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Häusliche Frömmigkeit |
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Die nachträglich gefasste Figurengruppe der Anna Selbdritt hat eine Höhe von 31 cm. |
Bleibt noch zu klären, was man mit diesen kleinen Bildern bezweckte. Dazu sollte man erst einmal darüber nachsinnen, wie das Fragment von der Mole ergänzt und welcher Werkstattgruppe es zugewiesen werden kann.
Hervorstechendstes Merkmal des Heimbuchenthaler Stückes ist der halbrunde Sockel mit rautenförmigem Maßwerk. Ein vergleichbares, allerdings mehr als doppelt so großes Figürchen im Badischen Landesmuseum in Karlsruhe zeigt auf gleich ausgebildetem Sockel eine Figurengruppe mit der Anna Selbdritt. Eine Pieta im Spital von Bärenweiler zeigt, dass auf einem ähnlich gebildeten Sockel auch andere Andachtsfiguren denkbar sind. Dies bestätigt auch ein Blick auf das Fundmaterial aus der Kreuzlingerstraße 29 in Konstanz. Dort findet die Sockelgestaltung für eine sitzende Madonna, eine stehende Heilige sowie für den stehenden Heiligen Gallus Verwendung. In allen Fällen gibt es Ähnlichkeiten aber keine Übereinstimmungen des Faltenwurfs mit dem Heimbuchenthaler Relief. Dennoch helfen die Konstanzer Vergleiche weiter. So sind die Gewandfalten in Heimbuchenthal eher bezeichnend für eine sitzende Figur, so dass für uns am ehesten eine Madonna oder eine Pieta in Frage kommt.
Wie Brigitta Nage bereits bei der Bearbeitung des Konstanzer Werkstattfundes ausführlich darlegte, lassen sich alle Figuren dieser Gruppe stilistisch dem ausgehenden Weichen oder Internationalen Stil zuschreiben. Dies legt einen Entstehungszeitraum in den Jahren vom 1430/40 nahe. Brigitta Nagel verweist dabei insbesondere auf „weich modellierte, parallel geführte Röhrenfalten, die über dem Boden umknicken und in parallel angeordnete zickzackförmige Staufalten übergehen“. Damit weicht des Figürchen um mindestens vierzig Jahre von dem sonstigen, in dieser Schicht geborgenen Fundgut ab, das in erster Linie mithilfe der recht frühen, in Dieburg gefertigten Halbzylinderkacheln ausnahmslos in die 1380er Jahre datiert werden kann.
Tonfiguren lassen sich bezüglich ihrer Nutzung in zwei Gruppen unterteilen: Der Vielzahl von eindeutig als Spielzeug von Kindern wie auch von Erwachsenen genutzten Figuren steht eine ebenfalls nicht ganz unbedeutende Anzahl von Figuren gegenüber, die eindeutig volksfrömmigen Charakter besitzen. Eingebaut in kleine Altärchen oder als Andachtsbilder an der Wand hängen oder an markanter Stelle auf einem Gesims oder in einer Nische stehend sollten sie die Bewohner vor Krankheit und Naturgewalten schützen. Eine geradezu abergläubische Verwendung fanden die als Devotionalien in Einsiedeln in der Schweiz verkauften Nachbildungen des wundertätigen Heiligenbildes aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Der beim Zerreiben der Figur entstehende Staub wurde eingenommen und sollte dem sehnlichen Kinderwunsch Rechnung tragen. Auch legte man solche Figürchen gerne unter das Wurzelwerk eines neu gepflanzten Baumes. Sicher erhoffte man sich dabei eine deutliche Ertragsteigerung. |
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Der Ausschnitt aus dem Tafelbild "Die Heilige Barbara am Kamin" aus dem Jahre 1438 zeigt über dem Kamin eine auf einen Sims gestellte Heiligenfigur. Bei dem Stück aus der Mole dürfen wir mit einer ähnlichen Plazierung rechnen. |
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