|
|
 |
Die spinnen, die von der Ketzelburg ...
Von vornehmlich hausfraulicher Tätigkeit zeugt eine auf der Ketzelburg gefundene Spinnwirtel. In ihrer Form ähnelt sie einer großen Perle mit doppelkonischem Querschnitt. Wie die meisten Wirteln besteht sie aus Ton.
|
 |
 |
 |
Von der Jungsteinzeit bis zum ausgehenden Mittelalter waren diese Wirtel unerläßliches Werkzeug bei der Textilherstellung. Bevor mit Hilfe der Spinnwirtel der zum Weben benötigte Wollfaden hergestellt werden konnte, musste die Schafwolle zum Spinnen vorbereitet werden. Nach dem Sortieren, Reinigen, Waschen und Schlagen, dem Auflockern, wurde die Wolle mit Handkratzen bearbeitet. Das aus solcher Wolle gesponnene Garn hieß Streichgarn. Streichgarne wurden für Tuche verwendet. Eine andere Art der Wollvorbereitung ist das Kämmen. Mit Eisenkämmen, die vorher in Feuertöpfen erwärmt wurden, wurden aus der Wolle die kurzen Fasern ausgekämmt. Die aus den übrig gebliebenen langen Wollfasern gesponnenen Garne nennt man Kammgarne.
Auf eine stabförmige hölzerne Spindel mit spitzen Enden gesteckt, dienten sie als Schwungrad bei der Erzeugung von Fäden. Die Funktionsweise lässt sich wie folgt beschreiben: Aus einem größeren Büschel von Wolle oder Fasern (Rocken, Wocken oder Kunkel genannt) werden einzelne halb herausgezogen, verzwirbelt und am oberen Ende der Spindel befestigt. Versetzt man die Spindel mit dem Spinnwirtel nun in Drehung, so fügen sich die Fasern zu einem festen Faden zusammen. Durch weiteres Nachziehen von Fasern aus dem Rocken wird dieser Faden immer länger, bis er auf die Spindel aufgewickelt werden kann. Nach und nach entsteht ein Faden beliebiger Länge. Ist die Spindel voll, wird der Faden an einer Haspel abgewickelt und als Knäuel zur weiteren Verarbeitung aufbewahrt.
Bei dem großen Textilbedarf in früheren Zeiten ist es nicht weiter verwunderlich, dass das Spinnen zu den Haupttätigkeiten der Frau gehörte; in vielen Haushalten stand die Spindel wohl selten still. Dies erklärt auch die große Rolle des Spinnens in Märchen (Dornröschen sticht sich an der Spindel; die drei Spinnerinnen) und Sagen (die spinnenden Schicksalsgöttinnen) und gleichzeitig das Auftreten von Spinnwirteln im archäologischen Fundgut aller Zeiten.
|
 |
 |
 |
Da die Wirtel in ihrer Form stark durch die Funktion bestimmt sind, fällt eine typologische Gliederung schwer. Man kann jedoch davon ausgehen, dass leichte Wirtel für das Verspinnen von Wolle und schwere Wirtel für die Verarbeitung von Flachs/Lein Verwendung fanden. Die Spinnwirtel aus Haibach ist der ersten Gruppe zuzurechnen. Oft sind vorgeschichtliche Spinnwirtel von mittelalterlichen nur durch die Beschaffenheit des Materials zu unterscheiden, eine genaue Datierung eines einzeln gefundenen Spinnwirtels ist meist unmöglich.
Abgelöst wurden die Spinnwirtel erst ganz allmählich durch die Einführung des Spinnrades. Erstmals wird ein Spinnrad in der Tuchordnung von Speyer aus dem Jahre 1298 genannt, doch ist davon auszugehen, dass Spinnräder schon früher in Mittel- und Nordeuropa benutzt worden sind. Vielerorts hielt sich aber die Methode des Handspinnens noch lange über diese Zeit hinaus, insbesondere zur Herstellung feiner Garnqualitäten.
|
Zum Seitenanfang
|
 |
|