Überregional – Die Burg auf dem Kugelberg
Die Ausgrabungen 2018

 

Vortrag von Harald Rosmanitz
am Freitag, den 18. Januar 2019, 19.30 Uhr
im Haus Effata, Schulstraße 15 in 63773 Goldbach

 

Eine Veranstaltung des Geschichts- und Heimatvereins Goldbach und des Marktes Goldbach
Der Eintritt ist frei

 

Mit den Augen einer Drohne: Um die mächtige Burgmauer der Kugelburg zu dokumentieren wurde während der Grabung 2018 auch neueste Technik eingesetzt.

Die Beschäftigung mit der Burg auf dem Kugelberg bei Goldbach reicht schon mehrere Generationen zurück. Auf der Suche nach einer schlüssigen Erklärung, warum gerade an dieser Stelle eine Wehranlage errichtet wurde und welche Funktion sie hatte, schuf man Legenden und Singspiele. Man ging sogar so weit, anderenorts einen Teil der Burg „wiederaufzubauen“. Zur Verankerung in das mittelalterliche Feudalsystem wurden Archivalien, Flurnamen und die Genealogie des Burgherrn analysiert und zum Teil gegensätzlich interpretiert.

Zu Beginn der 1930er Jahre wurde versucht, durch Grabungen die Ausdehnung und Funktion der Wehranlage genauer zu fassen. Danach fiel die Burg in einen Dornröschenschlaf, der erst letztes Jahr sein vorläufiges Ende fand: Archäologen des Archäologischen Spessartprojekts und Geographen der Universität Würzburg rückten der Hügelkuppe mit modernsten Techniken zu Leibe. Maßgeblich unterstützt wurden sie dabei vom Markt Goldbach, dem dortigen Geschichts- und Heimatverein sowie von zahlreichen Helfern aus Nah und Fern.

Längst sind noch nicht alle Daten dieser dreimonatigen Recherche ausgewertet. Bereits jetzt kristallisiert sich jedoch heraus, dass unser Blick auf die Burg auf dem Kugelberg künftig ein völlig anderer sein wird als vor den Untersuchungen. Die Ergebnisse überraschten Wissenschaftler und interessierte Bürger gleichermaßen. Sich überlagernde Schichten von Bauschutt und Fundstücke sprechen dafür, dass die Burg mit ihrem rechteckigen Grundriss bereits im ersten Drittel des 12. Jahrhunderts errichtet wurde. Sie zählt damit zu den ältesten Burgen in der Region. Fast ein Jahrhundert vor der großen Burgenbauwelle stand bereits oberhalb von Goldbach ein weithin sichtbares Bauwerk. Im Gegensatz zu vielen Höhenburgen diente es weniger der Kontrolle des Umlandes als der Sicherung der nahegelegenen Stadt Aschaffenburg. Mehrere Münzen verweisen auf den Mainzer Erzbischof Adalbert I. als Initiator des Bauwerks.

Im Rahmen seines Lichtbildvortrags nimmt der Grabungsleiter des Archäologischen Spessartprojekts sie mit auf eine Reise in die Zeit dieses sehr einflussreichen Geistlichen. Deutlich konkreter sind die von den Schichten und Mauern ableitbaren Betrachtungen zur Geschichte der Anlage und ihrer Funktion. Unzählige Fundstücke geben uns Auskunft darüber, wie der Alltag auf einer der ältesten Burgen Unterfrankens ausgesehen haben könnte. Stück für Stück entsteht ein facettenreiches Bild einer Epoche, die bislang weitgehend im Dunkeln lag.