Kugelberg 2.0 –
Die Ausgrabungen einer der ältesten Burgen im Spessart

 

Vortrag von Harald Rosmanitz
am Dienstag, den 16. April 2019, 19.30 Uhr
 im Vereinsheim des Heimat- und Geschichtsvereins Haibach, Hauptstraße 6 in 63808 Haibach
Eine Veranstaltung des Heimat- und Geschichtsvereins Haibach und des Archäologischen Spessartprojekts
Der Eintritt ist frei

 

Ehrenamtliche Helfer säubern die freigelegte Ringmauer der Burg auf dem Kugelberg während der Grabungen 2018Die Beschäftigung mit der Burg auf dem Kugelberg bei Goldbach reicht schon mehrere Generationen zurück. Auf der Suche nach einer schlüssigen Erklärung, warum gerade an dieser Stelle eine Wehranlage errichtet wurde und welche Funktion sie hatte, schuf man Legenden und Singspiele. Man ging sogar so weit, anderenorts einen Teil der Burg „wiederaufzubauen“. Zur Verankerung in das mittelalterliche Feudalsystem wurden Archivalien, Flurnamen und die Genealogie des Burgherrn analysiert und zum Teil gegensätzlich interpretiert.

Zu Beginn der 1930er Jahre versuchte ein arbeitsloser Elektriker, durch Grabungen die Ausdehnung und Funktion der Wehranlage genauer zu fassen. Danach fiel die Burg in einen Dornröschenschlaf, der erst letztes Jahr durch die Ausgrabungen sein vorläufiges Ende fand: Archäologen und Geographen rückten der Hügelkuppe mit modernsten Techniken zu Leibe.

Längst sind noch nicht alle Daten dieser dreimonatigen Recherche ausgewertet. Bereits jetzt kristallisiert sich jedoch heraus, dass unser Blick auf die Burg auf dem Kugelberg künftig ein völlig anderer sein wird als vor den Untersuchungen. Sich überlagernde Schichten von Bauschutt und Fundstücke sprechen dafür, dass die Burg mit ihrem rechteckigen Grundriss bereits im ersten Drittel des 12. Jahrhunderts errichtet wurde. Sie zählt damit zu den ältesten Burgen in der Region. Fast ein Jahrhundert vor der großen Burgenbauwelle stand bereits oberhalb von Goldbach ein weithin sichtbares Bauwerk. Im Gegensatz zu vielen Höhenburgen diente es weniger der Kontrolle des Umlandes als der Sicherung der nahe gelegenen Stadt Aschaffenburg. Mehrere Münzen verweisen auf den Mainzer Erzbischof Adalbert I. von Saarbrücken als Initiator des Bauwerks. Die Forschung auf dem Kugelberg ist unter anderem deshalb von größtem forschungsgeschichtlichen Wert, da sich im Fundgut zahlreiche Parallelen zur Ketzelburg bei Haibach finden ließen. Die Funde vom Kugelberg spiegeln den adeligen Lebensstil wider. Sporen, vergoldete Schildbeschläge, silberne Münzen und jede Menge Pfeilspitzen und Armbrustbolzen sowie Hirschgeweihe sind dafür hinlängliche Indizien. Gekocht wurde mit den gleichen Töpfen, wie sie auch auf der Ketzelburg im Einsatz waren. Gleiches gilt für die Trinkbecher und Tüllenkannen. Im Spannungsfeld zwischen reichen Bauern (Ketzelburg) und Vasallen des Erzbischofs von Mainz (Kugelberg) treten Unterschiede und Gemeinsamkeiten zu Tage, wie sie in Unterfranken bislang für das 12. Jahrhundert noch nicht gefasst werden konnten.

Im Rahmen seines Lichtbildvortrags nimmt der Referent die Zuhörer mit auf eine Reise in eine Zeit, in der am Untermain kaum eine Burg existierte. Umso bedeutender war der Stellenwert der wenigen Wehranlagen. Obwohl die Ketzelburg zu einem Zeitpunkt errichtet wurde, an der die Burg auf dem Kugelberg bereits ihren Zenit überschritten hatte, zeichnen beide Anlagen zusammen eine hochmittelalterliche Lebensrealität nach, die auch für den Forscher in vielen Bereichen noch Überraschungen bereit hält.