Der handgearbeitete, nicht auf der Töpferscheibe gedrehte Deckel aus Ziegelton von der Burg Bartenstein war ursprünglich rund gearbeitet. Zur Mitte hin steigt die Oberseite leicht an. Die mit Quarzsand gesandete Unterseite nimmt diesen Höhenunterschied nicht auf. An die Oberseite des aus fein gemagertem Ziegelton geschnittenen Fundstücks wurde ein Henkel mit annähernd quadratischem Durchmesser angarniert. In einem letzten Arbeitsgang dekorierte der Ziegler die nach oben weisende Oberfläche mit einem flächigen, zur Deckelmitte weisenden Kerbschnitt.

Die Funktion der Deckel aus Ziegelton konnte trotz großflächiger Erforschung bislang noch nicht abschließend geklärt werden. Langezeit ging man davon aus, dass die Stücke als Deckel der Wäremaustrittsöffnungen von Warmluftheizungen dienten. Als Indizien dafür sah man neben ihrem vergleichsweise hohen Gewicht auch die randlichen Schmauchspuren auf der Deckelunterseite.  Oft blieb der entsprechende Fundkontext die dazugehörige Warmluftheizung schuldig. Zwischenzeitlich vertritt Ralf Kluttig-Altmann die These, dass die Deckel gußeiserne oder bronzene Grapen beim Kochen verschlossen haben könnten. Die Mündungsdurchmesser dieses hochwertigen Kochgeschirrs entsprach den Abmessungen der Deckelränder. Das Kochen in diesen Gargefäßen dürfte durch das Verschließen der Mündung deutlich kürzer und energieeffizienter vonstatten gegangen sein.

Deckel aus Ziegelton wurden nicht von Töpfern sondern von Zieglern gefertigt. Diese belieferten die Burg Bartenstein zwischen dem 13. und 17. Jahrhundert mit ganz unterschiedlich ausgebildeten Dachziegeln. Ebenfalls den Werkstätten der Ziegler sind neben den kleinteilig gearbeiteten Deckeln mehrere Halter für Bratspieße zuzuweisen.

Werden die meisten Deckel aus Ziegelton dem späten 15. und 16. Jahrhundert zugewiesen, so zeigt ein entsprechendes Stück vom Kloster Elisabethenzell bei Rieneck, dass bereist um 1300 solche Formen im Spessart in Gebrauch gewesen sein dürften.

Weiterführende Literatur:

Susanne Birker, Die Zieglerdeckel aus dem Stadtgebiet von Hamm und vom Kloster Kentrop, in: Ausgrabungen und Funde in Westfalen-Lippe 14 (2018/19), S. 7-15;

Ralf Kluttig-Altmann, Zieglerdeckel aus Wittenberg im überregionalen Kontext. In: Harald Meller (Hg.), Fokus.Wittenberg. Die Stadt und ihr Lutherhaus. Forschungsberichte des Landesmuseums für Vorgeschichte Halle 7, Halle/Saale 2015, S. 41-92