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Ritter Reiner von Heydebach (der Name ist noch nicht wissenschaftlich belegt, wird von den Haibachern aber schon lange für „ihren“ Ritter verwendet) hat sich offensichtlich doch für eine längere Zeit auf seiner Ketzelburg einrichten wollen. Die gegenwärtig laufenden Grabungen beweisen dies mit Funden aus dem Eingangsbereich seiner Burg auf dem Ringwall. Der Archäologe Harald Rosmanitz legte bereits in den ersten Tagen des neuen Grabungsabschnittes mit Helfern des Heimat- und Geschichtsvereins eine Toranlage frei, die auf einen repräsentativen Eingangsbereich schließen lässt. Ein Torhaus wurde getragen von einem äußeren Tor, ein schmaler Gang, von zwei mächtigen Mauern flankiert, sollte es Eindringlingen schwer machen, ins Innere der Burg zu kommen. An die Toranlage anschließend konnte jetzt auch ein Graben für eine Pfostenreihe frei gelegt werden, der die Palisaden zum Schutz der inneren Mauer hielt. „Ein solch aufwändiger Eingangsbereich stellte die Macht und das Ansehen des Ritters deutlich vor Augen“ erklärte Rosmanitz, warum der Burgherr die relativ kleine Burganlage mit einer solch großen Investition aufwertete. Der schwarze Humus im Eingangsbereich lasse darauf schließen, dass die Toranlage einige Jahre in Betrieb gewesen sei. Drei Bauphasen nachweisbar Inzwischen könne man drei Bauphasen erkennen: Erst sei wohl nur ein Holzzaun errichtet worden. Ein behauener Sandstein, ordentlich „ins Wasser gelegt“, rühre von einer zweiten Phase her. Der Stein stamme nicht aus dem Umfeld der Burg und sei wohl eigens angeliefert worden. Er habe die Toranlage getragen. Diese Anlage sei dann aber wieder zugefüllt worden. Ob das Tor als zu groß für die Burg erkannt worden sei oder ob das Ende der „Kleinburgen“ rund um Aschaffenburg schon nahe war, ließe sich nicht nachweisen. Da kein weiterer Steinausbau zur Befestigung vorgenommen wurde, lässt die Zeit der Anlage ziemlich genau auf das Jahr um 1180 datieren. In dieser Zeit ist das Verbot des Erzbischofs Konrad von Wittelsbach (im Jahr 1189) bekannt, der als Landesherr die „Befestigung vor den Toren Aschaffenburgs“ in einem Brief verbot. Er reagierte damals auf die Spannungen zwischen dem Papst, vertreten durch die Mainzer Bischöfe und dem Kaiser, der seinen Einfluss im Spessart von den Grafen von Rieneck wahren ließ. Eingesetzte Ministerialen verwalteten für die Grafen das Land. Vom Erzbischof von Mainz war in Aschaffenburg das Stift St. Peter und Alexander zuständig, die geistliche Macht auszubauen. Die Ministerialen verstanden es in diesem Machtkampf ihre eigene lokale Machtbasis zu schaffen. So entstanden rund um Aschaffenburg ein Ring von Befestigungen. Baukunst des Mittelalters Der Raum links vom Eingang wurde als eigenständiger Wohnraum benutzt, was sich durch einige Scherbenfunde belegen lässt. Rechts vom Eingang lag wohl eine Getreidedarre. Darin wurde in einem Graben Reißig verbrannt, was Feuchtigkeit entzog und die Erde verziegelte. So wurde eingelagertes Getreide vor dem Keimen geschützt und konnte lange aufbewahrt werden. Rosmanitz: „Der Burgherr hatte großes Wissen über praktischen Anlagenbau. Das eingebrachte Fremdmaterial, Lehm und Sand, befestigte die Böden so gut, dass selbst in Regenperioden das Wasser schnell in Drainagekanälen abfließen konnte und sich kein Schlamm ansammelte.“ Gäste willkommen Die Grabungen werden noch bis 23. Juli fortgeführt. Rosmanitz hofft auf einen Fund eines Gegenlagers zur Toranlage, so dass er eine Brücke oder eine Bohlenweg nachweisen kann. Dafür wir ein Grabungsschnitt in den Burggraben geführt. Auch soll ein Schnitt in den äußeren Wall das Ausmaß der Anlage fest stellen. Sehr aufgeschlossen ist der Archäologe für Besucher. Wer sich anmeldet bekommt eine ausführliche Erklärung der Anlage. Besonders Schulklassen sind willkommen. Auch ist der Heimat- und Geschichtsverein noch auf der Suche nach Helfern, die bei den Grabungen zur Hand gehen. Wer sich beteiligen möchte wendet sich an den Vorsitzenden Dieter Hock, Telefon 61965 oder email: di.hock@hugverein-haibach.de Sicherung des Wohnturms Parallel zu den neuen Grabungen hat der gemeindliche Bautrupp damit begonnen, die im letzten Jahr gefundenen Grundmauern des Wohnturms zu sichern. Das Gebiet wurde inzwischen abgedeckt um es für die Zukunft zu bewahren. Darüber werden Betonfundamente für den Aufbau einer doppelwandigen Mauer errichtet, die künftigen Generationen die Lage des Turms verdeutlichen soll. Der Originalmörtel wurde analysiert, damit die neue Mauer in mittelalterlicher Handwerkskunst nachgebaut werden kann. Im Innern wird das Gebäude dann aber mit Kies aufgefüllt, ein Plattenbelag zeigt die Raumaufteilung. „Sicher wird auch ein Hinweis auf den Burghund angebracht, dessen Skelett gesichert werde konnte“, versprach Dieter Hock vom Heimat- und Geschichtsverein. Artikel von Robert Fuchs, erschienen am 1. Juli 2005 im Main-Echo
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