Nur selten finden sich auf Spessartburgen im archäologischen Kontext Teile von Rüstungen. Zwei Eisenfragmente von der Burg Bartenstein weisen auf einen Harnisch aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts hin. Der eiserne Rüsthaken wurde bereits im Jahre 2003 bei der unsachgemäßen Entschuttung des Zwingers vor der südlichen Ringmauer geborgen. Über seine Funktion gibt uns eine Inszenierung in der Jagd- und Rüstkammer des Kunsthistorischen Museums Wien Auskunft.

 

Beim Tjosten, dem Dreh- und Angelpunkt des mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Turniers wurde die schwere Holzlanze mit eiserne Spitze auf einen auf der rechten Brusthöhe des Kürass montierten Haken aufgelegt. Dieser war mittels eines Scharniers einklappbar, so dass die Rüstung auch unabhängig von dem Turniereinsatz anderweitig genutzt werden konnte. Der ausgeklappte Haken ermöglichte es dem Reiter, die Lanze trotz der Erschütterungen beim Ritt präzise auszurichten und optimal in Zielrichtung zu halten.

Rüsthaken waren Bedeutungsträger. Mit ihnen konnte nach außen erkennbar kommuniziert werden, dass der Gerüstete sich dazu im Stande sah, an einem höfischen Turnier teilzunehmen. Entsprechend wichtig war die Zurschaustellung dieses Ausstattungsteils. Formal weist das Bartensteiner Stück deutliche Übereinstimmungen zu einem Rüsthaken auf, der auf dem Epitaph des Gottfrieds (Götz) von Berlichingen (1480-1562) im Kreuzgang des Klosters Schöntal wiedergegeben wurde.

 

Zu der Schöntaler Rüstung würde auch die Armkachel passen, die als Altfund im Museum Alter Kram verwahrt wird. Sie stammt ebenfalls von der Burg Bartenstein.