Die Spessarteiche bei Einsiedeln steht an dieser Stelle schon seit mehreren Jahrhunderten. Spessarteichen waren bis ins 19. Jahrhundert für den Schiffbau begehrtes Baumaterial. Durch den nährstoffarmen Boden wuchsen die Bäume verhältnismäßig langsam und es bildelte sich ein hartes, dicht gemasertes Holz aus, das vor allem für die Kiele und Masten von Schiffen genutzt wurde. Die alten Eichen, die heute noch im Spessart stehen, sind vornehmlich Huteeichen, erkennbar an ihrer Form. Da der Baum in weitgehend entwaldeten Regionen freistehend gepflanzt wurde, mußten sich schon im Frühstadium seines Wachstums weit ausladende Äste entwickeln, um dem Wind zu trotzen. Damit nahm der Baum eine eher pilzförmige Gestalt an. Huteeichen wurden für die Schweinemast gepflanzt und gehegt.

Der Spessart ist ein dicht bewaldetes Mittelgebirge im Herzen Deutschlands. Wie viele Mittelgebirge hat es im 19. und bis weit in das 20. Jahrhundert hinein eine Periode tiefer Armut erlebt. Dies hat das Image des Spessart geprägt, das von Armut, Wald und den berühmten Spessarträubern bestimmt wird, die durch Wilhelm Hauffs Märchen „Das Wirtshaus im Spessart“ und den gleichnamigen Film aus den 50er Jahren populär wurden. Dieses Bild hat sich so tief in das Bewusstsein der Menschen eingeprägt, dass es von Einheimischen wie Touristen gleichermaßen geteilt wird. Der Unterschied liegt lediglich in der Bewertung des Images. Während es für die Touristen dem romantischen Klischee einer natürlichen Landschaft voll abenteuerlicher Geschichte(n) entspricht, fühlen viele Einheimische das Image der Armut als negativ, um so mehr in unserer vornehmlich am Wirtschaftswachstum orientierten Gesellschaft, in der sozialer Abstieg und Armut mehr denn je als Makel gilt. Eine dritte Gruppe bilden jene Bewohner des Spessart, die vor allem seit den 1970er Jahren aus den nahe gelegenen urbanen Zentren in den Spessart zugezogen sind, um „im Grünen“ zu leben und ihre Kinder fernab von Sex, Gewalt, Drogen und all den Problemen der Großstadt aufwachsen zu sehen. Heute machen diese „Zugereisten“ und die Folgegeneration etwa die Hälfte der Bevölkerung im Spessart aus. Ihre Sicht auf den Spessart wird von dem positiven „grünen“ Image und dem Traum vom Leben in gesunder, unverfälschter Natur bestimmt, während zum großen Teil das Geldverdienen und Konsumieren nach wie vor in den umliegenden Städten stattfindet.

Der Spessart ist daher für Denkmalschützer wie Landschaftsplaner eine nicht ganz unproblematische Landschaft. Viele alteingesessene Bewohner haben kein positives Gefühl der Verantwortung für ihre Landschaft und wollen möglichst rasch alle Zeugnisse der Vergangenheit loswerden, die nur als Erinnerung an eine Epoche der Armut und Not empfunden werden. Dagegen wollen viele zugezogenen Bewohner den Spessart gar nicht als eine alte Kulturlandschaft wahrnehmen, sondern als ein naturverbundenes Rückzugsgebiet das sich durch die Zeiten kaum verändert und seine „natürliche Unschuld“ bewahrt hat. Kulturelles Leben findet in der Stadt statt in der sie arbeiten, ins Theater und Kino gehen, in trendige Bars und schicke Restaurants. Der Spessart dagegen, wohin sie ihren Lebensmittelpunkt verlagert haben, stellt für sie eine „heile“ Gegenwelt dar, geprägt von Natur und Ruhe.

Mitten im Wald liegt die Glashütte im Birklergrund bei Wiesen. Fernab aller Siedlungen entstand an dieser Stelle im Jahre 1765 eine perfekt durchorganisierte Glasmanufaktur. Die Lage der kleinen Fabrik läßt sich mit damit erklären, daß man bei einer solch umfangreichen Produktion maßgeblich von großen Holzvorkommen abhängig war. Die Nähe zu einem bereits bestehenden Dorf erwies sich hier als störend.  Die archäologischen Reste lassen Hightech erahnen. Die Raffinierung der Pottasche in eigens dafür errichteten Brennöfen sowie die Übernahme neuester Ofentechnologie aus Frankreich erwiesen sich als klug durchdacht, außerordentlich effizient und vor allem als energie- und damit holzsparend.Natürlich ist der Spessart in Wirklichkeit eine Kulturlandschaft, die schon vor etwa acht Jahrtausenden in der Jungsteinzeit von den ersten Bauern aufgesiedelt wurde und seither von Fernhandelswegen durchzogen und mit seinen natürlichen Ressourcen wie Holz, Salz, Erze und Mineralien einen bedeutenden Wirtschaftsraum darstellte. Diese reiche Vergangenheit wird durch die negativen Entwicklungen der Industrialisierung überdeckt, in der die meisten Mittelgebirgsregionen Europas zu den Verlierern zählten. Die vielen, aber nie sehr bedeutenden Rohstoffvorkommen hatten durch Jahrtausende eine lokale und regionale Wirtschaftsstruktur getragen, die jedoch mit den modernen Industriezentren nicht mithalten konnte, wo Produkte hoher Qualität besser und weit billiger produziert werden konnten. Dank neuer Transportmittel ließen sich diese Massenprodukte ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aus den Industriezentren vergleichsweise kostengünstig in die entlegensten Gegenden bringen, wo sie die lokale Produktion vollends zum erliegen brachten. Im Kleinen spielte sich hier eine Globalisierung ab, wie wir sie heute in weltweitem Maßstab tagtäglich am eigenen Leib erfahren.

Wie an vielen Stellen im Spessart wird auch hier der Bach für das Betreiben eines Wasserrades aufgestaut.  Im Zeitalter der Elektromotoren haben wir fast vergessen, welche Rolle die Wasserkraft für die vorindustrielle Gesellschaft spielte. Regionen wie der Spessart mit ganzjährig wasserführenden Bächen mit vergleichsweise großem Gefälle erhalten dadurch eine große Bedeutung, bilden das Rückgrat einer frühindustriellen, reichen Region. Wie an einer Perlenkette reihte sich in den Tälern des Spessarts Mühle an Mühle - und das keineswegs nur zur Mehlherstellung. Man stampfte Filz, sägte Bretter, schmiedete Eisen, erzeugte Strom und - wie in vorliegendem Fall - zerstampfte Senfkörner. Der in dieser Mühle bis um 1960 gefertigte Senf konnte in allen Speisewagen der Deutschen Bahn genossen werden. Der Spessart wurde zu einer Randregion im negativen Sinne des Wortes. Ihr Stigma gipfelte in der weithin bekannten Studie Rudolf Virchows zur Armut im Spessart. Diese Untersuchung dominierte das Bild dieser Landschaft so erfolgreich, dass selbst viele Historiker und Archäologen den Spessart aus dem einfachen Grund links liegen ließen, weil doch jeder wusste, wie wenig diese Region am Ende des 19. Jahrhunderts zu bieten hatte.

Die systematische Wiederaufforstung seit dem 18. Jahrhundert führte zu einer Landschaft, die weitgehend bewaldet ist. Da der Wald als idealer Schutz auch für das kulturelle und archäologische Erbe galt, wurde der Spessart auch von der Denkmalpflege kaum beachtet, die ihre geringen Mittel für wesentlich dringendere Vorhaben in den Zentren urbaner und industrieller Entwicklung einsetzen musste. Daher ist das kulturelle Erbe im Spessart in Zeiten einer zunehmenden Industrialisierung und Rationalisierung, auch der Forstwirtschaft, besonders gefährdet, da es nur unzureichend erforscht wurde und daher auch kaum behördlich geschützt werden kann.