Von Katastrophen und randvollen Aborten
Die Ausgrabungen auf der Burg Wahlmich 2018

 

Vortrag von Harald Rosmanitz
am Freitag, den 15. Februar 2019, 19.30 Uhr
im Gasthaus Krone, Aschaffenburger Straße 33 in 63857 Waldaschaff

 

Eine Veranstaltung des Vereins für Heimatpflege Waldaschaff und des Archäologischen Spessartprojekts – Unterfränkisches Institut für Kulturlandschaftsforschung an der Universität Würzburg
Der Eintritt ist frei

 

Die Grabung auf der Burg Wahlmich ist ein Baustein in einem nunmehr fünfzehnjährigen Forschungsprojekt, bei dem in enger Zusammenarbeit mit ehrenamtlich Engagierten die mittelalterlichen Strukturen des Spessarts an ausgewählten Bodendenkmälern ausschnittsweise untersucht werden. Eine maßgebliche Unterstützung erfährt dieses landkreisübergreifende Projekt durch die Kulturstiftung des Bezirks Unterfranken. Beispielhaft für vergleichbare Mittelgebirgsregionen sind inzwischen weitreichende, sehr detaillierte Aussagen über die Territorialpolitik, die Wirtschaftsweise und den Alltag in Dörfern, Burgen und Klöstern möglich.

Schaufeln statt Pauken - Schüler der Grundschule Waldaschaff mit ihrem Lehrer während der Projektwoche

Im Frühjahr 2016 und 2018 führe der Verein für Heimatpflege Waldaschaff gemeinsam mit der Gemeinde Waldaschaff systematische Grabungen auf der Burg auf der Wahlmich durch. Das Besondere an dem Projekt ist die Einbindung der Bevölkerung. Zusammen mit dem Verein für Heimatpflege Waldaschaff war es den vor Ort tätigen Archäologen möglich, Interessierte jeglicher Altersstufen unter fachlicher Aufsicht mitgraben zu lassen. Auch die örtliche Schule war mit von der Partie. Ein Team des Instituts für Geographie und Geologie der Universität Würzburg ging der Frage nach, welche Auswirkungen die Errichtung der Befestigung auf die umgebende Landschaft hatte.

Was als Untersuchung einer hochmittelalterlichen Niederadelsburg in der Art der Ketzelburg bei Haibach geplant war, führte zur Aufdeckung einer mit massiven, steinernen Mauern bewehrten und von tiefen Gräben eingefassten Wehranlage. Die Burg Wahlmich wurde im Zuge des Konflikts zwischen dem Grafen von Rieneck und dem Erzbischof von Mainz in den 1260er Jahren im wahrsten Sinne des Wortes von der Landkarte getilgt. Die Zerstörung war umfassend und tiefgreifend. Nur noch die letzten Lagen der Fundamente und massive Steinauffüllungen in den Wehrgräben lassen erahnen, welch imposante Burg hier einst an einer Furt über die Aschaff gestanden haben dürfte. Mit der Zerstörung der Burg Wahlmich verschwand für den Erzbischof von Mainz ein in fremder Hand befindlicher Kontrollposten an einer Zuwegung zum Eselsweg. Die unbehinderte Zugänglichkeit auf diese die Spessarthöhen von Norden nach Süden querende Fernstraße dürfte ein wesentlicher Standortfaktor für das durch Warenaustausch zu Wohlstand gekommene Aschaffenburg gewesen sein.
Obwohl die Burgbesatzung vor dem systematischen Abriss alles was nicht niet- und nagelfest war, abtransportierte, lässt sich aus den erhaltenen Scherben, Knochen sowie aus den Eisen- und Messingobjekten vieles über den Alltag auf der Burg ablesen.

In seinem Vortrag wird der mit den Ausgrabungen betraute Archäologe die Vielzahl von neuen Erkenntnissen darstellen, die sich bei den Grabungen 2018 im Burginneren und den angrenzenden Hängen erschließen ließen.
Der Referent geht in seinen Ausführungen der Frage nach, welche gesicherten Informationen im Jahre 2018 über das Bodendenkmal zu Tage gefördert werden konnte. Wie sah der Alltag der Burgbewohner aus? Warum freuten sich die Ausgräber über eine randvolle Toilettengrube? Welche Mosaiksteine der Grabung machen die Burg auf der Wahlmich zusammen mit den zu sichernden Mauerzügen im wahrsten Sinne des Wortes zu einem „begreifbaren“ Stück Heimatgeschichte?

Begeben Sie sich auf eine Zeitreise in die Vergangenheit einer Region, die im Hochmittelalter zu einer der wirtschaftlich bedeutendsten Regionen des Reiches zählte.