht abgeschlossen. Palas, Kemenate und die übrigen Gebäude waren noch nicht durch steinerne Bauten ersetzt. Die massiven Zerstörungen am „Alten Schloss“ weisen Parallelen zur Landesehre auf dem Gräfenberg bei Hösbach-Rottenberg auf. Das „Alte Schloss“ wurde systematisch und außerordentlich sorgfältig richtiggehend von der Landkarte getilgt. Diese Zerstörung erfolgte so tiefgreifend, dass eine Wiederinbetriebnahme der Anlage absolut unmöglich war, da das Fundament an neuralgischen Stellen vollständig zum Einsturz gebracht wurde. Diese Abrissarbeit war keine willkürliche Zerstörung sondern eine Ingenieursleistung mit einem klar durchdachten Konzept. Die systematische Niederlegung der Burg erfolgte in zwei Phasen: In der ersten Phase wurden die hölzernen Aufbauten zerstört. Hiervon waren auch die Fachwerkhäuser im Burginneren betroffen. Dabei wurde die Burg nicht „rückgebaut“ wie es bei der Ketzelburg bei Haibach (87) der Fall war, sondern alles Verwertbare, wie die teuren Balken, Kachelöfen und sonstiges Mobiliar, wurde durch Brandlegung unwiederbringlich zerstört. Dass dies nicht ein spontaner Akt war, der aus Zeitgründen erfolgte, zeigt die bereits beschriebene zeitintensive Niederlegung der Ringmauern. In der zweiten Phase wurden die Mauern so gründlich niedergelegt, dass buchstäblich kein Stein auf dem anderen mehr stand. Dieses außerordentlich sorgfältige Vorgehen bei der Zerstörung der Anlage lässt sich damit erklären, dass es beabsichtigt war, die Burg vollständig von der Landkarte zu tilgen. Es wurde somit Sorge getragen, dass eine zeitnahe sowie auch eine langfristige Besiedlung des Areals unterblieb. Aus dem archäologischen Befund ist es ebenfalls eindeutig ersichtlich, dass die Zerstörung nicht im Rahmen einer erfolgreichen Belagerung erfolgte, denn dann hätte man nicht diese zeitliche Abfolge von systematischer Brandlegung und Niederlegung der Mauern. Desweiteren auszuschließen ist, dass die Burg irgendwann überflüssig wurde und man sie aufließ. Da wäre zwar grundsätzlich das Niederlegen der Mauern denkbar, doch keinesfalls die brutale Brandzerstörung an wiederverwertbarem Baumaterial und Hausrat. Letztlich ist auch hier wieder der Vergleich mit dem Gräfenberg bei Hösbach-Rottenberg ausschlaggebend, wo wir ziemlich sicher sind, dass wir es mit einer von dem Erzbischof von Mainz im Rahmen einer Strafaktion gegen die Rienecker zerstörten Burg zu tun haben (88). Während der Grabungen im Herbst 2007 konnte hier in gleicher Dimension die Abfolge von kompromissloser Brandzerstörung und der möglichst vollständigen Vernichtung der Mauerstruktur nachgewiesen werden. Aus archäologischer Sicht kommt demnach zusammenfassend nur ein Lösungsansatz in Frage: Die Burg wurde im zweiten Drittel des 13. Jahrhunderts sehr schnell errichtet. Das hierfür notwendige immense Kapital lässt als Erbauer am Ehesten auf das Bistum Mainz oder die Grafen von Rieneck schließen. Nach einer kurzen aber intensiven, ganzjährigen Nutzungsphase folgte eine außerordentlich gründliche und systematische Niederlegung. Gerade die Art und Weise der Zerstörung der Anlage spricht unseres Erachtens nach dafür, dass wir es hier mit einer Strafaktion zu tun haben. Verknüpft man diese Argumente mit den Machtverhältnissen im zweiten Drittel des 13. Jahrhunderts, so liegt die Vermutung nahe, dass die Zerstörung des „Alten Schlosses“ mit dem Konflikt zwischen Mainz und Rieneck in Zusammenhang zu setzen ist. Bei diesen Auseinandersetzungen unterlagen die Rienecker. Sichtbare Folge dieser Niederlage ist die Schleifung der in Richtung Mainz weisenden neu errichteten Burgen am westlichen Spessartrand (89) Nach dem Vergleich des aktuellen Forschungsstandes der historischen und der archäologischen Seite ist festzustellen, dass, wie so häufig, keine der beiden Seiten einen vollständig schlüssigen Beleg liefern kann. Dennoch können durch die Ausgrabungen in den Jahren 2006 und 2007 einige Ergebnisse der historischen Forschung korrigiert werden. So ist die von mehreren Historikern vorgenommene Gleichsetzung des "Alten Schlosses" mit der Burg Waldenberg in Frage zu stellen, da deren Gründung spätestens während des zweiten Episkopats Konrads von Wittelsbach (1183-1200) erfolgte, der archäologische Befund jedoch die Erbauungs-, Nutzungs und Zerstörungszeit der Anlage in das zweite Drittel des 13. Jahrhunderts datiert. Daher bedarf es weiterer Forschungen, um die Geschichte des „Alten Schlosses“ und der Burg Waldenberg näher zu erhellen. Harald Rosmanitz |
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Anmerkungen |
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Literaturverzeichnis |
Fries 2008: Grathoff 2005: Grathoff 2008: Hartmann 1997: Hartmann 2000: Kemethmüller 2007: Kilian 1931: Pfahler 1978: Rosmanitz 2006: Rosmanitz 2008: Ruf 1984a: Ruf 1984b: Rückert 1992: Schallmayer 1987: Steinmetz 1998a: Steinmetz 1998b: Wintergerst 2002: |
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