|
|
 |
Des Ketzelburgers neue Kleider
Die meisten Textilien des täglichen Bedarfs dürften von den Bewohnern der Ketzelburg selbst gefertigt worden sein. Bester Beleg dafür sind die Funde von Spinwirteln und Webgewichten.
|
 |
 |
 |
Gewoben wurde auf der Ketzelburg in einem Grubenhaus, einem kleinen, einräumigen Vielzweckbau von rechteckiger Form, dessen Nutzfläche 0,5 bis 1,0m in den anstehenden Boden eingetieft wurden. Grubenhäuser werden seit der Zeit um Christi Geburt bis in die Neuzeit errichtet. Die größeren Typen wurden hauptsächlich als Werkstätten und Handwerkhäuser, die kleineren Typen als Erdkeller zur Lagerung von Vorräten genutzt. Aufgrund ihres gleich bleibenden Innenraumklimas und der relativen Feuchtigkeit sind sie besonders gut für Textilverarbeitendes Handwerk und zur Lagerung von Milchprodukten und deren Weiterverarbeitung geeignet.
Der Gewichtswebstuhl, an dem das gefundene Webgewicht hing, war seit der Bronzezeit üblich und hat sich in ländlichen Gebieten lange erhalten, in Lappland bis ins 20. Jahrhundert.
|
 |
 |
 |
Ein Gewichtswebstuhl besteht aus zwei festen Holzstützen, die oben astgabelförmig ausgearbeitet sind. Hier wird ein waagerechter Balken eingelegt, der sogenannte Tuchbaum. Um den Tuchbaum wird das fertige Gewebe aufgewickelt. Dieser Rahmen lehnt schräg an einer Wand, und Hunderte von Kettfäden hängen vom Tuchbaum herab. Die Kettfäden werden durch Gewichte beschwert. Die Gewichte wurden aus einer Stroh- und Lehmmischung geformt und – wie der Lehm für die Fachungen von Fachwerkbauten - an der Luft getrocknete. Die an den Webgewichten hängenden Kettfäden laufen jeweils abwechselnd über oder unter einem Trennstab hindurch. Der durch die Schrägstellung resultierende Zwischenraum nennt sich Fach.
Um das Fach zu wechseln, müssen die jeweils hinten liegenden Fäden nach vorne gezogen werden. Jeder hintere Faden ist zu diesem Zweck einzeln an eine Fadenschlaufe (Litze) gebunden, alle Litzen werden durch den Litzenstab nach vorn gezogen. Nach jedem Fachwechsel wird der Schußfaden vom Knäuel oder von der Spindel mit der Hand durch das Fach geführt.
Die Breite der Stoffe wurde durch die Armlänge der Weber begrenzt, die ja die Schußfäden durch die Kettfäden reichen mußten, und betrug meist zwischen 60 und 90 cm. Auf einen Zentimeter kommen 10 Kettfäden und 9 Schußfäden.
Die übliche Maßeinheit für Stoff war die „Elle“. Ihre absolute Größe betrug etwa 45 cm. |
Zum Seitenanfang
|
 |
|