Der Gruppe der Zieglerware sind neben Hohl- und Flachziegel vor allem Bodenfliesen zu benennen. Die rechteckigen, an ihrer Oberseite reliefverzierten Keramikplatten mit Blütenmuster und Viertelkreis stammen aus der Verfüllung des Prioratshauses (Schnitt 1). Weitere Fragmente wurden in den Auffüllungen nördlich der nördlichen Umfassungsmauer in Schnitt 3, in den oberen Schichten von Schnitt 4 sowie in den Verschüttungen in Schnitt 6 geborgen. Wie die Grabungen 2011 zeigten, lassen sich sämtliche Fliesen dem in Periode 6 (Ende 14. Jh.) verlegten Fliesenboden der Kirche zuweisen. Dieser wurde anlässlich der Reaktivierung der Kirche im ersten Drittel des 17. Jahrhunderts weitgehend ausgebrochen. Etwas größer dimensionierte, glatte Bodenfliesen lassen sich einem Fußboden des schmalen Hauses südliche der nördlichen Umfassungsmauer (Schnitt 3) aus dem 15. Jahrhundert zuweisen.

Allen Bodenfliesen sind an ihren Schmalseiten leicht einziehend abgeschrägt. Ihre Unterseite ist mit feinem Quarzsand gesandet.

Die Tradition der Bodenfliese ist für das Kloster Amorbach bereits für die 1230er Jahre belegt.[1] In Entsprechung zu den Klöstern in Lorsch[2] und Bebehausen ist mit einer Produktion vor Ort zu rechnen.  In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts dürfte die nahegelegene Wildenburg mit Produkten der Amorbachen Fliesenfertigung beliefert worden sein.[3] Bereits 1993 werden Fliesenfragmente vom Gotthardsberg publiziert. Eleonore Landgraf weist diese aufgrund der ihr bekannten Baugeschichte der Mitte des 13. Jahrhunderts zu.[4]

Verbreitung mittelalterlicher und neuzeitlicher Bodenfliesen im Spessart und seinen angrenzenden Regionen. Karte: Jürgen Jung, Spessart-GISDurch die Grabungen auf dem Gotthardsberg durch das Archäologische Spessartprojekt (2010-2012) gelang es, das vierteilige Blütendekor vollständig zu rekonstruieren. Dies war einerseits mit Fliesenfragmenten möglich, die in neuzeitlichen Aufplanierungen östlich und westlich der Kirche enthalten waren.  Darüber hinaus konnten einige wenige Fliesen in situ im Kircheninneren geborgen werden. Die auf einem dicken Ziegelestrich aufgelegten Fliesen lassen sich aufgrund ihrer Anbindungen den umfassenden Sanierungsarbeiten nach der Brandzerstörung des Klosters in den 1330er Jahren (Periode 5) zuweisen, Dabei wurden die Außenmauern der Kirche einschließlich der Fundamente völlig neu errichtet. Der nun neu eingebrachte Fußboden greift in seinem Dekor auf hochgotische Vorbilder zurück. In Entsprechung zur Belassung der romanischen Arkaden des Langhauses der Kirche auf dem Gotthardsberg könnte der Fußboden demnach ganz bewusst als historische Reminiszenz an ursprünglich an dieser Stelle stehende, große Kirche verstanden worden sein.


© Harald Rosmanitz, Partenstein 2017


 

[1] Eleonore Landgraf, Ornamentierte Bodenfliesen des Mittelalters in Süd- und Westdeutschland 1150 – 1550, Bd. 14/3, (Forschungen und Berichte der Archäologie des Mittelalters in Baden-Württemberg) Stuttgart 1993, S. 18.

[2] Tina Kotlewski (Hg.), Aus Ton und Sand. Mönch und Nonne, Fabelwesen. Baukeramik im Kloster Lorsch, Lorsch 2017, S. 3-50.

[3] Eleonore Landgraf, Ornamentierte Bodenfliesen des Mittelalters in Süd- und Westdeutschland 1150 – 1550, Bd. 14/3, (Forschungen und Berichte der Archäologie des Mittelalters in Baden-Württemberg) Stuttgart 1993, S. 291.

[4] Eleonore Landgraf, Ornamentierte Bodenfliesen des Mittelalters in Süd- und Westdeutschland 1150 – 1550, Bd. 14/3, (Forschungen und Berichte der Archäologie des Mittelalters in Baden-Württemberg) Stuttgart 1993, S. 19.