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Hinterm Ofen ist mir wohl!
Ein geheizter Raum gehört in unserer Klimazone seit je zu den Grundbedürfnissen des Menschen. Im Mittelalter gab es neben der rauchigen, offenen Feuerstelle schon früh andere Heizformen. Im adeligen Wohnbau Mitteleuropas wurden spätestens seit dem frühen 12. Jh. einfache Kachelöfen gebaut, die aus gemagertem Lehm - dem Ofenlehm - und gebrannten Keramikbechern - den Becherkacheln - bestanden.
Der Kachelofen hat gegenüber der offenen Feuerstelle drei wichtige Vorteile: Der zu erwärmende Raum kann erstens rauchfrei, zweitens gleichmäßig und drittens lang andauernd beheizt werden. Da der Ofen als Wärmespeicher funktionierte, wurden zur optimalen Abstrahlung keramische Kacheln mit ihrer Öffnung gegen den Raum hin im Ofenlehm eingesetzt. Der Kachelofen wurde vom Nebenraum, der Diele oder Küche, eingefeuert. Damit das Holz und der Rauch vom beheizten Wohnraum ferngehalten werden.
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Auf der Ketzelburg konnte ein solcher Hinterladerofen archäologisch für den zentralen Wohnturm einwandfrei nachgewiesen werden. Man kann davon ausgehen, daß die Existenz der ältesten Kachelöfen auch das Auftreten einer abgetrennten „Stube" im Wohnhaus voraussetzt. Ein Kachelofen macht ja nur dann Sinn, wenn er einen - meist kleinen - Raum rauchfrei beheizt, während nebenan oder unterhalb eine Küche oder Diele mit offener Feuerstelle in Gebrauch ist.
Bei den in Haibach gefundenen Fragmenten von Becherkacheln handelt es sich um unglasierte, grob gemagerte graue Irdenware. Vergleichbare Kacheln fanden sich bei Ausgrabungen in Großostheim sowie auf dem Theaterplatz in Aschaffenburg. Alle diese Kacheln dürften nach Ausweis ihrer Beifunde um 1200 gefertigt worden sein.
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Die Kacheln waren mit ihrer Öffnung gegen den Raum hin in der Ofenwandung eingelassen, so daß die Wärme gut abstrahlen konnte. Sie gehörten vermutlich zu einer einfachen Ofenform, wie sie beispielsweise in einer Würzburger Handschrift der Mitte des 13. Jahrhunderts als Illustration des Monats Januar dargestellt wurde: Das Bild zeigt einen Mann, der auf einem hölzernen Hocker vor dem Ofen sitzt. Er hat einen Stiefel ausgezogen und wärmt seine nackten Füße an einem Glutbecken. Gleichzeitig trinkt er aus einer hölzernen Daubenschale. Der Ofen ist dreiteilig aufgebaut: Im untersten Bereich befindet sich ein Wärmefach. Darüber sind zwei durch ein Gesims abgestuft zurückversetzte Ofenteile dargestellt. Die Kleinheit des dargestellten Ofens braucht nicht zu erstaunen: In der mittelalterlichen Kunst wird oft nach dem Bedeutungsmaßstab gemalt, indem der inhaltlich wichtige Teil - in diesem Fall die Person - deutlich größer dargestellt wird als die damals nebensächlichen Objekte.
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